Samstag, Mai 17, 2014

Ken Follett: Sturz der Titanen (Jahrhundert-Trilogie 1)

Sturz der Titanen ist der erste Roman, den ich von Ken Follett gelesen habe. Natürlich habe ich von anderen Büchern gehört, wie Die Säulen der Erde. Ich dachte allerdings, dass es sich dabei um Fantasy à la Herr der Ringe handeln würde. Die Verfilmungen habe ich nicht gesehen.
Sturz der Titanen ist lang. Und: Man braucht Muse dazu. Follett erzählt die Geschichte von mehreren Engländern, einem Deutschen, einem Amerikaner und zwei Russen während des Ersten Weltkriegs. Man erhält Einblicke in die Gesellschaftsgeschichte, in die aufkommende Frauenbewegung, in das Verhältnis zwischen Adel und Arbeiter und in die Hoffnungen und Träume der Menschen. Die konstruierte Welt stützt sich auf geschichtliche Fakten, tatsächlich getroffene Aussagen von realen Persönlichkeiten werden geschickt eingeflochten. An der historischen Authentizität braucht nicht gezweifelt werden.
An dieser Stelle kann nun über den Unterhaltungswert diskutiert werden. Die männlichen Figuren müssen allesamt einrücken. Natürlich machen die damals neuen Waffen einen Großteil der Besonderheiten des Ersten Weltkriegs aus. Aber muss man diese an fünf Figuren immer wieder ähnlich darlegen? Irgendwann habe ich angefangen, diese Szenen großzügig zu überfliegen oder sogar einfach zu überblättern. Vielleicht ist das Geschmackssache. Ein anderer fände die detaillierte Beschreibung der Kriegshandlungen auf dem Feld gerade ansprechend.
Wer in Geschichte nicht aufgepasst hat und trotzdem sein Allgemeinwissen auffrischen will, ist gut bedient. Die Hintergründe des Krieges werden gut dargestellt, ohne dass es ermüdend wirkt. Sogar die Oktoberrevolution 1917 in Russland wird ausführlich beschrieben. Zu kurz kommen allerdings die Auswirkungen des Versailler Vertrages auf die Deutschen. Dabei weisen diese u.a. den Weg in den Zweiten Weltkrieg. Ob Follett diese in Winter der Welt nachreicht, weiß ich (noch) nicht.
Trotz der persönlichen Schicksale der Figuren benötigt man doch ein gewisses Interesse an Politik und Geschichte, sonst wird die Lektüre enttäuschend sein. Beides beansprucht nämlich die meisten Seite, wer auf Herzschmerz hofft, hofft vergebens.
Mir als Historikerin ging es dann so, dass ich den Stoff für mein Examen schon bis zum Erbrechen gelernt habe. Was Neues kam für mich persönlich nicht hinzu, ich habe mich lediglich über die genaue Recherche gefreut. Es muss jedoch nochmals betont werden, dass man sich mit Follett geschichtliches Wissen in Romanform aneignen kann. Hat ja auch was für sich.
Dennoch konnte ich mich nicht dazu entschließen, Winter der Welt gleich anschließend zu beginnen. Je mehr die persönlichen Schicksale in den Hintergrund rückten, umso zäher ließ sich das Buch lesen. Es wird also erst einmal etwas einfache "Trivialliteratur" konsumiert, bevor ich eventuell noch einmal zu Follett greife.

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