Samstag, April 04, 2015

Jutta Ahrens: Anamarnas Prophezeiung - Das Orakel (Band 1)

Als ich das Vorwort zu "Anamarnas Prophezeiung" gelesen habe, dachte ich erst, ob ich dem Buch ohne die Vorkenntnis von "Lacurnas Fluch" überhaupt folgen kann. Aber bei "Anamarnas Prophezeiung" handelt es sich um eine Vorgeschichte, Vorwissen ist überhaupt nicht nötig - und ich war dann sehr erleichtert. Anfangs tat ich mich auch schwer mit den ganzen Namen, sie lassen sich nicht so gut merken wie modernere Namen. Allerdings wird gerade dadurch natürlich der Fantasy-Charakter unterstrichen und ich fühlte mich beim Lesen an die Übersetzungen von antiken und mittelalterlichen Heldensagen erinnert, was auch überhaupt durch den Schreibstil unterstützt wird - da beginnt die Reise in eine ganz andere Welt gleich viel leichter!

Gleichzeitig werden Themen aufgearbeitet, die die Menschheit schon immer bewegten und auch heute aktueller denn je sind. Religiosität als Mittel zur Unterdrückung der Menschheit und als Mittel der Machtsicherung, die Verwerflichkeit einer Klassengesellschaft und die Bedeutung eines aufklärerischen Geistes nach Kant. Aber keine Angst, wer von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Auch hier ist eigentlich kein Vorwissen nötig. Der aufmerksame Leser entschlüsselt die Botschaft auch ohne geschichtliches Hintergrundwissen. Der aufklärerische Gedanke spiegelt sich auch in der Vampirkonzeption wieder, die mir sehr gut gefällt. Warum? Sie ist einmal was ganz anderes. Die Entstehungsgeschichte der Vampire wird nicht irgendwohin in die Vergangenheit verlegt oder von Mythen und Legenden abhängig gemacht à la "Wenn Gott die Menschen erschaffen hat, warum dann nicht die Vampire?", sondern man darf bei der Vampirifizierung des ersten Menschen hautnah dabei sein. Angetrieben von dem Wunsch nach Unsterblichkeit geht der junge Lukir ganz pragmatisch vor. Was spendet Leben, warum stirbt der Mensch? Letztendlich denkt er sich, "Versuch macht klug" und probiert herum. Dass sich die Folgen des "Fortschritts" nicht immer absehen lassen, muss Lukir dann am eigenen Leib erfahren. Denn auch in diesem Roman ist das unsterbliche Leben sowohl Segen als auch Fluch. Ist die Unsterblichkeit wirklich erstrebenswert? Welchen Preis muss man dafür zahlen und ist es dieser wert? Das einzige, was mir nicht so wirklich gefällt, ist die alternative Ernährungsweise zum Blut. Sie wird zwar logisch erklärt und ist somit stimmig, was mir ja immer besonders wichtig ist, aber sie mag mir halt persönlich einfach nicht gefallen. Wie? Was? Alternative zu Blut? Tja, die verrate ich nicht, sonst würde man zuviel vorwegnehmen. Die Alternative ist auf alle Fälle auch neu, sowas habe ich noch nie gelesen. Und das ist natürlich ein großer Pluspunkt.
Ein anderer Minuspunkt, der aber gar nichts mit der Qualität des Romans zu tun hat, sondern einfach aus meinen persönlichen Vorlieben resultiert, sind die eingestreuten homoerotischen Szenen. Es ist ebenfalls halt nicht meins, wobei ich schon betonen muss, dass die Szenen ästhetisch gestaltet sind, sich nicht über Seiten hinweg ziehen (da ist es mir egal, ob hetero oder homo, mehrere Seiten lange Sexszenen finde ich immer ermüdend und langweilig), sondern sie kommen in angemessener Anzahl immer wieder mal kurz und knapp vor und damit kann ich leben. (Wobei mir auffällt, dass weibliche Figuren so gut wie gar nicht vorhanden sind. Schade eigentlich. Eine intrigante Zicke kann man eigentlich immer brauchen...)

Die Handlung selbst ist dank einer Reihe von Konfliktpunkten den ganzen Roman über sehr spannend gestaltet, sodass es beim Lesen zu keinem Leerlauf kommt. Jutta Ahrens bringt die einzelnen Handlungsetappen einfach auf den Punkt, Überflüssiges sucht man vergeblich. Ein Lektorat und Korrektorat sind eben Gold wert.

Insgesamt also ein wirklich lesenswerter Vampirroman mit dem für mich nötigen Anspruch, einer Menge Spannung und Konfliktpotenzial und einem offenen Ende, das viele weitere Konflikte verspricht. Band 2 kann kommen. Ich warte!

Erscheinungsdatum: März 2015

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