Freitag, Juli 18, 2014

Laya Talis: Zwischen Göttern und Teufeln - Die Schatten (Band 3)

Ich habe schon lange nicht mehr eine Reihe so schnell verschlungen, wie diese. Dies liegt nicht nur an dem überaus spannenden und zum Kopfkino einladenden Schreibstil, den Laya Talis auch in ihrem dritten Band fortsetzt. Nein, es ist die Gesamtkonzeption, die mich anspricht.

Es wird deutlich, dass die Autorin ordentlich recherchiert hat, was die Biografie ihrer Figuren angeht.Wieso wird der Römer Marcus kalt und berechnend dargestellt? - Weil diese Eigenschaften wohl in keiner anderen Zeit als im antiken Rom so überaus wichtig für das Ansehen und den sozialen Aufstieg waren. Intrigen waren an der Tagesordnung, die Demonstration von Macht und Einfluss eine Notwendigkeit. Wer es daran mangeln ließ, hatte seinen Untergang längst besiegelt. Für wahr, das alte Rom war keine Zeit für Weicheier und Warmduscher. Ein schwacher Marcus wäre kaum überzeugend. Die Menschen (und auch die Vampire) werden von "ihrer" Zeit geprägt. Ein Marcus am Smartphone? Das wäre undenkbar.

Aber nicht nur den alten Charakteren gibt Laya Talis einen stimmigen Lebenslauf an die Hand. Die Determination der Figuren ist überall spürbar. Dazu gehört auch die junge Jessica. Was möchte man sie schütteln, weil sie die Liebe von Jeremias nicht annehmen will. "Du dusselige Kuh! Warum hältst du nur so fanatisch an deiner Organisation fest?!" denkt man gerade im dritten Teil der Serie häufig. Die Antwort ist einfach, auch wenn sie dem Leser für das herbeigesehnte Happy End nicht gefallen mag. Jessica Sommers kann nicht anders. Sie wurde in einem fanatischen, autoritären und totalitären Regime erzogen, wenn man so will, was ihr Denken und ihr Handeln gar nicht NICHT beeinflussen kann.

Doch egal, welche Seite - Vampire oder Organisation - man betrachtet, die Definition von Ehre, Gehorsam und Verrat ist jeweils die gleiche. Man mag die Vampirreihe als reine Unterhaltungsliteratur sehen, wer aber aufmerksam liest, wird die reale Welt mit all ihren Konflikten wiedererkennen. Ob blinder Fanatismus oder Krieg als Mittel der Unabhängigkeit (?), Diplomatie oder Verrat als legitimes Mittel der Politik, sowie die Rolle von Toleranz und Akzeptanz in der Vielfalt des Lebens. Man wird sich einig sein, dass dies sehr viel mehr als pure Unterhaltung ist. Vielleicht mag man ein negatives Fazit ziehen. Es war immer so, ist so und wird immer so sein. Vielleicht ist eine solche Sichtweise gar nicht pessimistisch, sondern schlichte Realität - ohne Blümchen und Schleifen.

Wen die Menschheitsgeschichte abschreckt, braucht nun aber nicht vor dieser Buchreihe davonlaufen. Im Gegenteil. Denn die Auseinandersetzung mit den kulturellen Grundwerten der Menschen sowie die Wiederspiegelung des politischen Spiels drängen sich nicht auf. Sie bilden lediglich den Rahmen der Geschichte, der durch die Figuren selbst einfach aufgenommen wird, ohne nach Reflexion zu verlangen. Diese schwingt unbewusst ohnehin mit.

Und nun heißt es warten auf Band 4. Kommt es zum Krieg? Wer verrät eigentlich wen? Was wird aus Jessica und Jeremias? Welche weiteren Intrigen wird Marcus spinnen? An den Fragen erkennt man es vielleicht... Zwischen Göttern und Teufeln büßt auch nach dem dritten Band nichts an Spannung ein.

Erscheinungsdatum: Mai 2014


Kommentare:

  1. Hallo Karin!
    Vielen Dank für diese tolle Rezension. Wie schön, dass Dich meine Reihe so begeistern kann.
    Es ist aber schon fast beängstigend, wie genau Du auf den Punkt bringst, was ich zwischen den Zeilen alles noch versteckt habe. Bist Du in meinem Kopf gewesen? ;-)
    Dunkle Grüße
    Laya Talis

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Laya,

      gerade das zwischen den Zeilen ist das Interessante für mich, da deine Bücher damit eben nich 08/15 sind und einen gewissen Anspruch bieten, der mich beim Lesen positiv überrascht hat. Die meisten würden diesen wohl im Vampirgenre nicht erwarten.

      Daher glaube ich auch fest daran, dass du es auf die Bestseller-Listen schaffen kannst und auch eine Verfilmung möglich ist. Du nutzt dein Genre für eine Botschaft, die nicht aktueller sein könnte, verfolgt man die globale Tagespolitik.

      Gleichzeitig ist der Unterhaltungswert sehr hoch, sodass auch Leute, die Politik einen Pups interessiert, nicht aussteigen. Die richtige Mischung zum Erfolg meines Erachtens.

      Ich freue mich auf weitere Bände (wieviele sind eigentlich geplant?) und wünsche dir den ganz großen Erfolg. Auch wenn mein Wirkungskreis (noch?) bescheiden ist, ich rühre die Werbetrommel für dich.

      Wenn ich dann im Kino sitze, denke ich: "Hey, ich hab das Potenzial schon bei den ersten miterkannt!" umd freue mich wie ein neues Schnitzel :)

      Liebe Grüße
      Karin

      Löschen
    2. Hallo Karin!
      *lol* Vielen, vielen Dank für dieses dicke Lob. Ich werde an Dich denken, wenn die Reihe verfilmt wird. Auch schon gleich, falls ich dabei sein sollte, Schauspieler auszusuchen, die Jeremias und Marcus spielen ... Mjam! ;-)
      Dunkle Grüße,
      Laya

      Löschen