Freitag, April 24, 2015

Die Jagd auf die Sterne - Die Bedeutung von Rezensionen

Bildquelle: Wikipedia
1. Wie hilfreich sind Rezensionen?

Braucht ein Autor gute Rezensionen für seine Bücher? Braucht er sie nicht? Sind sie ab einer gewissen Anzahl gekauft? Vor allem, wenn man ein Buch dann selbst liest und die ganzen positiven Eindrücke nicht nachvollziehen kann?

Ich lese bei der Buchauswahl eigentlich immer die Rezensionen. Allerdings zu allererst die schlechte(re)n. Ich halte Ausschau nach Kritikpunkten an Rechtschreibung und Grammatik, Kritik an den Figuren, usw. Eine "Das Buch war einfach sch***"-Rezi beeindruckt mich wenig. Auch ist für mich natürlich völlig unerheblich, wenn einer an der Bedienung seines Readers scheitert. Dafür kann das Buch nichts. Bei gehaltvollen Rezensionen wird auch deutlich, ob einfach der Geschmack nicht getroffen wurde. Geschmäcker sind eben verschieden. Auch das kickt ein Buch nicht gleich vom Wunschzettel.

Vielleicht muss ich als Leser einfach mal festhalten, dass wir mündig sind. Wir erkennen sinnlose schlechte Rezis genauso wie Gefälligkeitsrezensionen oder gekaufte Rezensionen. Die Reaktionen mancher Autoren lässt mich oft nur denken: "Seht das Ganze doch viel gelassener!"

2. Die Bedeutung einer Rezension für den Autor

Natürlich muss man sich erst einmal emotional von seinem Baby lösen. Wer steckt schon gerne Kritik ein? Keiner. Der Unterschied liegt immer im Umgang damit, in der so genannten Kritikfähigkeit. Aber was heißt das eigentlich speziell im Buchgeschäft?

Beginnen wir mit der positiven Seite. Lob tut immer gut, das steht außer Frage. Darf sich der Autor über 5 Sterne freuen und die Rezi dann weiterverbreiten und als Werbemittel nutzen? Natürlich! Er wäre ja blöd, wenn er es nicht täte. Viele andere Leser verlassen sich tatsächlich auf die Sterne-Anzahl - ob sie nun gerechtfertigt ist oder nicht, steht auf einem ganz anderen Papier.

Aber was tun, wenn dann mal eine schlechtere Rezi auftaucht? Die Reaktionen der Autoren darauf sind sehr unterschiedlich. Ich habe aber in den allermeisten Fällen positive Erfahrungen gemacht. Einige bedanken sich sogar, andere sagen mir, dass sie meine Meinung bei einem Folgeband im Hinterkopf hatten, um die Kritikpunkte auszumerzen, die "Fehler" nicht zu wiederholen. Kurz: Konstruktive Kritiken werden ernst genommen und zur persönlichen Weiterbildung genutzt. Dafür sind Kritiken ja auch eigentlich da. Dass sich der ein oder andere Rezensent dessen nicht bewusst ist, steht natürlich wieder auf einem anderen Papier.

3. Der Umgang mit schlechten Rezensionen

Was also tun, wenn eine grottenschlechte, vielleicht sogar beleidigende Rezi auftaucht? Die Antwort ist einfach. Man tut nichts. Man mobilisiert keine Fan-Base, um den Rezensenten mit einem Shitstorm zu bombadieren, man macht keinen anderen Autor dafür verantwortlich. Man tut einfach gar nichts. Warum? Wie schon erwähnt, erkennen die Leser sinnlose Rezensionen. Da darf man ruhig darauf vertrauen und sich in Erhabenheit üben. Am besten schaltet man den PC erst einmal aus und lässt das klopfende Herzchen, das sich vor Aufregung überschlägt, seinen Rhythmus wieder finden. Und vor allem sollte sich der Schreiberling immer wieder selbst sagen, dass man das Ganze nicht persönlich nehmen darf. Gleiches gilt im Übrigen auch für schlechte Rezis mit begründeten Kritikpunkten. Eine solche heißt doch nicht, dass man die Person als solche angreift oder ihr gleich unterstellt, unfähig zu sein - in manchen Fällen vielleicht etwas unprofessionell, aber daran kann man ja arbeiten. Nichts wirkt übrigens unprofessioneller als ein verbaler Schlagabtausch in aller Öffentlichkeit. Oder gar Anschuldigungen gegenüber anderen Autoren, die das Konkurrenzbuch nur schlecht reden würden. Denn damit wird man sich auf Dauer wirklich die Rezensenten vergraulen, die einen weiterbringen. Wer will schon gerne einen Shitstorm über sich ergehen lassen, weil der Autor sich in seiner Eitelkeit verletzt fühlt? Weil er unfähig ist, Kritik anzunehmen? Ja, dann werden die Rezis irgendwann nur noch Makulatur sein und immer weniger werden. Warum verlangt ihr, dass euch nur der Bauch gekrault wird? Dem Autor muss klar sein, dass er sein Werk mit der Veröffentlichung der breiten Masse zur Kritik aussetzt. Und die breite Masse ist bunt gemischt. Es allen recht machen? Unmöglich! Es gilt, aus den Kritiken das Brauchbare herauszufiltern. Der Rest kann (und sollte auch!) getrost vergessen werden.

4. Wer schreibt Rezis?

Warum erhalten dann aber manche Bücher viel mehr Rezis als andere? Woran liegt das? Ich habe keine Ahnung. Bei Bestsellern liegt es wohl daran, dass irgendwann der Gedanke beim Leser auftaucht, dass er ebenfalls noch seinen Senf dazu geben müsste. Andere erhalten ihre ersten Rezis durch Leserunden und Vergabe von Rezi-Exemplaren. Andere schwören darauf, am Ende des Romans eine Bitte um eine Lesermeinung zu formulieren. Das erscheint mir aber nur sinnvoll, wenn der Autor eben auch mit Kritik umgehen kann und ihm die Meinung des Lesers nicht nur aus Rezi-Sammelaspekten wichtig ist. Bloß, weil man als Leser bis zum Ende durchgehalten hat, heißt das nicht, dass man so eben das neue Lieblingsbuch gelesen hat.

Eins bleibt auf alle Fälle: Wenn es um Rezensionen geht, braucht es wohl häufig viel mehr Gelassenheit...

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