Dienstag, Juni 16, 2015

[Diskussion] Zwischen Nähe und Distanz - Wo treffen sich der Leser und der Autor?

Muss der Autor jede Rezension bei Amazon kommentieren? Wenn er kommentiert, welche kommentiert er dann? Nur die guten Bewertungen, nur die schlechten? Oder alle? Oder gehen die Rezensionen bei Amazon den Autor gar nichts an, weil die Kundenbewertungen schließlich von Kunden für Kunden sind? Wo ist die Kontaktstelle, wo sich Leser und Autor denn überhaupt treffen?

Die Meinungen dazu gehen weit auseinander und im Endeffekt ist es jedem Autor selbst überlassen, wie er mit Kritik umgeht. Einige Indies sind sowieso völlig kritikunfähig, aber das ist ja ein Thema für sich.

Zunächst muss man wohl den gemeinen Leser vom gemeinen Buchblogger unterscheiden. Dem gemeinen Leser ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass der Autor, den er da mal eben schnell bei Amazon bewertet, keine große Firma ist, bei der man sich per Kundenbewertung über die Mängel eines Produktes beschwert, sondern gerade der Indie ein einzelner Mensch ist, der da etwas verkauft, was ihm ans Herz gewachsen ist und deshalb sehr viel empfindlicher ist. Dem Leser kann das meiner Meinung nach auch weiter wurst sein, es ist der Indie, der sich dessen bewusst sein muss, dass der Bewerter nicht den Autor, sondern nur das Produkt Buch sieht, das sozusagen zum Abschuss frei gegeben ist. (Mit dem Hochladen der Datei handelt es sich auch um ein Produkt, das zum Abschuss frei gegeben ist.) Der Autor braucht also ein dickes Fell und darf die ein oder andere Bewertung nicht persönlich nehmen. Was nicht heißt, dass man sich generell darüber hinwegsetzen sollte. Schließlich strebt ja jeder Verkäufer - und ein Autor ist dem Fall nichts anderes - ja zufriedene Kunden an, nicht wahr? Deshalb sollte der Autor allenfalls nette Worte finden oder gar keine. Der sich beschwerende Kunde freut sich darüber, dass seine Kritik ernst genommen wird (zumindest soll er doch das Gefühl bekommen) und gibt dir, lieber Autor, für dein nächstes Werk eventuell eine neue Chance. Vergiss nicht, dass schlechte Mundpropaganda sich zigmal schneller verbreitet als gute! Der positiv bewertende Kunde freut sich vielleicht auch über eine Rückmeldung, erwartet sie aber nicht. Meine Güte, wenn man sich durch all die Benachrichtigungen kämpfen müsste, wenn jede Meinung beantwortet werden würde. Da würde ich ja gar nichts mehr bewerten wollen. Der gemeine Leser wird in der Regel selbst aktiv, wenn er deiner Facebook-Seite folgt, nachdem ihm dein Roman gefallen hat. Wahrscheinlich funktioniert die Leser-Autor-Beziehung auch sehr gut über die Distanz. Du hältst ihn auf den aktuellen Stand, er kauft deine Bücher und fertig.

Beim Buchblogger sieht das schon etwas anders aus. Du und der Buchblogger haben nämlich etwas gemeinsam. Ihr wollt beide gelesen werden. Deshalb ist es sinnvoll, euch gegenseitig zu unterstützen. Der Buchblogger soll deiner Facebook-Seite folgen? Dann folge auch seiner! Der Buchblogger soll deine Buchwerbung teilen? Dann teile doch auch seine Beiträge! So kann man das mit allem fortführen, was die Sichtbarkeit irgendwie erhöht (liken, kommentieren, teilen). Der Buchblogger soll all deine Bücher lesen, deine Fortsetzungen kaufen (Ja, nicht jeder Blogger will ein Rezi-Exemplar)? Dann schau auch hin und wieder auf seinem Blog vorbei und lass einen Kommentar da. Denn der Blogger lebt davon! Zumindest im übertragenen Sinn.

Der Blogger will gehegt und gepflegt werden. Dabei braucht es eigentlich nicht viel dazu. Du, lieber Autor, musst ja dann viele Blogger pflegen, was der einzelne Blogger wiederum nicht sieht. Aber du, lieber Autor, willst ja auch dauerhaft soviele Bücher verkaufen, dass du davon leben kannst. Der Blogger schreibt aus Spaß an der Freude... Es reicht im Allgemeinen wirklich, wenn du deine Likes und +1 verteilst, hin und wieder mal kommentierst. Kurz, der Blogger soll das Gefühl haben, dass du ihn nicht aus den Augen verlierst. Das menschliche Ego sträubt sich schließlich gegen die Realität, dass alles nur Mittel zum Zweck ist, er möchte sich zu allererst immer wertgeschätzt fühlen und dank der Oberflächlichkeit der sozialen Netzwerke reichen dazu eben ein paar Gefällt-mir-Angaben und ein paar nette Worte hie und da. Mit ein klein wenig Aufmerksamkeit sicherst du dir so deine kostenlose Werbeplattform, denn jeder Blogger wird seine Posts mit deinem Inhalt verteilen! Nutze die Macht...!

Bildnachweis: FreeImages.com / Cheryl Empey

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen