Freitag, Februar 06, 2015

Stephenie Meyer: Biss zum Morgengrauen

Bildquelle: Amazon
Ich oute mich. Ja, ich bin ein Fan der Biss-Reihe von Stephenie Meyer. Ich kann jedoch für mich behaupten, dass das recht unabhängig von dem ganzen Hype passiert ist. Als ich auf Twilight aufmerksam wurde, waren gerade einmal die ersten beiden Bände erschienen und ich bin in einer Buchhandlung über sie gestolpert. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon lange keinen Vampirroman mehr gelesen und da kam mir "Biss zum Morgengrauen" gerade recht. Ich hatte das Buch auf zwei Tage durch und ja, es schmerzt mich ein wenig, dass die Reihe so häufig durch den Kakao gezogen wird. Denn vor allem in den Büchern steckt sehr viel mehr als in den Verfilmungen. Ich habe "Biss zum Morgengrauen" also jetzt noch einmal hervorgeholt und es noch einmal gelesen - insgesamt zum sechsten oder siebten Mal. Mit dieser und den folgenden Rezis will ich zeigen, warum dieses Buch zurecht ein Bestseller wurde und es sich immer wieder lohnt, die Reihe zu lesen.

Zum Inhalt an sich brauche ich wohl gar nicht soviel sagen, der ist den meisten ohnehin bekannt. Bella zieht zu ihrem Vater nach Forks, damit ihre Mutter mit ihrem zweiten Ehemann glücklich werden kann. Dort trifft sie auf den Vampir-Clan der Cullens und verliebt sich in den Vampir Edward. Er erwidert Bellas Liebe, doch er will kein Vampirleben für sie und ist der festen Überzeugung, dass er sich besser von ihr fernhalten sollte. Und dann wird Bella auch noch von einem Vampir gejagt...

Natürlich ist "Biss zum Morgengrauen" ein Teenie-Roman - bis zu einem gewissen Grad. Schließlich ist der "Teenie"-Vampir knappe 100 Jahre alt und die Protagonistin Bella ist zwar zarte 17, führt aber ein scheinbar sehr eigenständiges Leben (was aber auch eigentlich typisch für Jugendbücher ist). Ist das Kennenlernen der beiden zu kitschig? Eine blöde Teenie-Schwärmerei? Schließlich wird das den Büchern häufig vorgeworfen. Ich meine, nein. Die Kennenlernphase unterscheidet sich eigentlich nicht von anderen Liebesromanen, in denen die Protas älter sind. Eine spannende Kennenlernphase ist in jedem guten Roman von Unsicherheiten und uneindeutigen Signalen geprägt. Es gibt ein Auf und Ab, Verwirrung, Fortschritte und Rückschritte. Stephenie Meyer liefert genau das und - das ist das Wichtige daran - gibt eine eindeutige Erklärung dafür. Nämlich die Zweifel Edwards, ob er Bella der Gefahr seiner Nähe aussetzen soll oder nicht. Natürlich ist absehbar, dass die beiden zueinander finden. Aber in welchem Liebesroman ist es das nicht? Ich finde den Weg dorthin, begleitet von der Aufdeckung von Edwards Geheimnis, spannend.

Zudem ist jede Figur in ihrer Historie nahezu perfekt ausgebaut. Jedes Handeln ist zu 100 Prozent nachvollziehbar und logisch - was nicht selbstverständlich ist. Manche Figuren werden schon stärker beleuchtet als andere und man ahnt bei jeder, dass mehr dahinter steckt. So kommt Jacob zum Beispiel noch recht unschuldig daher und man ahnt eigentlich vor ihm selbst, dass er noch eine andere Seite in sich trägt. Man AHNT es, die Aufklärung wird erst folgen, was beim ersten Lesen der Bücher auf alle Fälle einen neuen Spannungsbogen aufreißt. Durch die Ich-Perspektive lernt man Bella sehr genau kennen. Ein wenig selbstbewusster Tollpatsch, was aber funktionalisiert wird. Ihre Tollpatschikeit ist notwendig für weitere Erklärungen. Einerseits natürlich, um ganz banal eine Rechtfertigung für das Finale des ersten Bandes zu finden, andererseits aber auch - und das weiß man erst, wenn man die ganze Reihe durchhat, weil es zu ihrem Schicksal gehört, ihrer Vorsehung, die teilweise durch Alice personifiziert wird. Am Ende MUSS Bella einfach ein Vampir werden. Als Leser wird man dann bitter enttäuscht, weil alles im ersten Teil darauf zulaufen würde und dann... Pustekuchen. Spannung pur. Dass eine Entwicklung kommen wird, verrät im Übrigen bereits die Namensgebung: Bella Swan, der schöne Schwan, dem das hässliche Entlein vorausgeht.

Abschließend noch ein Wort zu den glitzernden Vampiren, weil vor allem sie das Ziel des Spottes sind: Stephenie Meyer legt ihre Vampire unbesiegbar an. Schnell, attraktiv, bleich,... wie man es von Vampiren erwartet. Aber sie setzt die Unbesiegbarkeit auch absolut. Sie verpasst ihren Vampiren eine steinerne Haut, die sie wirklich unverwundbar werden lässt. Für sie passt es dann wohl einfach nicht, dass die Vampire durch die Sonne verwundbar sein sollen. Dennoch scheint sie an dem Mythos festhalten zu wollen, dass Vampire eben nur nachts hervorkommen. Ihre persönliche Lösung ist das Funkeln im Sonnenlicht. Es mag tatsächlich eine kitschige Lösung sein, aber es ist eben Meyers Lösung, ohne etwas von der Unverwundbarkeit eines Vampirs einbüßen zu müssen. Das Vampir-Genre gehört nun einmal zur Fantasy-Abteilung und im Vergleich zu anderen Autoren ist Meyers Konzept überaus stimmig und frei von Widersprüchen aufgebaut. Da können sich andere noch eine Scheibe abschneiden. So habe ich lieber einen glitzernden Vampir als einen, der nur nachts aktiv ist, aber im Dunkeln schlecht sieht. Alles schon da gewesen.

Schon im ersten Teil der Reihe wird wahnsinnig viel angelegt. Tatsächlich schon alles, was bis zum Ende der Saga Teil der Handlung sein wird. Das heißt für mich, dass ein sehr umfassendes und gut durchdachtes Konzept vorhanden gewesen sein muss, was die Reihe schon deshalb lesenswert macht. Es wurde nicht einfach darauf los geschrieben. Meyer hat sich vorher Gedanken gemacht.

Erscheinungsdatum: Dezember 2009 (Kindle-Edition)

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