Dienstag, September 30, 2014

Im Autoreninterview: Ardy K. Myrne zu "Der dunkle Feind"


Liebe Ardy, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst.

Sehr gerne! Ich freue mich über jeden Leser, den die Hintergründe und Beweggründe der Geschichte interessieren.

Den Titel entnimmst du einem Gedicht, wie man im Laufe des Romans erfährt. Ich habe am Ende des Buches hin- und herüberlegt. Ist Corbian für Sarah ein „dunkler Feind“? Wie siehst du die Beziehung zwischen den beiden?

Der dunkle Feind ist die Verkörperung unserer Ängste aber auch unserer Triebe. Am Ende opfern wir ihm alles, was wir sind. Indem Sarah Corbian folgt und ihr bekanntes Leben hinter sich lässt, offenbart sich Corbian wohl als Sarahs dunkler Feind. Sie geben einander aber auch Hoffnung und das Versprechen auf eine Zukunft, die ohne den anderen leer wäre.

Du verzichtest auf eine ausführliche Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Corbian und Sarah. Sie sind mit einem Schlag ein Paar. Was hat dich dazu bewogen, die „Herzchen und Schleifchen“ in der Beziehung wegzulassen?

Es gibt in der Geschichte schon eine Kennenlernphase, in der sich Sarah Gedanken über Corbian macht. Darüberhinaus ist sich Sarah gar nicht im Klaren darüber, was mit ihr geschieht, als sie sich verliebt. Sie nimmt ihre anfängliche Vernarrtheit ganz plötzlich als heftige Zuneigung war. Dass das nicht ganz zufällig geschieht, sondern Corbians Fähigkeiten geschuldet ist, wird ihr erst später klar.
Sie war zuvor noch nie richtig verliebt – woher sollte sie also wissen, wie es sich anfühlt?
Ich habe dann auf den Kitsch verzichtet, weil sich ihre Beziehung durch andere Dinge auszeichnet als den üblich erwarteten Schmus. Darauf wollte ich mich konzentrieren.

Andere Rezensenten bemängeln, dass ihnen Sarah zu naiv sei, weil sie einfach so alles hinnimmt und ihre Familie hinter sich lässt. Ich sehe Sarah aber auch als Person, die sich in ihrem Umfeld nicht sehr wohlfühlt und es ihr deshalb möglich ist, ohne große Überlegung ihre Familie zu verlassen. Wo liegt die Wahrheit?

Ihre Naivität ist zum einen ein Sinnbild für ihre Unerfahrenheit, aber auch für ihre Liebe. Was nimmt man nicht für die Liebe auf sich, gerade in der Anfangsphase?
Mit deiner Einschätzung liegst du ebenfalls nicht falsch. Sarah hat ja einen überschaubaren Freundeskreis, aber vor allem hat sie ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden. Sie ist an sich ein distanzierter Mensch, der andere mehr beobachtet als an ihrem Leben teilzuhaben. Das ändert sich, als sie auf Corbian trifft. Für ihn ist sie bereit, alles hinter sich zu lassen. Aber sie ist auch ein Teenie, der tut, was gerade angezeigt ist und nicht alles bis ins Kleinste hinterfragt.

Kommen wir zu Hettie. Sie ist (zumindest zu Beginn) eine wichtige Bezugsperson für Sarah mit einer außergewöhnlichen Begabung. Ihr Tod kommt sehr überraschend. Gab es kein alternatives Ende für sie?

Hetties Schicksal ist wesentlich für die gesamte Handlung, deshalb konnte es kein alternatives Ende für sie geben. Was sie durchmacht und wie ihr Leben endet, wirkt sich auf Sarahs Werdegang aus.

Hettie und Lio verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Wäre doch Stoff für einen zusätzlichen Roman, oder?

Das Potenzial wäre sicherlich da, aber ich wollte eine bestimmte Geschichte erzählen.
Eine Ausschmückung ihrer Beziehung würde zu dieser Geschichte nichts beitragen, und ich erzähle nicht, nur um des Erzählens willen.

Warum musste Benny am Ende sterben? Warum ist sein Tod bedeutend für den Roman?

Benny ist ein sehr wichtiger Charakter. Seine Aktionen und Ambitionen sind für Sarah bis zum Ende undurchsichtig, aber einschneidend. Als sich schließlich seine Natur offenbart, ist der Punkt gekommen, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Man erfährt mit Bennys Tod einiges über Sarahs Entwicklung.

Bleibt „Der dunkle Feind“ für sich oder hast du noch Fortsetzungen geplant? Lauras Ende z.B. bleibt ja offen. Sie trägt wunderbares Potenzial für einen Rachefeldzug in sich. Vielleicht mit Hilfe eines anderen Vampirs?

Ich habe keine Fortsetzung geplant. Es ging mir um eine ganz bestimmte Geschichte, und die habe ich erzählt. Einige Fäden könnte man tatsächlich aufgreifen, dazu zählt auch Laura. Aber sie ist an sich keine rachsüchtige Person. Man erfährt ja, dass sie ihren Weg macht.

Was oder wer hat dich zu „Der dunkle Feind“ inspiriert?

Ich bin schon als Teenie ein großer Vampirfan gewesen und bin es auch heute noch. Damals kamen die Romane von Anne Rice auf, die das Vampirbild der Neunziger maßgeblich geprägt haben, wie ich finde. Ich habe ihre Bücher verschlungen und fand es besonders interessant, dass sie der Monstrosität der Vampire eine menschliche Note verliehen hat. Die Dualität fasziniert mich, und ich habe mich gefragt: „Was wäre, wenn dir ein Vampir begegnen würde?“ Damals war ich 19 und schrieb die erste Rohfassung zu diesem Roman. Ich war jedoch zu unerfahren und zu schüchtern, den Stoff einem richtigen Publikum zu präsentieren. Mittlerweile habe ich viel dazu gelernt. Vor einem knappen Jahr habe ich mich dann noch einmal an das Manuskript gewagt und es überarbeitet. Das ist auch ein Grund, weswegen das Buch Mitte der Neunziger spielt.
Zwischenzeitlich gab es das Twilight-Phänomen, das dem Archetyp des Vampirs doch eher geschadet hat, wie ich finde. Es war mir damit ein zusätzliches Bedürfnis, den Vampiren ihre Zähne zurückzugeben, ohne auf Erotik zurückzugreifen.

Liebe Ardy, vielen Dank für deine ausführlichen Antworten und den Einblick, den du
uns damit in die Entstehungsgeschichte von „Der dunkle Feind“ gewährst!


Danke, liebe Karin, für die Möglichkeit, etwas näher auf die Inhalte des Buches einzugehen. Es hat mir viel Spaß gemacht. 


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