Freitag, September 19, 2014

Monika Jaedig: Silbernes Band (Band 1)

Monika Jaedig verlegt die Handlung ihres Romans "Silbernes Band" nach Island. Nun bin ich, was Island betrifft, so gar nicht bewandert. Ich weiß, dass es dort einen Vulkan mit einem unaussprechlichen Namen gibt, der gelegentlich den europäischen Flugverkehr lahmlegt, es dort überhaupt viele vulkanische Aktivitäten gibt und die Hauptstadt Reykjavik heißt. Island liegt irgendwo im Nordatlantik und in meiner Vorstellung ist es nicht gerade dicht besiedelt. Ansonsten gibt es dort sehr viel unberührte Natur, das Klima stelle ich mir kalt und unwirtlich vor. Wenn ich an Island denke, wünsche ich mich mindestens an einen Strand in der Karibik. Was hat das aber nun mit dem Roman von Monika Jaedig zu tun?

Ich kann wohl die Darstellungen von Natur und Leben dort nicht richtig würdigen und bin von Anfang an über die isländischen Namen gestolpert. Bei Figurennamen konnte ich erst anhand der Pronomen erkennen, ob es sich um ein Männlein oder ein Weiblein handelt. Aber das liegt eben an meiner eigenen Unwissenheit.

Der Kern der Geschichte ist schnell benannt. Heidar erfährt an seinem 18. Geburtstag von seiner halbunsterblichen Abstammung: sein Vater Fionn ist ein Vampir. Die eigentliche Erzählung beginnt damit, dass Heidar am Totenbett seiner Mutter mehr über seine Herkunft erfährt. Er lernt Fionn, der seiner ehemaligen Gefährtin sozusagen die letzte Ehre erweist, kennen. Gleichzeitig verliebt er sich geradezu unsterblich in die Buchverkäuferin Rúna. Es gilt, diese für sich zu gewinnen und mit dem unsterblichen Erbe vertraut zu machen, dessen Ausmaß auch Heidar selbst erst mit der neu gewonnenen Nähe zu seinem Vater langsam abschätzen kann.

"Silbernes Band" ist der erste Teil einer Reihe, der sich vor allem der Liebe zwischen Heidar und Rúna widmet, die durch Heidars vampirisches Erbe immer wieder mehr oder weniger auf die Probe gestellt wird. Gleichzeitig werden (wahrscheinlich) verschiedene Grundsteine für spätere Konflikte gelegt, die im ersten Band keine wirkliche Rolle spielen, da die wachsende Liebe zwischen Heidar und Rúna im Mittelpunkt stehen soll sowie auch die Einführung in die Welt der Unsterblichen. Der Schwiegervater riecht nach Hund, die unsterbliche Welt erfährt von dem Halbwesen Heidar, die Jagdaktivitäten von Heidar bleiben nicht unentdeckt, usw.

Die Annäherung und das Zusammenfinden der beiden Protagonisten könnte für meine Empfindung durchaus mehr Drama vertragen. Sich anbahnende Konflikte lösen sich für mich einfach zu schnell und unspektakulär auf. Es gibt nichts, was nicht bei einem Essen oder einem Kaffee geregelt werden könnte. Insgesamt wird sehr viel Alltag geschildert, dem die Spannung etwas fehlt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass dies der bewährte isländische Umgang mit Konflikten ist. Die Autorin will hier nicht nur eine Vampirgeschichte schreiben, sie will auch ein Bild der isländischen Gesellschaft zeichnen.

Die Beziehung zwischen Heidar und Fionn lässt sich nicht ganz leicht beschreiben. Fionn erweckt einen sehr rationalen und zuweilen kühlen Eindruck, übernimmt jedoch die Verantwortung für das junge Paar. Auf Heidars Seite ist eine gewisse Distanz gegenüber dem Vampir in Fionn spürbar, da er dessen Nähe zu seiner Geliebten nur schwer erträgt. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen darüber, wie nahe Fionn Rúna kommen darf. Irgendwie hätte ich mir wohl eine stärkere Aufarbeitung der Vater-Sohn-Beziehung gewünscht, die gerade in dieser Konstellation ja einigen Zündstoff böte.

Am Ende des Romans kommt es jedoch zu einem recht plötzlichen und fast unerwarteten Showdown, der dann doch noch etwas Action in die Sache bringt.

Monika Jaedigs Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. "Silbernes Band" ist ein Roman, den man auch mal in kurzen Verschnaufpausen im Alltag zur Hand nehmen kann, um abzuschalten. Gerade die geschilderte Nähe zur Natur wirkt wunderbar als Ausstieg aus dem Trubel der Welt. Island- und Pferdefans können damit wahrscheinlich noch sehr viel mehr anfangen als ich. Denn mir fehlte beim Lesen einfach die Kenntnis der isländischen Kultur. Insgesamt also ein guter Roman, wenngleich ich mir auch etwas mehr Aufregung gewünscht hätte.

Erscheinungsdatum: August 2014

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