Montag, April 06, 2015

Gewinnspiel! Gewinnspiel! Gewinnspiel! - Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Quelle: www.ttwirth.de
1. Gewinnspiele spammen meinen Stream

Getreu dem Motto, dass man immer einen Grund zum Feiern findet, lässt sich scheinbar auch immer ein Grund für ein Gewinnspiel finden. Mein Facebook-Stream ist inzwischen voll von angepriesenen Gewinnspielen von SP-Autoren. Seit Weihnachten etwa bin ich eigentlich nur noch genervt. "Nikolaus-Gewinnspiel", "Advent-Gewinnspiel", "Weihnachts-Gewinnspiel", "Silvester-Gewinnspiel", "Valentinstags-Gewinnspiel", "Faschings-Gewinnspiel" und nun aktuell natürlich ein "Oster-Gewinnspiel". Wenn der Kalender nichts hergibt, dann gibt es Gewinnspiele als Belohnung für erreichte Like-Angaben für die Facebook-Seite. Kann man also jederzeit machen.

Sinn dahinter soll natürlich sein, die Verbreitung und die Reichweite zu fördern. Der Autor, der Gewinnspiele aus reiner Gefälligkeit für seine Fans macht, hat meiner Meinung nach marktwirtschaftlich etwas nicht richtig verstanden. Die Qualität der Gewinnspiele ist sehr unterschiedlich. Das liegt zum einen an den versprochenen Preisen, zum anderen am "Einsatz", den der Leser zeigen soll. Ich muss zugeben, ich bin da eine harte Nuss. Mich zu einem Gewinnspiel zu bewegen, ist nicht leicht. Das liegt vor allem an den genannten Punkten. Entweder sind die Preise zu uninteressant oder ich müsste mich tatsächlich anstrengen oder sogar beides! Was geht mir also bei Gewinnspielen durch den Kopf?

2. Preise - Will oder muss ich das wirklich haben?!

Viele Gewinnspiele sind für mich schon deshalb uninteresssant, weil die Preise für mich keinen Wert haben. Ich gehöre nicht zu jenen Menschen, die jeden Plunder haben wollen, nur weil er umsonst ist. Ich schreibe bewusst "umsonst" und nicht "kostenlos". Denn seien wir doch mal ehrlich, mit dem meisten Zeug, das da so verscherbelt wird, kann doch kein Mensch was anfangen. Aus dem Alter, in dem man von einer gewissen Sache alles haben muss, bin ich definitiv heraus. Wobei ich mich nicht einmal als Teenie von Kopf bis Fuß mit Fanartikeln der Lieblingsband eingedeckt habe. Viele Preise sind für mich dann einfach unnütz und ich weiß, dass sie nur herumliegen, bis sie letztendlich doch in der Tonne landen. Ich sammle keine Lesezeichen - für den eReader sind sie ohnehin überflüssig und habe ich doch mal noch ein Print in der Hand, vergewaltige ich es. Es wird aufgeschlagen abgelegt, sodass es einen Knick im Rücken gibt oder ich mache Eselsohren hinein! Tassen oder selbst gebastelter Schmuck, Schlüsselanhänger oder sonstiger Tand? Nein, danke.

Aber was kann mir dann ein Autor bieten, um mich zumindest mal bis zu den Teilnahmebedingungen weiterlesen zu lassen? Na, ist doch eigentlich klar. Ich bin ein Leser. Ich will ein Buch. Davon habe ich wenigstens was. Und in meinem Fall springt für den Autor auch noch eine Rezi heraus. ABER: Wenn das Gewinnspiel auf Facebook auf der eigenen Seite beworben wird und ich als Leser die Seite schon geliked habe, ist es wahrscheinlich, dass ich bisherige Veröffentlichungen auch schon gelesen habe. Der alte Titel ist damit für mich ebenfalls uninteressant. Wenn, dann soll es schon das Buch sein, das demnächst rauskommt. Zu anspruchsvoll? Zu unverschämt? Das mag in meinem Fall vielleicht stimmen. Aber es ist nun einmal so. Ein noch nicht gelesenes Buch ist etwas, das ich haben will. Den Rest könnt ihr behalten. Aber selbst, wenn ein Buch verlost wird, heißt das nicht, dass ich mich auf die Teilnahme stürze. Es kommt immer darauf an, was ich dafür tun muss - und das sollte möglichst wenig sein.

3. Leser, verkaufe mir deine Seele! - Der Einsatz

Ich gehe also davon aus, dass der Autor im Gewinnspiel eine Marketing-Strategie zur Erhöhung seiner Reichweite sieht. In den sozialen Netzwerken funktioniert das natürlich am besten mit "Liken & Teilen".  Für mich hat aber gerade das Teilen einen faden Nachgeschmack. Mich nerven schon die Teilen-Aufforderungen auf gewissen Spaßbildchen ("Wer das auch so sieht, teilt..."). Teilen bedeutet für mich, dass ich meine Friendlist damit belästige. Etwas zu teilen bedeutet für mich, dass ich total dahinter stehe, dass es mir wichtig ist, dass andere davon erfahren. Gewinnspiele gehören definitiv nicht dazu. Deshalb ist die Teilen-Funktion auch mit sehr viel mehr Überwindung verbunden als ein Like. Natürlich wird anderen angezeigt, dass mir dieses und jenes gefällt. Aber das kann ich verschmerzen. Zumal es für mich ja auch nicht wirklich präsent ist, ich weiß es ja nicht, wem und wie oft das angezeigt wird. Aber der geteilten Post, der steht in meiner Chronik. Er zeigt meine Aktivität und mein "Engagement" deutlicher an. Nein, bei Gewinnspielen will ich das einfach nicht. Für den Autor natürlich doof, weil das Teilen effektiver als das Liken ist.

Was bei mir auch durchfällt, sind "Denkaufgaben". Nein, ich suche nicht nach meiner Lieblingsstelle im Roman. Nein, ich überlege mir nicht einen Kommentar, warum ich eine Tasse und zwei Lesezeichen gewinnen möchte und ich beantworte auch sicher nicht eine Frage zum Inhalt. Hallo? Ich bin doch hier nicht in der Schule! Weißt du, Autor, wieviel ich lese? Ich behalte die Einzelheiten nicht so im Kopf, wie du sie als Autor kennst! Für eine Tasse und zwei Lesezeichen lese ich bestimmt nicht nach.

Damit der Leser teilnimmt, ist es wohl wichtig, den Aufwand für ihn möglichst gering zu halten. Er soll die "Aufgabe" auch recht unkompliziert über das Smartphone erledigen können und am besten mit ganz wenigen Klicks. Ich habe bisher genau an einem Gewinnspiel teilgenommen. Seite der Autorin liken (war schon erledigt), Beitrag liken (kostet nicht viel Überwindung), Rezi veröffentlichen (war schon längst erledigt) und verlinken (nur ein paar wenige Klicks). Im Grunde ist es doch ganz ähnlich wie mit den dämlichen Gewinnspielen im TV. Eine total einfache Frage mit einer eindeutigen und einer völlig absurden Antwort. Diese Gewinnspiele sind doch nicht deshalb so gestaltet, weil die Macher die Zuschauer für doof halten, sondern weil die Hürde zum Mitmachen gering sein muss, damit viele mitmachen. Jeder der mitmacht, bringt dem Sender Geld. Und jeder weitere Teilnehmer beim Leser-Gewinnspiel erhöht die Reichweite des Autors.

Bei dem genannten Gewinnspiel habe ich übrigens tatsächlich gewonnen. Mein Preis waren zwei Blöcke mit zwei Covern (schreiben kann ich aber nur auf der Rückseite, weil die Vorderseite zu bedruckt ist), einen Kugelschreiber (der wirklich fantastisch in der Hand liegt), ein Lesezeichen (oder waren es zwei? Keine Ahnung, die stecken irgendwo in einem Print im Regal) und zwei Kühlschrankmagneten (die ich ehrlich gesagt weggeworfen habe). Was aber nun die Autorin, die ja diese ganzen Fanartikel auch bezahlen musste, davon hat, dass die Magneten im Müll gelandet sind und das Lesezeichen verstaubt, ist mir schleierhaft. Die Blöcke liegen umgedreht in meiner Küche, sodass auch Besucher nicht auf die Titel aufmerksam werden und der Kugelschreiber liegt daneben. Da ich darüberhinaus nicht viel Besuch erhalte, kann dies eigentlich nicht Teil der Reichweitenerhöhung sein. Ist das die Kosten für das Material wert? Ich mag es bezweifeln...

4. Die Auslosung

Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Wäre ich Autor und würde ich Gewinnspiele veranstalten, fände niemals eine echte Auslosung statt. Ich würde mir Teilnehmer herauspicken, die selbst eine gute Reichweite haben (z.B. ein Buchblogger mit relativ vielen Followern) und bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie das Gewinnen selbst noch einmal verbreiten, sodass Autor mit Werk noch einmal genannt werden. Ja, aber das wäre ja Betrug am Leser? Ähm, ja und? Der Rechtsweg ist doch sowieso ausgeschlossen und wenn nicht zum hundertsten Mal derselbe Blogger gewinnt, wem will das denn auffallen? Es sollte doch gar nicht darum gehen, den Leser glücklich zu machen. Im Vordergrund sollte doch immer die eigene Reichweite stehen. Was hilft mir denn Frau Liesl Müller, die sich über das Päckchen freut, vielleicht noch ein Danke auf die Autorenseite postet und das war es dann? Dass Frau Liesl Müller dann aus purer Dankbarkeit den Folgeband kauft? Wird sie das nicht sowieso, wenn sie am Gewinnspiel teilnimmt und die Autorenseite bereits geliked hat? Natürlich kann man hoffen, dass sie ihren Freundinnen vom Gewinn erzählt und dann kommt es vielleicht noch zum Gespräch über das Buch und vielleicht empfiehlt sie es weiter. Vielleicht, vielleicht. Da gibt es aber andere und zuverlässigere Strategien, um die Reichweite zu erhöhen und den Bekanntheitsgrad zu steigern - ohne Fanartikel kaufen zu müssen.

5. Gewinnspiel - ja oder nein?

Ob man als Autor ein Gewinnspiel veranstaltet oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Aber wenn, sollte der Preis erstrebenswert (und für den Autor nicht zuviel Zusatzkosten bedeuten) und die Teilnahmebedingung keine große Hürde für den Leser sein. Eine gute Möglichkeit, ohne die Teilen-Aufforderung auszukommen, sprang mir gestern ins Auge. Eine mir unbekannte Autorin verlost drei Bücher ihrer Reihe als Taschenbuch - der Gewinn ist also erstrebenswert. Teilnahmebedingung: Liken und in den Kommentaren zwei Freunde markieren, die ebenfalls gerne Fantasy lesen. Das ist doch mal was! Der Like führt ja schon zu Anzeigen in fremden Streams (so bin ich darauf aufmerksam geworden) und zwei weitere potenzielle Leser markieren ist keine große Hürde. Zumal dann den Freunden der Markierten die Markierung angezeigt wird. Die markierten Freunde wiederum könnten vielleicht auch teilnehmen und wieder weiter markieren - im besten Fall wird also ein Schneeballsystem in Gang gesetzt, ohne dass es für den einzelnen Teilnehmer eine Hürde wäre. Und natürlich könnten die Markierten, die ja Fans des Genres sein sollen, auch die Bücher kaufen, nur, weil sie vielleicht gerade eh auf der Suche nach neuem Lesefutter sind.

Auch bedeutend ist vielleicht der Zeitpunkt. Man will sich ja hervortun. Das heißt, kein Gewinnspiel, wenn alle eins machen, sondern möglichst dazwischen. Außerdem dann, wenn es nicht im Raum einfach stehen bleibt, sondern gezielt vor einer Neuveröffentlichung, sodass es sich wirklich um gezielte Promo handelt. Alles andere wird wahrscheinlich im leeren Raum verpuffen...

An diesem Punkt fehlt mir natürlich wieder die Autorenerfahrung. Über Kommentare mit Erfahrungen aus der Praxis freue ich mich jederzeit. Wie immer handelt es sich bei diesem Post um meine persönlichen Gedanken und Einstellungen als Leser und spreche nur für mich. Ich weiß, es gibt sie, die Gewinnspiel-Süchtigen. Mich interessiert nun, findet ihr Autoren sie? Wie viele nehmen durchschnittlich an einem Gewinnspiel teil? Welchen Erfolg an mehr Followern und vor allem mehr Buchverkäufen könnt ihr damit verzeichnen? Rechnet sich das Gewinnspiel letztendlich? Oder ist euch der Profit egal und ihr wollt euch wirklich "nur" bei den Lesern bedanken? Wozu? Nennt mir eure Beweggründe! Ich freue mich darauf!

1 Kommentar:

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