Donnerstag, Dezember 11, 2014

Im Autoreninterview: Hannah Siebern zu "Nubila 1 - Das Erwachen"

Liebe Hannah, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview zum ersten Band deiner Nubila-Reihe nimmst.

Sehr gerne.

Als ich den Reihentitel las, wurde ich irgendwie sofort neugierig, obwohl ich mir unter Nubila rein gar nichts vorstellen konnte. Wie kam es zum Titel?

Die Idee kam von meinem Bruder. Er hat mir beim Herausbringen der ersten Bände geholfen und meinte, eine Serie bräuchte dringend einen eingängigen Titel. Er hat dann recherchiert, welche Begriffe wohl zu Vampiren passen könnten und kam schließlich auf Nubila.
Das Wort bedeutet finsterauf Latein. Ich fand die Idee super und habe sie sofort übernommen.

Du verwendest Begrifflichkeiten aus der Rassenideologie der Nazis, z.B. Herrenrasse. Was bewog dich dazu, gerade auf diese dunkle Epoche der Menschheitsgeschichte zurückzugreifen?

Ich habe beim Schreiben gar nicht so stark an die Nazis gedacht, sondern eher an die Sklavenhaltung in den USA. Der Begriff Herrenrasse mag durch Hitler geprägt sein, aber meine Vampire versuchen ja nicht die Dienerrasse auszurotten. Im Gegenteil. Sie züchten sie regelrecht, aber halten sie absichtlich klein und dumm. Ähnliches wurde mit den Afroamerikanern gemacht und hat Auswirkungen bis heute. Auch dort waren Beziehungen zwischen den „Rassen“ verpönt und es gab Auspeitschungen und harte Strafen für Ungehorsam. Es war mir ein Anliegen mit dem Roman auch ein Stück weit Gesellschaftskritik zu üben. 

Als im Roman die ersten paar Male die Rede von der Fabrik war, habe ich mir etwas ganz anderes darunter vorgestellt. Etwa ein großes Haus, in dem die Menschen herangezogen werden, dumm gehalten werden und mit der Ideologie infiltriert werden – wie es  in totalitären Staaten eben die Aufgabe der Schulen war und ist. Beim Besuch der Fabrik war ich dann doch geschockt (ich will hier nicht zuviel verraten).  Aber auch hier die Frage: Was war Vorbild?

Im Falle der Fabrik habe ich ein wenig an die Blutbank aus einem Vampirfilm (ich glaube, es war Blade) denken müssen. Dort wurden die Menschen sogar in Plastikbeutel gepackt. Ganz so dramatisch ist es in Nubila nicht, aber davon sollte sich vielleicht wirklich jeder Leser selbst ein Bild machen. ;)

Deine Vampire, zumindest was die Herren angeht, unterscheiden sich kaum von den Menschen. Sie haben einen Herzschlag, können altern, können verletzt werden, usw. Wieso keine größeren Unterschiede?

Mir war es wichtig klarzustellen, dass die Herren mit den Menschen einen gemeinsamen Ursprung haben. Sie haben sich aus den Menschen entwickelt und der größte Unterschied liegt in ihrer Ernährung, ihrem Gift und in ihrer Fähigkeit durch ihre Schlafphasen den Alterungsprozess zu stoppen.

Gehen wir etwas auf die Figuren ein.  Als wichtigste ist wohl Kathleen zu benennen. Was vermisst sie wohl am meisten am Menschsein? Schließlich kann sie sich nicht an ihr letztes Umfeld erinnern…

Da Kathleen keine bewussten Erinnerungen an ihre Zeit als Mensch hat, gibt es nicht viel, was sie vermissen kann. Was ihr aber definitiv fehlt ist ihre Freiheit. Auch wenn sie nicht mehr genau weiß, wie sie als Mensch gelebt hat, ist sie sicher, dass man sie nie als Sklavin gehalten hat. Diese Tatsache bringt sie dazu immer wieder zu rebellieren und sich gegen das Herrschaftssystem aufzulehnen.

Violette scheint der Hausdrache in deiner Geschichte zu sein. Wird in den Folgebänden noch genauer aufgedeckt, warum sie sich – genau wie Simon – einen Spaß daraus macht, die Diener noch mehr als nötig zu unterdrücken?

Violette und Simon werden in den Folgebänden noch genauer beleuchtet. Allerdings gibt es nicht für alle Charakterzüge eine Erklärung. In Simons Fall liegt es hauptsächlich daran, dass er von seinen Eltern zu wenig reglementiert wird. Er ist einfach ein verzogenes Kind, und das ändert sich leider auch später nicht.

Violette steht mit ihrer Art ja im direkten Gegensatz zu Cynthia. Ich frage mich, warum die beiden nicht öfter aneinander geraten, wo sie doch so unterschiedliche Sichtweisen haben.

Cynthia ist sehr harmoniebedürftig und geht Konflikten in der Regel aus dem Weg. Ab Teil 3 bekommt sie allerdings ein paar Gründe, für die es sich zu kämpfen lohnt und das verleiht ihrem Charakter eine ganz neue Richtung. 

Jason ist Kathleens Anker – auch wenn sie sich vorgenommen hat, ihn für die Verwandlung zu hassen. Auch Jason fühlt sich in gewisser Weise zu ihr hingezogen. Denkt er gar nicht daran, dass dies auch an dem Treueeid liegen könnte, den Kathleen ihm schwören musste?

Nein. Der Treueeid löst ja keine romantischen Gefühle aus. Jason fühlt sich für Kathleen verantwortlich, und das wird durch den Treueeid noch verstärkt. Aber die Anziehungskraft, die zwischen den beiden besteht ist von Anfang an echt. Jason will es nur nicht wahrhaben, weil es gegen alle Gesetze und Konventionen verstößt, mit denen er aufgewachsen ist. ;)

Derzeit überarbeitest du den ersten Band. Werden auch die weiteren Bände dieser Tortur unterzogen?

Der 2. Teil auf jeden Fall. Ob ich mir die anderen auch noch vornehme,  kann ich noch nicht so genau sagen. Ich denke aber, dass es allen Romanen gut tun würde, ein Lektorat durchzuführen. Das gilt nicht nur für meine, sondern generell. ;)

Und abschließend: Was ist dein liebstes Vampirbuch außer deiner eigenen Reihe, was jeder echte Vampirfan gelesen haben sollte?

Twilight und Blackdagger. Ich habe beide Serien verschlungen und finde sie immer noch ganz toll. J

Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!


Gern geschehen. Das Interview hat mir viel Spaß gemacht. J

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