Mittwoch, Juni 03, 2015

Udo Kübler: Die Dinge des Lebens (Anselmo-Trilogie 2)

Ich war schlecht gelaunt und genervt. Und da dachte ich mir, liest du einen Kübler, der heitert dich bestimmt auf. Aber so recht wollte sich die humorvolle Unterhaltung wie beim ersten Teil der Anselmo-Trilogie nicht einstellen. Dieser Umstand ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man bereits weiß, was auf einen zukommt und die Erwartungshaltung dementsprechend eine höhere ist. Da aber Jonathan Simpson immer wieder in eine neue Rolle schlüpft, ist es am besten, überhaupt keine Erwartung zu haben. Denn diese Reihe unterscheidet sich eben von gewöhnlichen Reihen. Wer den ersten Teil dieser Trilogie schon gelesen hat, wird mir sicher zustimmen, dass es sich bei dem Geschreibsel hier um viel handelt, aber nicht um banale Gewöhnlichkeit. Deshalb kann eine Erwartung nämlich gar nicht erfüllt werden, denn Jonathan Simpson entzieht sich der Regelhaftigkeit, die der Leser einfach gewohnt ist, was schon mit einer ganz anderen Rolle des Simpson beginnt. Dieses Mal ist er kein Detektiv, sondern Schriftsteller, der eigentlich gar nicht so recht weiß, von was er schreibt. Das ist aber ohnehin egal, denn eigentlich geht es darum, dass er sich verliebt. In Nora. Nora ist jedoch unnahbar und irgendwie kompliziert. Sie sagt mal hüh und mal hott und sowohl Jonathan als auch der Leser verzweifeln daran, dieses Weibsbild zu verstehen. Und da schlich sich dann schon der Gedanke in meinen Kopf, dass der Kübler ja doch ganz schön klischeehaft mit der Rollenverteilung von Männlein und Weiblein umgeht und er schon die alte Schule pflegt. Immer Ärger mit den Frauen und verstehen tut sie auch keiner! Aber ohne, ja aber ohne können die Männer halt auch nicht. Wirklich aufregen konnte ich mich dann doch nicht, denn der Kübler lügt ja nicht. Ich als Frau darf das ohne Umschweife behaupten und zugeben. Wir sind kompliziert. Genau wie Nora haben wir, wenn wir ganz ehrlich sind, unseren Spaß dabei, die Männer zu verwirrren. Manchmal zumindest.

Wie schon im erste Teil ist auch in "Die Dinge des Lebens" keine wirkliche Handlung vorhanden, aber wir wissen ja bereits, dass man auf dem falschen Dampfer ist, wenn man bei Kübler eine ausgefeilte Handlung sucht. Den Vergleich zum ersten Teil kann ich, auch wenn der Inhalt sich keineswegs vergleichen lässt, nicht auslassen, denn die Unterhaltung war im ersten Teil eine andere. Es gab Situationskomik, lustige Wortgefechte, da flutschte es einfach anders. Auf das darf man sich im vorliegenden Buch nicht einstellen, sonst wird man enttäuscht werden. Aber keine Sorge, der Kübler hat das unterhaltsame Schreiben nicht verlernt. Der Fokus liegt ganz einfach woanders. Nämlich auf den Dingen des Lebens. Er gibt Jonathan, der sich ja am Ende des ersten Teils unbedingt eine Frau für die Fortsetzung gewünscht hatte, ein wahres Prachtexemplar an die Seite und nichts da mit Happy End, nein. Jonathan muss da durch, wo jeder Mann wohl MINDESTENS einmal durchmuss, wenn er sich eine Frau anlachen will. Der zweite Teil der Anselmo-Trilogie legt also den Schwerpunkt auf leichte Tiefgründigkeit. Hat man den richtigen Blickwinkel erst einmal eingenommen, gibt es auch nicht mehr viel zu meckern. Bei einem Kübler muss man halt zwischen den Zeilen lesen können, da braucht es je nach Tagesform etwas Zeit, bis man das kapiert.

Ans Herz gewachsen sind mir allerdings wirklich Küblers Diskurse mit Jonathan. Udo gibt unumwunden zu, wo er einfach nicht so recht weiter gewusst hat bzw. es einfach nicht so weitergehen wollte. Mir gefällt es einfach, wie er seinen Schreibprozess reflektiert und dies in das Gespräch mit seinem Protagonisten einbettet. Stundenlang könnte ich so weiterlesen. Und der Wunsch wächst, selbst einfach mal drauf los zu schreiben.

Erscheinungsdatum: Juli 2014

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