Sonntag, Juni 07, 2015

[Diksussion] Kunst und Kommerz

Was ist eigentlich Kunst? Ich ergehe mich nun nicht in philosophischen Diskursen, sondern sage ganz einfach: Was Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Nicht im Auge des Schöpfers, wohlgemerkt.
Was ist Kommerz? Kommerz ist das, was der breiten Masse gefällt. Kommerz ist das, was Kohle bringt.
Dabei schließen sich Kunst und Kommerz eigentlich gar nicht aus. Es wird nur von manchen so hingestellt. Kommerz wird häufig abwertend gebraucht. Ich frage mich nur, warum.
Es ist egal, welche Sparte man sich dabei betrachtet. Das was jeder kriegen kann, scheint für manche nicht gut genug zu sein. Sie können nur müde und geringschätzig darüber lächeln.

Ich finde diese Geringschätzung des Gegenübers, weil er einen anderen Geschmack hat, weil einfach andere Prioritäten setzt, bedenklich. Viele wollen besonders elitär wirken, indem sie an allen Ecken und Enden betonen, wie außergewöhnlich sie doch sind, wie sie sich von anderen abheben. Egal, ob es gerade in eine Unterhaltung passt oder nicht, es scheint derzeit mainstream zu sein, zusammenhanglos Informationen einzustreuen wie "Ich habe keinen Fernseher", "Ich lese sowas ja gar nicht", "Ach du meine Güte! Pauschalurlaub? Wie kann man nur?". Sätze, bei denen immer irgendwie die Abwertung des Gegenübers mitschwingt. Das stört mich.
Solche Leute setzen mit ihrem Verhalten die Individualität des anderen herab, sprechen ihnen das Recht, das sie für sich selbst beanspruchen, nämlich zu sein, wie man will, ab. Und merken es nicht einmal.

Dieses Profilieren begegnet mir überall. Wichtiger Satz. Bitte nochmal lesen. Dieses Profilieren begegnet mir überall. Unabhängig von Bildungsstand, Beruf oder irgendetwas anderem. Aber besonders fällt es mir in letzter Zeit in Diskussionen unter Autoren auf. (Nein, der Großteil der Autoren braucht sich nun nicht angesprochen fühlen. Wie immer sind es eben ein paar wenige...)

Im Verurteilen von Kommerz-Literatur sind gewisse Autoren (und auch Leser) ja besonders schnell. Dass es völlig kommerzielle Titel auf die Bestseller-Listen schaffen ist ja eine Tragödie, die die alten Griechen das Fürchten lehrt. Wie kann dieses Shades of Grey nur so erfolgreich sein. Oder diese Glitzervampire. Das ist doch so trivial. So gewöhnlich! Nicht außergewöhnlich! Ja, und? Es ist mir schleierhaft, wie ganze Threads mit dem Für und Wider von solchen Bestseller-Romanen gefüllt werden können. Mir ist auch schleierhaft, warum man nicht sagen kann "MIR hat das Buch trotz der allgemeinen Begeisterung nicht zugesagt", sondern warum es heißen muss "Wie kann man so einen Sch*** nur lesen?". Letzteres beinhaltet nämlich eine klare Abwertung all derer, die das Buch gut fanden. Ich denke nicht, dass man sich anmaßen kann, den Geschmack der Masse festzulegen. Es ist lediglich der Versuch, sich selbst auf ein Podest zu heben, indem man andere deklassiert. Manch einer drückt sich dabei deutlicher aus als der andere, damit ja kein Zweifel bestehen bleibt. Dabei ist der einzelne, der einen Bestseller gut findet, keineswegs ein Schaf, das der Herde hinterher rennt, wie es oft dargestellt wird und was eine Abwertung bedeutet. In den allermeisten Fällen haben die Bestseller eben etwas, dass viele (aber nicht alle) gut finden. Der Bruchteil derer, die etwas nur gut finden, weil es "alle" gut finden, ist sehr viel geringer, als weithin behauptet wird. Dessen bin ich mir sicher. Es handelt sich einfach um das Phänomen Mode. Man macht mit oder lässt es. Das darf jeder selbst entscheiden. Und deshalb sollte man auch nicht die Entscheidungen anderer verurteilen, wenn diese anders als die eigene ausfällt.

Vielleicht sollte man den Erfolg anderer einfach neidlos anerkennen. Sie sich zum Vorbild nehmen, anstatt die Sache schlecht zu reden. Jeder Autor träumt davon, von der Schreiberei leben zu können. Die Kunst besteht in diesem Fall darin, dies auch zuzugeben. Egal, wie man sich sein Publikum vorstellt.

Bildnachweis: FreeImages.com /Dalibor Ogrizovic

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