Sonntag, März 29, 2015

Was darf ein E-Book kosten?

Quelle: http://pixshark.com/fantasy-book-wallpaper.htm
1. Ratlose Selfpublisher: Muss ich mein E-Book verscherbeln?

Immer wieder verfolge ich Diskussionen von Autoren über die Preisfindung für ihre E-Books. Nicht selten geht es dabei sehr emotional zu. Es ist die Rede von dem Herzblut, das in die Projekte gesteckt wird, natürlich die Zeit und auch das Geld für Cover, Lektorat und Korrektorat, das ja auch erst einmal wieder verdient werden muss. Der Leser sei durch viele Selfpublisher zum Billig-Leser erzogen worden, sodass andere Autoren zum Preisdumping gezwungen seien, um mithalten zu können. Und überhaupt würde der Wert einer Arbeit nicht mehr geschätzt werden. Kurz: Aus diesen Diskussionen kann man ganz deutlich den ganzen Frust herauslesen, wenn sich ein E-Book nicht so verkauft, wie sich der Autor es erhofft hat. Vielleicht ist es aber auch der Frust darüber, dass Vorstellung und Realität weit auseinanderklaffen. Dass es nur wenigen Selfpublishern vorbestimmt ist, zu (inter-)nationalem Ruhm zu gelangen und der Weg dorthin ein langer und steiniger ist. Dass du eben nicht dein E-Book auf den Markt wirfst und deinem Bankkonto beim Wachsen zusehen kannst. Wenn sich Autoren unter sich wähnen, lassen sie jedoch den Leser gerne einmal außer Acht - obwohl der ja ihr Kunde ist. Aber was denkt sich der Leser beim Durchsehen der E-Books und ihrer Preise?

2. Der Wert eines E-Books für den Leser

Eines muss dem Autor klar sein: Sein Werk bedeutet dem Leser aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal einen Bruchteil von dem, was ihm sein Werk selbst bedeutet.
Bücher sind einerseits ein Luxusartikel, andererseits aber auch nicht mehr. Sie sind insofern Luxusartikel, weil man sie sich für die Freizeit leistet. Man ist also nicht zwingend darauf angewiesen, was meiner Meinung nach den eigentlichen Wert massiv schmälert. Es wird keiner daran darben oder sterben, wenn er kein Buch mehr lesen könnte. Liebe Autoren, ihr verkauft etwas, dass der Leser kauft, wenn alle anderen Rechnungen beglichen sind. Denn auch der Leser hat einen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihr könnt euch nicht darauf verlassen, dass er einen höheren Preis bezahlt, damit ihr vom Schreiben leben könnt. Den meisten Lesern wird das ziemlich egal sein, ob ihr davon leben könnt oder nicht. Oder interessiert ihr euch dafür, ob sich der Leser euer Buch noch leisten kann und vielleicht das vom allerliebsten Kollegen noch dazu? Denkt ihr nicht eigentlich auch nur hauptsächlich an euren Gewinn? (Also nun unabhängig davon, dass es natürlich die Seele streichelt, wenn man für etwas gelobt wird.) Und das ist ja auch richtig so. Ihr habt etwas produziert und das wollt ihr verkaufen. Das muss man jetzt ganz emotionslos so sagen, wie es ist. Denn das ist das häufige Problem. Hinter allen möglichen Emotionen geht der ganz reale Kern verloren. Es handelt sich um eine Interaktion zwischen Käufern und Verkäufern. Der Käufer will naturgemäß möglichst wenig bezahlen, der Verkäufer aber möglichst viel einstreichen. Das gilt auch für Bücher, die eben auch wiederum keine Luxusartikel mehr sind, denn

3. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Selfpublisher sprießen nur so aus dem Boden. Das Angebot an Büchern ist riesig. Dadurch kommt es meiner Meinung nach auch zu den niedrigen Preisen. Denn es gelingt fast nur über den Preis, aus der Masse herauszustechen und sein Buch zu verkaufen. Der fromme Wunsch, es möge keinen Selfpublisher mehr geben, der seine geistigen Auswüchse unter 2 Euro verramscht, wird ein frommer Wunsch bleiben. Natürlich könnte man den Durchschnittspreis für ein E-Book anheben, wenn jeder mitziehen würde und er würde höchstwahrscheinlich auch bezahlt werden. Aber das wird letztendlich daran scheitern, dass sich doch jeder selbst der Nächste ist. Zum Ziel, seine Kosten zu decken und vielleicht sogar noch wirklich etwas zu verdienen, kommt man eben auch mit einem Preis für 99 Cent - wenn dafür die Anzahl der Käufer steigt. Denn anders als Trüffel oder Kaviar sind Bücher von Selfpublishern kein natürlich begrenztes Gut.

Dazu kommt eben, dass der Selfpublisher nach wie vor ein Risiko für den Leser darstellt, wie ich in meinem Beitrag zu Kindle unlimited schon erläutert habe. Meines Erachtens müssen die Selfpublisher selbst für Selektion sorgen, um das Angebot zu dezimieren beziehungsweise den Durchschnittspreis anzuheben, damit Qualität eben seinen Preis hat. Es reicht nicht zu jammern, dass ANDERE ja ihre Bücher so günstig anbieten. Die Frage ist, was kann jeder Autor selbst tun, ohne dabei unterzugehen? Dass sich Autoren vernetzen, um sich gegenseitig zu unterstützen und die Reichweite zu erhöhen, finde ich löblich. Dennoch braucht es den schwarzen Schafen gegenüber auch etwas mehr Ellbogen, denke ich. Da wird einerseits gejammert, dass die Arbeit nicht geschätzt wird und im nächsten Post wird ein Titel eines anderen Selfpublishers weiterempfohlen, der sich Lektorat und Korrektorat gespart hat - und dann womöglich seinen Titel eben für 99 Cent anbieten kann, weil er nicht so viele Kosten zu decken hat. Ist das nicht irgendwie Doppelmoral? Pinkelt ihr euch damit nicht selbst ans Bein?
So lange das Risiko so groß bleibt, einen schlechten Selfpublisher zu erwischen, wird es auch kaum möglich sein, die E-Book-Preise dauerhaft anzuheben.

4. 99 Cent - ein No-Go?

Auch wenn es dem einzelnen Autor widerstreben mag, sein "Baby" für diesen Spottpreis anzubieten, sollte er die Sache doch rein marktwirtschaftlich betrachten. Kann er mit 99 Cent seinen Titel in den Rankings nach oben schieben, sodass er häufiger gefunden wird? Verkauft er vielleicht dadurch mehr Titel, um so letztendlich doch Gewinn zu machen? Warum soll er dann darauf verzichten? Es muss ja kein dauerhafter Niedrigpreis sein. Als Einführungspreis scheint sich eine Reduzierung bewährt zu haben oder auch hin und wieder als Aktion. Oder schauen sich Autoren die Faltblätter der Supermärkte an und sagen "Ach nö, ich kaufe das Waschmittel lieber zum Normalpreis statt in der Werbung!"? Wie verhalten sie sich denn selbst als Käufer im Alltag? Und hier braucht mir keiner erzählen, dass er freiwillig aus reiner Großzügigkeit heraus immer den höheren Preis bezahlt. Wenn das nämlich so wäre, braucht sich keiner beschweren, dass er ja auch Rechnungen zu zahlen hätte. Das widerspricht sich.

Natürlich müssen es keine 99 Cent sein. Es kommt schließlich auch auf den Umfang des Buches an. Für den potenziellen Leser sollte es wohl einfach nach Schnäppchen aussehen. Etwa, 1,49 Euro statt 3,99 Euro oder vielleicht auch 3,99 Euro statt später 7,99 Euro. Dem Leser muss eben das Gefühl gegeben werden, dass er hier wirklich zuschlagen muss, um zu sparen.

Nicht zu unterschätzen ist auch durch Preisaktionen, dass der Titel dann auch unter "Andere Kunden haben auch gekauft" erscheint. Die Verbreitung steigt also weiter. Der mutige Selfpublisher mag dann sein E-Book sogar für begrenzte Zeit verschenken, nur um diese Effekte nutzen zu können und damit Folgebände dadurch interessant zu machen. Das E-Book zu verschenken, ist ein heikles Thema. Einerseits könnte es zwar bei vielen landen, die zwar kostenlose E-Books sammeln und gar nicht alle lesen, aber der ein oder andere wird es vielleicht doch lesen - und der Autor hinterlässt bei Amazon wieder eine weitere Spur, um in verschiedenen Kategorien gelistet zu werden... Andererseits müsste dann ja aber die Arbeit "verschenkt" werden, was schon eine große Überwindung darstellt. Dabei kommt es wohl auch drauf an, ob es sich um einen fleißigen Autor handelt, der recht viel zustande bringt oder einer, der eine Idee hatte und nur den einen Roman unter die Leute bringen will.

Ich gebe es zu, ich bin 0-Euro-Titeln gegenüber inzwischen etwas voreingenommen. Vieles, was ich kostenlos geladen habe, war nicht sonderlich gut. Für den Autor ist es lediglich eine weitere Gelegenheit, die Kosten-Nutzen-Abwägung entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

5. Was darf ein E-Book kosten?

Eine Lösung dafür, wieviel das E-Book kosten darf, bin ich nun noch schuldig. Fakt ist aber, dass es keine pauschale Antwort gibt. Die meisten Bücher, die ich kaufe, kosten zwischen 2,99 Euro und 4,99 Euro. Unter 5 Euro also. Aber natürlich kaufe ich auch Bücher, die eben in Aktionen beworben werden und vorübergehend reduziert sind. Oft schon allein aus dem Gedanken heraus, dass ich später vielleicht mehr zahlen müsste. Ich will ein Schnäppchen machen. Bei Büchern von Selfpublishern über 5 Euro hingegen erfolgt der Klick sehr zaghaft, meistens wird der Titel auch auf dem Wunschzettel geparkt. Und der Kauf hinausgeschoben - weil es ja immer wieder andere Bücher gibt, die in Aktionen beworben werden.

Der Selfpublisher muss letztendlich für sich entscheiden, ob er den Idealen folgen möchte oder doch lieber etwas verdienen will. Wenn sich beides nicht ausschließt, umso besser.

Kommentare:

  1. Liebe Karin,
    ich stimme deinem Artikel zu, weil ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Es ist besser, 100 Bücher zu 2,99 € zu verkaufen, als 1000 Bücher zu 7,99 € gar nicht. Wer in die oberen Listen kommt, kann auch mit 2,99-Büchern gut verdienen. Allerdings nur, wenn er fleißig weiterschreibt. Ob ich Qualität abliefere oder nicht, entscheidet niemals mein Preis, sondern ich selbst. Bin ich befähigt und gewillt, gute Bücher zu schreiben? Das heißt, ich werde immer mein Bestes geben, auch bei 0,99-Büchern. Ob es reicht, entscheiden dann die Leser. Wer große dicke Schinken schreibt, an denen man ein oder zwei Jahre sitzt, hat es m.E. schwer, es sei denn, er heißt Dan Brown oder Ken Follett. Bei Indies macht es die Masse. Je mehr Bücher man draußen hat, desto besser verdient man. Und - wie gesagt - Masse sollte trotzdem immer Klasse sein, jedenfalls nach den eigenen Kriterien. Ich würde also nicht nur preislich, sondern auch seitenmäßig heruntergehen. Ein einzelnes Buch würde ich auf ca. 350-400 Seiten beschränken, bei Serien jeden Band auf ca. 250. Denn ein bisschen muss man ja auch Gewinn und Zeitaufwand vergleichen. Wenn ich ein Jahr an einem Buch sitze und habe kein anderes oder nur eins oder zwei draußen, verdiene ich ein Jahr lang kein oder kaum Geld. Deshalb würde ich auch Anfängern raten, mit dünnen Büchern zu beginnen und ihre Erfolgschancen so zu testen. Dann kann man auch Verschenkaktionen und 0,99-Cent-Aktionen machen, ohne zu weinen. Ist der Bekanntheitsgrad bereits gestiegen, kann man sich an dickere Bücher wagen, so würde ich es jedenfalls empfehlen. Hape und ich haben uns einen Rhythmus von 1 Buch alle zwei Monate vorgenommen und bisher mehr oder weniger auch eingehalten. Bei Einzelexemplaren kann es etwas länger dauern. Manche Autoren schreiben schneller, manche langsamer. Aber wer davon leben möchte, muss sich immer sagen, es ist mein Job, und Fleiß muss man schon aufbringen, das ist ja überall so.
    Deine Rezensionen gefallen mir gut. Du sprichst die Schwächen ohne Scheu aus und lobst mit nachvollziehbaren Begründungen. Mancher Autor würde sich solche Rezensionen von seinen Lesern wünschen, aber dazu ist natürlich nicht jeder Leser in der Lage.
    Ach ja, noch etwas: Könntest du dir vorstellen, deine Unterhaltung mit Hape in google+ überarbeitet und etwas abgewandelt als Interview zu bringen? Oder machst du gar keine Interviews?
    Liebe Grüße
    Jutta Ahrens

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    1. Liebe Jutta, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.
      Klar mach ich auch Interviews. Gerade zu meinem jüngsten Label "Diskussion" würde das natürlich hervorragend passen. Wenn es euch nichts ausmacht, würde ich nochmal konkrete Fragen zusammenstellen, um das etwas zu ordnen?

      Vielen Dank für das Kompliment. Ich hoffe, mich gerade dadurch von anderen Rezensenten abzuheben.

      Liebe Grüße
      Karin

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