Sonntag, März 08, 2015

Charlotte da Silva: Seelenfänger - Jäger und Gejagte

"Seelenfänger" von Charlotte da Silva ist eindeutig mal ein etwas anderer Vampirroman. Insbesondere die Konzeption des Vampirismus ist außergewöhnlich und unkonventionell tiefgründig. Im Grunde geht es in dem Roman um die Diskussion von Gut und Böse. Ist es wirklich immer so offensichtlich, wer auf welcher Seite steht? Oder kann es nicht ganz anders sein als man denkt. Die Vampire im "Seelenfänger" erinnern mich an dunkle Superhelden, die eine Aufgabe erfüllen und dennoch mit ihrem Schicksal hadern. Manchmal hatte ich so ein wenig den Film "Ghost Rider" im Kopf. Manchmal wird der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten. Durch unüberlegtes Verhalten kommt es zur Katastrophe. Aber alles läuft so nebenbei, das philosophische Nachdenken wird nicht zu anstrengend. Die Figuren und ihre Motive sind sehr gut ausgearbeitet, man sieht das dicke Ende sozusagen kommen, bevor es für die Figuren selbst offensichtlich ist. Der Weg dorthin ist ein überaus spannender mit ungeahnten Wendungen und Überraschungen. Wer nun die Jäger sind und wer die Gejagten, tja, darüber kann man streiten und darin liegt auch der Sinn des Romans.

Der Roman ist etwas länger als der durchschnittliche Vampirroman, wobei man aber sagen muss, dass es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt und nicht zwingend um einen Reihenbeginn. Das Ende ließe eine Fortsetzung zwar zu, aber an sich ist die Handlung um die Hauptfiguren abgeschlossen. Ich habe manchmal überlegt, ob man das ein oder andere nicht kürzen hätte können, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass die Ausführlichkeit der Charakterbeschreibungen seine Daseinsberechtigung hat. Nur so kann man die verschiedenen Perspektiven wirklich nachvollziehen.

"Seelenfänger" ist ein sehr tiefgründiger Roman und keine 08/15-Produktion mit althergebrachten Motiven, die einfach funktionieren. Er ist einfach - im positivsten Sinne - anders und schon alleine deshalb unbedingt lesenswert.

Erscheinungsdatum: Dezember 2014

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