Montag, September 29, 2014

Im Autoreninterview: Nico Weinard zu "Chronik von Chiara"

Lieber Nico, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst.

Besten Dank. Ich freue mich, bei Vampirjagd mit dabei sein zu dürfen.

Episode 1 ist eine sehr kurze Geschichte, die an ein Traumfragment erinnert.
Wie kam es zu der Idee um Chiara?

2007 machte Intrag Publishing eine Ausschreibung. Es ging darum, eine erotische Horrorgeschichte mit maximal 20.000 Zeichen zu schreiben. Die besten Ideen sollten dann als Kurzgeschichten-Sammelband veröffentlicht werden.
Zu dem Zeitpunkt war ich zwar thematisch gerade voll bei meiner Fantasy-Trilogie “Der Schwarze Bund”, wollte mir die Gelegenheit aber natürlich nicht entgehen lassen.
Dann verschwanden Intrag in einer Nacht und Nebelaktion vom deutschen Markt. Eine kurze Mail á la “wir sind dann mal weg, hier habt ihr die Rechte an Euren Texten zurück” und das war es.
Seitdem dümpelte die Geschichte auf meinem Rechner rum, bis ich sie mir 2014 noch mal hervor holte, etwas überarbeitete und beschloss, sie tatsächlich zu veröffentlichen. 

Einige Rezensenten auf Amazon bemängeln, dass Episode 1 zu wenig ausgebaut
sei und viel mehr zu holen gewesen wäre.

Und damit haben sie ja auch recht. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich das alles noch mal um einiges mehr ausschmücken sollen. Die 20.000 Zeichen Grenze war schließlich nicht mehr da. Vor allem, als die erste Episode für sich alleine stand und es noch keine Fortsetzung gab, waren die Leser unzufrieden. Da wurde das Ganze nicht als Auftakt, sondern als ganze Geschichte betrachtet. Entsprechend waren die Reaktionen.
Mittlerweile sind ja nun drei Episoden draußen und ich schreibe an der vierten. Da werde ich Chiara Eins, so wie Du es in Deiner Rezension ja auch geschrieben hast, quasi als Prolog so in dieser Form stehen lassen.

Wie gehst du mit negativer Kritik um? Fühlst du dich unverstanden oder spornt
sie dich an, den Leser zufrieden zu stellen? War sie der Auslöser dafür, dass die
folgenden Episoden an Umfang zugenommen haben?

Es wäre gelogen, wenn man sagen würde, dass man bei 2 Sterne Bewertungen nicht erst mal schlucken muss. Dafür hat man einfach zu viel Arbeit investiert.
Allerdings muss man sich erst einmal überlegen, was denn überhaupt “gute” und “schlechte” Kritiken sind. “Schlechte” Kritiken sind für mich nichtssagende, bei denen ich nachher genauso viel weiß wie vorher. “Gute” Kritiken beschreiben genau, was der Leser gut fand und was nicht. Mit so etwas kann ich arbeiten und mich verbessern.
Im Moment bin ich noch in der glücklichen Situation, noch nie eine “schlechte” Kritik bekommen zu haben. In den 2 von 5 Sterne Bewertungen auf Amazon und Lovelybooks z.b. steht genau, was den Lesern nicht gefallen hat. Im Falle Chiara 1 war es die Länge.
Also war klar, dass ich es das nächste Mal besser machen muss. Chiara 2 ist länger, aber immer noch ziemlich kurz. Was einfach daran liegt, dass Episode 2 mit der erfolgreichen Flucht in sich abgeschlossen ist.
Ab Episode 3 ist Chiara frei, kann mehr Leute kennenlernen und man kann verschiedene Charaktere und Orte einbauen. Da wird dann die Geschichte automatisch länger.

Chiara wird in Episode 2 im wahrsten Sinne des Wortes an der kurzen Leine gehalten, gepeinigt und sexuell missbraucht. Eine ernste Thematik...
Warum ist dieser Alptraum für deine Protagonistin und den weiteren Verlauf der Handlung notwendig? Unabhängig davon, dass ein Rachemotiv entsteht.

Die Überlegung war: Was erwartet der Leser nach Episode Eins? Wahrscheinlich ein Vampir-Liebespaar. Also habe ich das genaue Gegenteil geschrieben. Chiara wird verstoßen, weil Levaque sich was Neues suchen will.
Warum nun die ganze Sache mit dem Kerker und den Qualen? Nun, wenn Levaque seit 500 Jahren die Frauen wechselt und jede einfach laufen lässt, wäre die Welt übervoll mit hübschen Vampirfrauen. Das ist ziemlich unrealistisch. Also muss man dem Leser glaubhaft machen, dass diese ganzen Frauen in diesem Kerker ihr Ende finden. Dazu muss man die Qualen auch ein wenig beschreiben. Sonst sagt ja jeder “Naja, soo schlimm wird es schon nicht gewesen sein.”
Abgesehen davon stellt Chiara am Ende der Episode zum ersten Mal fest, dass sie stark sein kann. Der Leser (denke ich) gesteht ihr ab diesem Punkt ebenfalls eine enorme Willensstärke zu, da sie die erlebten Qualen durchgestanden hat. Ein wichtiger Punkt für den weiteren Verlauf der Chronik.

Gab es alternative Ideen?

Ja, das wäre wahrscheinlich das Vampir-Liebespaar gewesen, welches in bester “Ich heirate einen Vampir” Manier das Leben auf der Burg meistert. Langweilig.

In der dritten Fortsetzung werden geballte Gesellschaftskritik und hochpolitische Themen offensichtlich. Was erhoffst du dir mit dieser Auseinandersetzung für deine Leser und die Gesellschaft?

Als regelmäßiger User von Seiten wie KenFm, NuoViso oder Querdenken.TV stellt man sich zwangsläufig irgendwann die Frage “was kann ich tun?”
Dann viel mir dieses tolle Wort “Danistakratie” ein, dass ich aus einem Youtube Video der Wissensmanufaktur kannte. Der Gedanke, diese Thematik in einem Fantasy Gewand darzustellen, reizte mich sofort.
Chiara 2 war gerade veröffentlicht, Episode 3 noch nicht angefangen. Von daher war klar, dass meine Vampirin diesen Job übernehmen sollte.
Dann habe ich mich erst mal gebremst und eine Mail an die Wissensmanufaktur geschrieben und um Erlaubnis gebeten, das Wort “Danistakratie” verwenden zu dürfen. Ich hatte ganz klar mit einer Absage gerechnet. Oder mit gar keiner Antwort. Aber nach 2 Tagen hatte ich die Zusage. Da war ich erst mal baff, und hab mich dann ans Schreiben gemacht.

Aber zurück zu Deiner Frage: Ich erhoffe mir, Leute auf das Thema aufmerksam zu machen, die man mit den oben genannten Medien vielleicht nicht unbedingt erreicht. Erste Erfolge sind zum Beispiel Arbeitskollegen, die auf einmal fragen was denn “Danistakratie” ist. Als nächstes googeln sie den Begriff vielleicht mal und klicken was an …

Weshalb wählst du dafür gerade das Vampir-Genre?

Blutsauger gegen Blutsauger!

Episode 3 lässt noch einiges offen. Wie viele weitere Episoden sind vorerst geplant?

Das kann ich Dir noch nicht beantworten. Bis Chiara es mit dem 500 Jahre altem Levaque aufnehmen kann, ist es noch ein weiter Weg.
Mal sehen, was sie vorher alles noch erleben darf. Ideen hab ich noch genug.

Werden auch andere Themen aus der aktuellen Tagespolitik Eingang in deine Geschichte finden?

Möglich. Da lege ich mich jetzt aber noch nicht fest. In Chiara 3 habe ich von einer Gruppe Jäger geschrieben, die Kinder und Säuglinge umbringen, um an das Blut heranzukommen. Die Idee dazu hatte ich nach der Nachrichtenmeldung, dass es vor der WM in Brasilien Trupps gab, um die Straßenkinder zu entfernen. Einen direkten Bezug stelle ich in der Geschichte aber nicht her.

Lieber Nico, vielen Dank für deine ausführlichen Antworten und den Einblick, den du
uns damit in die Entstehungsgeschichte der „Chronik von Chiara“ gewährst!


Besten Dank für die tolle Zusammenarbeit und ich hoffe, dass wir uns spätestens zu Chiara 4 wiedersehen.


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