Dienstag, Oktober 21, 2014

Im Figureninterview: Louisa (aus Sandra Floreans Nachtahn-Reihe)

Liebe Louisa, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Genießt du es, auch mal ohne Dorian etwas zu erledigen?

*lacht leise* Im Moment genieße ich es eigentlich viel mehr, dass ich wieder bei ihm bin.

Nervt es dich nicht, wenn er für alles die Kontrolle übernehmen will und dir gar nichts zutraut?

Manchmal ist es schon ein bisschen viel, aber ich habe es bisher nie so empfunden, als ob er mir nichts zutraut. Ich glaube vielmehr, Dorian kann nicht anders. Er liebt mich und Zoe so sehr und hat immer Angst, dass uns etwas passiert. Die Vergangenheit hat ja leider auch gezeigt, dass er damit nicht ganz falsch liegt. Dass ich jetzt viel stärker bin, daran muss er sich wohl erst gewöhnen. Außerdem kann er mir für gewöhnlich nichts abschlagen *zwinkert*

Fiel es dir schwer, dich in seiner Villa einzuleben?

Ja. Ich mag dieses riesige Anwesen nicht und bin froh, wenn wir unsere Zelte hier bald abbrechen werden. Wir haben uns bereits nach etwas Neuem umgesehen. Hier ist zu viel passiert, es birgt mehr schlechte als gute Erinnerungen.

Du wurdest unfreiwillig zum Vampir und wünschst dir ein anderes Leben für deine Tochter. Kannst du dem Vampirdasein gar nichts Positives abgewinnen?

*überlegt lange* Ich bin froh, dass Dorian mich nicht hat sterben lassen. Und ich bin froh, dass ich so noch eine sehr sehr lange Zeit mit der Liebe meines Lebens verbringen kann.

Ist es nicht (dennoch) eine notwendige Überlegung, Zoe irgendwann zu wandeln, wenn sie alt genug ist? Andernfalls müsstet ihr irgendwann ihren Tod verkraften…

Das ist etwas, worüber ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht nachdenken möchte. Zoe ist so jung, sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich. Ich konzentriere mich lieber erst einmal darauf, dass sie dieses Leben auch unbeschwert und in Sicherheit leben kann. Auch sie hat viel Schlimmes erfahren durch andere Vampire. Vielleicht möchte sie später nicht verwandelt werden. Ihren Wunsch müssen wir als Eltern natürlich aus respektieren.

Du fühlst dich für Eric verantwortlich, weil du ihn versehentlich gewandelt hast. Macht dir Dorians Eifersucht nichts aus? Du kamst Eric ja doch immer wieder einmal verdammt nahe…

Dorian ist ja auf jeden eifersüchtig. So ist er eben. Aber manchmal finde ich es schon schlimm, wie sehr er immer auf Eric herumhackt. Eric und mich verbindet eine andere Form von Liebe. Ich bin froh, dass er bei uns geblieben ist. Und Dorian wird sich wohl oder übel damit abfinden müssen.

Auch Jayden ist nun Teil eurer kleinen Vampirfamilie, wenn ich es so nennen darf. Er ist und bleibt dennoch dein Mörder. Bist du ihm gegenüber noch misstrauisch oder hat er mit der Hilfe bei deiner Rettung seinen Fehler wettgemacht?

Anfangs fiel es mir in der Tat schwer, in ihm mehr zu sehen als meinen Mörder. Aber auch ich hatte ihn getötet. Und Dorian vertraut ihm. Dorian fällt es sehr viel leichter, in dem Blut der anderen ihre wahren Beweggründe zu erkennen. Deshalb vertraue ich da seinem Urteil.
Jayden und ich haben nach unserer Rückkehr sehr lange Gespräche geführt. Er ist ein guter Kerl, auch wenn ich nicht alles gutheißen kann, was er getan hat, und das meiste davon wahrscheinlich nicht einmal wissen möchte. Er hilft mir, meine mentalen Kräfte kontrollieren zu lernen und durch ihn habe ich viel mehr über die Welt der Vampire erfahren als durch Dorian. Jayden hat ja in ihr gelebt, während Dorian sich die letzten Jahrzehnte sehr stark von allem zurückgezogen hatte.
Es ist absurderweise vor allem Jayden zu verdanken, dass ich nicht mehr ganz so sehr mit meinem Schicksal hadere. Durch ihn habe ich die Abgründe der Vampirwelt kennengelernt und jetzt zeigt er mir die schönen Seiten. Außerdem vertraut sogar Zoe ihm und sieht zu ihm auf wie zu einem großen Bruder oder Onkel.
Ich sollte das hier wahrscheinlich nicht erwähnen, aber Jayden hat sogar einen Vampirschnaps entwickelt. Manchmal tut es gut, wenn wir uns mit einer Flasche davon zurückziehen. Jayden respektiert, dass ich ab und zu eine kleine Auszeit brauche. Er ist dann da, passt im Grunde auf mich auf. Aber vor allem redet er mir nicht ins Gewissen.

Bereust du deine Jagd auf ihn in Italien? Du hast Dorian quasi verlassen, ihn im Ungewissen gelassen. Außerdem hast du viel in der Entwicklung von Zoe versäumt, nur damit Jayden am Ende doch nicht tot ist.

Seit ich ein Vampir bin, hat sich alles verstärkt. Dieser Hass auf meinen Mörder war so stark und so quälend, dass ich einfach keine andere Möglichkeit gesehen habe. Es war schrecklich, ohne Dorian und Zoe zu sein. Doch danach ging es mir besser. Dass Richard ihn rettet, konnte ich natürlich nicht wissen. Im Nachhinein hätte ich vielleicht mehr mit Dorian reden und mir meine Gefühle bewusst machen müssen. Dann hätte sich dieser Hass nicht so in mir festsetzen können.

In Richards Burg bist du wegen deines gebrochenen Herzens in einen langen Schneewittchenschlaf gefallen. Hast du Eric und Zoe wahrnehmen können? Konntest du fühlen und denken?

Nein. Als ich aufwachte, waren für mich nur wenige Stunden vergangen. Das einzige, was ich wahrgenommen hatte, war Schmerz.

Welche Weiterentwicklung siehst du durch den Aufenthalt in Richards Burg für dich? Was hast du daraus gelernt?

Dass wir zusammenhalten können. Dorian hört es nicht gern, aber auch er hat erkannt, dass wir zusammen, als Clan, besser dran sind. Er ist ja immer eher dafür, jeden anderen Vampir sofort zu vernichten. Ich hoffe, dass er das dort, wo das Schicksal uns als nächstes hinführt, nicht tun wird. Und dass wir vielleicht neue Freunde finden. Jetzt geht es uns allen hauptsächlich darum, Zoe unbeschwert aufwachsen zu lassen. Da kann Unterstützung ja nicht schaden.

Denkst du, dass du irgendwann einen adäquaten „Ersatz“ für Annie finden wirst? Oder nimmt Eric deren Position ein?

Ich glaube nicht, dass ich mich jemals wieder mit einer Sterblichen werde anfreunden können. Das Risiko, dass sie durch uns in Lebensgefahr gerät, ist einfach zu groß. Im Moment bin ich zufrieden damit, dass Eric, Jayden und auch Michael bei uns geblieben sind und uns unterstützen. Sie alle sind meine Freunde.

Liebe Louisa, ich danke dir vielmals, dass du mir meine doch intimen Fragen so ausführlich beantwortet hast. Bitte grüße Dorian von mir und gib Zoe einen Kuss.


Ich habe zu danken. Es war schön, Dich hier zu haben.


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