Freitag, Mai 15, 2015

Jutta Ahrens: Pestgold

"Pestgold" von Jutta Ahrens handelt von der Gier nach Macht und  Gold, davon, dass sich Glauben und Aberglauben gar nicht so sehr voneinander unterscheiden und von einem Schatz, der für manche Fluch, für manche aber auch ein Segen ist.

Normalerweise sind historische Romane sehr ausschweifend gestaltet. Es wird viel Wert auf die Beschreibung des harten Alltags gelegt, vor allem wenn die Handlung im (ausgehenden) Mittelalter verortet ist. Bei "Pestgold" allerdings wird darauf verzichtet. Die Sozialgeschichte fließt eher nebenbei ein, der Fokus bleibt zu jeder Zeit auf der Handlung liegen. Wie man dies bewerten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Einerseits machen Alltagsbeschreibungen ja historische Romane aus, andererseits können diese auch häufig sehr langatmig ausfallen, sodass man gegen eine kürzere Fassung nichts einzuwenden hätte. Alles in allem kommt mir persönlich der Alltag ein kleines bisschen zu kurz.

Die Handlung ist spannend aufgebaut und wer nun tatsächlich im Besitz des verschwundenen Pestgolds ist, bleibt wirklich sehr lange geheim, obgleich man das ein oder andere ja ahnt. Man schwankt selbst zwischen Vernunft und Aberglauben und folgt daher schon ein wenig den Gedankengängen des Protagonisten Martin, der sich sowieso zwischen Vernunft, Glauben und Aberglauben verliert. Hoch philosophisch geht es dabei aber eigentlich nicht zu. Vielmehr begleitet der Leser die verschiedenen Protagonisten in ihren Zweifeln in Notzeiten, aber auch in ihrem Glauben in guten Zeiten. Gemeinsam bleibt auf alle Fälle, dass der Mensch, so vernünftig er auch sein mag, doch immer nach einer höheren Macht sucht und egal, um welchen (Aber-)Glauben es sich handelt, es immer jemand gibt, der dieses Glauben-Wollen für sich ausnutzen will. Die Gesellschaftskritik, die nicht nur für das Mittelalter gilt, sondern auch heute noch, muss man zwischen den Zeilen herauslesen können.

Insgesamt ein wirklich spannender Roman und wirklich lesenswert, wenngleich eben ein wenig mit den "Regeln" des Genre gebrochen wird und der sozialgeschichtliche Aspekt etwas zu kurz kommt. Dem Lesefluss tut das keinen Abbruch.

Erscheinungsdatum: Dezember 2014

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