Dienstag, März 31, 2015

Im Autoreninterview: Benjamin Spang über den Weg vom Manuskript zum Buch und Crowdfunding

Hallo Benjamin, herzlich willkommen bei Vampirjagd. Durch Facebook-Werbung bin ich auf dein Projekt aufmerksam geworden. Du bist ein Selfpublisher, der bisher eine Reihe von Kurzgeschichten aus deiner Fantasie-Welt Nuun veröffentlicht hat. Nun soll es einen Roman dazu geben. Damit das Ganze Hand und Fuß hat, willst du Lektorat und Korrektorat über Crowdfunding finanzieren lassen.

Kannst du mir kurz erklären, wie das Prinzip funktioniert? Was erhalten deine Unterstützer als Gegenleistung?

Bei meinem Crowdfunding, was man mit „Schwarmfinanzierung“ ganz gut übersetzen kann, darf sich der Unterstützer aus 12 Angeboten ein sogenanntes „Dankeschön“ aussuchen. Das fängt bei Lesezeichen für 5 Euro an und endet bei einer Wohnzimmerlesung mit 4 Ausgaben meines Romans für 210 Euro. Ebenso biete ich eine Limited- und Special Edition meines düsteren Fantasyromans an.
Dieses Angebot gilt nur während der begrenzten Laufzeit der Kampagne, die am 12. April endet. Entscheidet man sich bis dahin für eines der Dankeschöns unterstützt man gleichzeitig die Umsetzung des Projekts, da ein Teil des Geldes für das Lektorat und das Buchcover eingesetzt wird. Außerdem unterstützt man natürlich mich als Nachwuchsautor, der mit seinem ersten Roman bestmögliche Qualität abliefern will.

Du hast wahrscheinlich auch schon Angebote von Lektoraten und Korrektoraten eingeholt. Wie fand deine Auswahl statt? Preis? Empfehlungen anderer Autoren?...?

Ja, ich habe mit der Planung der Kampagne im September 2014 begonnen. Die Auswahl hatte mehrere Faktoren, darunter: Habe ich mit der Person schon mal zusammengearbeitet? Preis? Wie lange wird das Lektorieren, etc. dauern?

Ich habe mir deine Seite https://www.startnext.com/blutgegenblutangesehen. Dennoch zweifele ich daran, warum ich gerade dich unterstützen soll, wenn doch andere Selfpublisher auch selbst für Korrektorat und Lektorat aufkommen. Was unterscheidet dich von anderen Selfpublishern? Warum soll ich genau dich unterstützen?

Lass mich kurz den Unterschied zwischen Korrektorat und Lektorat erklären. Sehr viele Leute haben mich schon danach gefragt.
Beim Korrektorat werden Rechtschreibfehler und Grammatik überprüft. Die Geschichte an sich bleibt quasi unberührt, weshalb es auch vom Preis her günstiger ist. Beim Lektorat geht es tief in die Materie: Funktioniert der Spannungsbogen der Geschichte? Ist die Charakterentwicklung korrekt? Das ist sehr viel Arbeit, die dementsprechend auch mehr kostet.

Ich kenne bisher keinen Selfpublisher, der selbst für Korrektorat, bzw. Lektorat aufgekommen ist. Das machen meistens Freunde oder Bekannte. Ich will das nicht. Schon gar nicht bei einem 100.000-Wörter-Roman, der dazu auch noch mein Debüt ist. Ich nehme meine Arbeit als Autor sehr ernst und ich möchte auch ernst genommen werden und daher will ich mit Profis zusammen arbeiten. Wie soll ich sonst mit den Verlagsautoren konkurrieren?

Bei meinen ersten Werken „Kurzgeschichten aus Nuun 1 +2“ habe ich das Korrektorat und das Buchcover aus eigener Tasche bezahlt und das war nicht gerade wenig. Eine derartige Vorleistung möchte ich beim Lektorat nicht leisten. Ich versuche lieber, die Leute von mir und meiner Idee zu begeistern. Und man darf nicht vergessen: Jeder, der mich beim Crowdfunding unterstützt, bekommt dafür eine qualitativ hochwertige Gegenleistung!
Meine Devise ist: Qualität setzt sich am Ende immer durch. Und durchsetzen muss man sich als unbekannter Autor nun mal.

Was machst du, wenn das Crowdfunding scheitert? Stirbt dann das ganze Projekt oder hast du einen Plan B? Und was passiert mit den Geldern deiner Unterstützer?

Das Wichtigste zuerst: Jeder, der sich eines der Dankeschöns gekauft hat, bekommt sein Geld automatisch von Start Next zurück. Die kümmern sich darum.

Es gibt keinen Plan B. Was ich mache, wenn das Crowdfunding scheitert, weiß ich noch nicht.

Wie schwer war für dich der Sprung von den Kurzgeschichten zum Roman? Worin liegen die großen Unterschiede beim Schreiben?

Nach der ersten Testleser-Runde mit befreundeten Autoren war das Feedback eindeutig: Ich muss mehr schreiben. Das ist das Problem, wenn man von Kurzgeschichten zum Roman wechselt: Man schreibt zu knapp . Das habe ich in den letzten beiden Jahren aber ausgebessert und habe mich in die Materie des „Romanschreibens“ eingelebt. Der Umstieg hat schon ein bisschen gedauert, aber das ist ein normaler Lernprozess, den jeder Autor durchläuft. Ich bereue es auch nicht mit Kurzgeschichten angefangen zu haben, denn dadurch habe ich sehr viel über das Schreiben gelernt.

Welche Filme/Bücher/PC-Spiele haben dich zum Schreiben über Vampire und Werwölfe inspiriert?

Meine Doppelmond-Welt wurde eindeutig durch den 2003 erschienenen Film „Underworld“ geprägt. Das war ein Vampirfilm lange vor Twilight (2008) mit echten Vampiren und Werwölfen. Ich wollte auch sowas machen und habe damals angefangen, mit Freunden und Bekannten ein Computerspiel zu konzipieren. Die Entwicklung verlief 2012 leider im Sand. Was blieb waren meine Welt und meine Charaktere, die ich jetzt in Buchform auf die Menschheit loslasse.
Die Filme von Quentin Tarantino finde ich auch klasse und einer meiner Testleser meinte sogar, dass eine gewisse Szene in meinem Buch ihn an „Pulp Fiction“ erinnert hat. Das hat mich natürlich sehr gefreut!

Wer ist dir lieber? Werwolf oder Vampir?

Puh, schwere Frage. Da kann ich mich nicht entscheiden. Beide sind auf ihre Art sehr interessant. Ich schreibe gerne Geschichten von beiden Fraktionen.

Welche Kanäle in den sozialen Netzwerken nutzt du? Wo kann man dich überall finden?

Ich nutze fast alle Kanäle!
Die wichtigsten sind aber Twitter, Facebookund Instagram.

Wie reagieren andere Autoren auf dein Crowdfunding-Projekt? Unterstützen sie dich? Belächeln sie dich? (Je nach Antwort: Wie reagierst du auf negative Feedbacks?)


Sehr viele Autoren unterstützen mich, teilen meine Kampagne mit ihren Followern oder posten Beiträge auf ihren Blogs. Dafür bin ich zutiefst dankbar, das ist wirklich klasse!
Ich hatte aber auch schon kritische Stimmen von anderen Selfpublishern: „Wieso machst du Crowdfunding für dein Lektorat? Ich mache das selbst!“. Ähm, ja. Die Antwort darauf habe ich in Frage 3 bereits gegeben.

Lieber Benjamin, vielen Dank für deine ehrlichen und ausführlichen Antworten! Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Projekt und dann natürlich bei deinem Roman!

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