Mittwoch, Juli 22, 2015

[Diskussion] Rezensionen - 13 Antworten

Das Thema "Rezensionen bei Amazon" ist ein Dauerbrenner unter Autoren. Immer wieder kommt es zu Diskussionen über deren Sinnhaftigkeit und die Maßstäbe, an denen die Qualität einer Rezension gemessen werden soll. 

Man muss höllisch aufpassen, nicht vom Kern abzuweichen und sich in Haarspaltereien zu verlieren. Auf die 13 häufigsten Fragen habe ich für mich folgende Antworten gefunden:

1. Handelt es sich bei Amazon nun um Rezensionen oder Kundenmeinungen?

Jeder kann diese Frage nach seinem Gusto beantworten. Sich daran aufzuhängen, ist meines Erachtens völlig egal. Denn gleich, welchen Namen man dem Kind gibt, das Ergebnis bleibt dasselbe. Ein Käufer bewertet anhand eigener Maßstäbe, deren sich der Kunde mehr oder weniger bewusst ist, ein gekauftes Produkt. Ich verwende daher die beiden Begriffe synonym.

2. Sollte es einheitliche Maßstäbe für Kundenbewertungen geben?

Tatsächlich wären einheitliche Richtlinien wohl wünschenswert, aber in der Praxis nicht umsetzbar. Die Hürde muss für den Kunden ziemlich gering sein, damit er eine Bewertung abgibt. Ihm nützt eine Bewertung ja auch nichts mehr. Will man ihn durch einen aufwändigen und Zeit fressenden Fragenkatalog jagen, wird man bei den allermeisten scheitern. Das Sternesystem und eine Mindestanzahl an Zeichen muss also reichen.

3. Sind kurze, pauschalisierende Bewertungen hilfreich?

Ja! Auch wenn sie noch so wenig Masse zu bieten haben, auch wenn jede Begründung fehlt, ist jede Bewertung eine Hilfestellung für den Autor. Auch wenn da nur steht "Das Buch hat mir gar nicht gefallen." Natürlich hätte ein Autor gerne genauere Anhaltspunkte, woran es lag, aber er ist nunmal nicht in der Position, diese vom Leser einfordern zu dürfen. Vielmehr gilt es dann zu hinterfragen, woran es gelegen haben könnte. Ein Unternehmer will immer neue Kunden gewinnen und wird nie sagen, allen könne man es eh nicht recht machen. Daran sollte sich so mancher Autor ein Beispiel nehmen. Das Ziel muss sein, alle erreichen zu wollen, wenn du erfolgreich sein willst. (Geht es dir nicht um finanziellen Erfolg und ein breites Publikum, ist dieser Punkt für dich selbstverständlich irrelevant. Eigentlich der ganze Post...)

4. Hilfe! Die Bewertung hat ja gar nichts mit dem Buch zu tun!

Der Alptraum eines Autors. Ein Stern, weil der Kunde einfach zu blöd war. Das Runterladen hat nicht funktioniert, der Kunde, 40, wollte eigentlich kein Kinderbuch lesen oder der Kunde hatte einfach Probleme mit dem morgendlichen Stuhlgang und brauchte einen Kanal. Na und? Die Leser erkennen doch solche Rezis ebenfalls als überflüssig. So what? Aber das Gesamtranking wird dadurch ja beeinflusst?! Ruhig bleiben und logisch denken. Wenn EINE Bewertung (oder gar zwei bis fünf) im Ranking so zurückwirft, gibt es wahrscheinlich dringendere Probleme als einen defekten eReader eines Kunden.

5. Kann eine Rezi den Autor beleidigen?

Nein, kann sie nicht - wenn der Autor abgeklärt genug ist. 
Ich weiß, ich werde mich gleich in die Nesseln setzen und meine Antwort wird einigen sauer aufstoßen, aber dennoch ändert sich nichts an der Tatsache, dass der Kunde stets nur das Produkt und nicht die reale Person im Kopf hat, wenn er bewertet. Selbst wenn er scheibt, dass Autor XY ein ausgewachsener Legastheniker sei und dieser wohl nie eine Grundschule besucht habe. Natürlich ist das schwerer zu schlucken als "Der Text ist voller Rechtschreibfehler". Aber bleibt die Aussage nicht die gleiche? Nämlich dass der Text nicht fehlerfrei ist und ein Korrektorat nicht schaden würde? Anstatt sich zu ärgern, sollte der Autor einfach nur die Botschaft herausfiltern und den Rest vergessen: Der Kunde teilt mit, was nicht passt und woran gearbeitet werden muss. Wie er das macht, ist doch egal! Ab mit den Empfindlichkeiten in die Schublade und raus mit dem dicken Fell. Auch provozierend verfasste Rezensionen können gewinnbringend ausgeschlachtet werden! Sich daran aufzuhängen, wie die Kritik formuliert ist, kostet nur Energie, die viel besser in die eigene Weiterentwicklung investiert ist. 

6. Was kann ich gegen Rezis von neidischen Kollegen tun?

Die neidischen Kollegen werden sehr häufig vorgeschoben. Ich habe dazu natürlich keine Zahlen, aber ich glaube nicht, dass die Neid-Rezis wirklich so häufig vorkommen. Da wird ja gerade so getan, als wäre eine einzelne Rezi eine Atombombe, die über Erfolg und Niederlage entscheidet. Die Drama-Queen gehört in den Roman und nirgendwo sonst hin. Bevor man also unbekannterweise Anschuldigungen in die Welt schickt, sollten die Kritikpunkte ernsthaft überprüft werden. Man kann immer etwas lernen.

7. Rezi-Trolle

Eigentlich gilt hier dasselbe wie für die Punkte 3 bis 6. Mehr möchte ich dazu gar nicht schreiben. Trolle muss man ignorieren.

8. Wozu Rezensionen lesen, wenn es Leseproben gibt?

Leseproben sind meist die ersten Seiten des Romans. In den allermeisten Büchern passiert dort nicht viel. Ich weiß also wieder nicht, ob mich Plot und Charaktere fesseln. Wenn es einer so gar nicht mit der Rechtschreibung hat, reicht der Klappentext. Wenn er Testleser bemüht hat, hilft auch hier die Leseprobe wenig. Am Anfang eines Textes sind die Testleser nämlich noch motiviert. Die Fehler nehmen häufig erst später zu. Mein extremster Fall war, dass ab 50% des Buches gar nichts mehr verbessert worden war. Bis dahin der Text aber fast fehlerfrei war! Hier hätte nur eine Rezi Aufschluss geben können. Eine Leseprobe ist also nicht immer das Allheilmittel. Abgesehen davon ist es zeitlich aufwändiger, eine Leseprobe anstelle von mehreren Rezensionen zu lesen. 

9. In der Rezi wird gespoilert!

Hier ist keine große Diskussion nötig, das ist natürlich unfein. Dennoch glaube ich, dass man es sich zu leicht macht, ausbleibende Verkaufszahlen auf Spoiler in den Rezensionen zu schieben. Hier kann und muss man wohl an anderen Stellschrauben wie dem Bewerben drehen.

10. Was muss in einer Rezension besprochen werden?

Ich finde, es gibt viele Punkte, die angesprochen werden können, aber nicht müssen. Punkt für Punkt abarbeiten? Mal ehrlich, das hat uns doch schon in der Schule gelangweilt. Ich beschränke mich inzwischen auf Punkte, die mir besonders gut oder gar nicht gefallen haben (mit Begründung). Eine Rezi, die länger als der Roman ist, liest doch keiner. Die meisten verfolgen dabei die Taktik "Nicht geschimpft, ist genug gelobt", das ist halt einfach so. Damit muss sich der Autor einfach abfinden.

11. Wieso bekomme ich keine Rezis?

Mit Ratgebern, Kochbüchern, Fachbüchern und anderen Sachbüchern hat man es wahrscheinlich schwerer als in der Belletristik. Mir würde niemals einfallen, ein Kochbuch zu bewerten. Ich kaufe Fachbücher auch nicht als E-Book, weil diese für mich durch die Haptik leben. Das heißt aber auch, dass ich schon vor dem Kauf weiß, ob mich Bilder und Aufbau ansprechen - denn ich blättere das Buch im Laden ausgiebig durch. In der irrsinnigen Annahme, dass es alle so machen, entsteht für mich kein Anreiz, eine Bewertung zu tippen. Warum bei Romanen die Rezis ausbleiben, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht ist das Buch halt einfach Durchschnitt? Nicht so gut, dass man es empfiehlt, nicht so schlecht, dass man es zerreißt? Ich weiß es nicht.

12. Die meisten Leser haben doch eh keine Ahnung vom Bewerten.

Dies ist die Aussage, die mir am meisten quer liegt. Die Leser sind Kunden. Der Kunde ist König. Punkt. Auch wenn er sich vielleicht nicht immer adäquat auszudrücken vermag, weiß er, ob ihm ein Buch gefallen hat oder nicht. Darauf kommt es an. Ein Autor nimmt jeden seiner Leser ernst. Der Leser hat Geld ausgegeben und hat einen Anspruch auf gute Ware. Auch wenn es sich nur um 99 Cent handelt! Es geht hier ums Prinzip, wie man mit seinen Kunden umgeht. Da zählt auch nicht, dass die Leser den Roman nicht verstanden hätten. Es ist die Aufgabe des Autors, verständlich zu schreiben. Nicht dem Leser ist das Unverständnis anzulasten, sondern dem Autor und nur dem!

13. Wieso bekomme ich nur schlechte Rezis?

Ähm, ja. Die Welt hat sich wahrscheinlich gegen dich verschworen ;)

Wer seinen Roman in das Haifischbecken wirft, muss auch mit Bissen und Blut rechnen. So einfach ist das.

Bildnachweis: FreeImages.com / Ricardo Vasquez

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