Donnerstag, Juli 16, 2015

[Social Networking Teil 8] Die Stunde der Wahrheit

So, acht Wochen sind nun vorbei. Hat sich wirklich was getan? Ein bisschen. Aber es hätte mehr sein können für die Zeit, die ich vor allem auf Facebook verbracht habe. Ich habe zwar neue Follower für meine Seite gewinnen können, aber die Anzahl ist überschaubar. Zudem schränkt Facebook die Sichtbarkeit der Seite dermaßen ein (um Geld für Werbung einnehmen zu können), dass es wirklich keinen Spaß mehr macht. Um die Sichtbarkeit dennoch zu erhöhen, muss man schon sehr aktiv werden. Die Posts müssten über zig Gruppen gestreut werden, was wirklich Zeit frisst.

Was mir wirklich Spaß gemacht hat, war der Umbau meines Blogs. Dir wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass sich immer wieder etwas verändert hat, ich dies und jenes angepasst habe. Dabei hat mir das Stöbern auf anderen Blogs wirklich sehr geholfen. Dort habe ich erst den Blick dafür bekommen, welche Möglichkeiten es gibt, was mir selbst gefällt und was mir gar nicht gefällt. Überraschenderweise haben mir eher die Bücherblogs die Augen geöffnet, was eigentlich nicht schön ist. Viel zu oft sind diese in der Sidebar überladen oder der Hintergrund vollgestopft mit unüberschaubaren Mustern. Alles ist übermäßig verspielt, lenkt eigentlich ab und strengt die Augen an. Auf den meisten Lifestyle-Blogs (ja, ich habe auch ganz andere Themen besucht!) sieht das Ganze aufgeräumter aus. Hier herrscht das minimalistische Prinzip "Weniger ist mehr" vor, was mir sehr gut gefällt. Dennoch habe ich den ein oder anderen Button vermisst, sodass ich im Moment denke, einen guten Mittelweg gefunden zu haben.

Das regelmäßige Posten artet wirklich in Arbeit aus und erzeugt teilweise sogar eine Art Stress, die sicher nicht mehr positiv zu sehen ist. Ist es das wirklich wert? Ich blogge ja, weil mir das Schreiben Spaß macht. Aber wenn ich mich einem künstlichen Druck beugen muss, dass ich ja für diese Woche noch unbedingt 3 Posts veröffentlichen muss, macht das dann noch Spaß? Nein, mir nicht. Denn ohne weitere Verbreitung in den Netzwerken passiert ja trotzdem nichts. Ganz deutlich habe ich dies an der Kindle-Überraschung gesehen, die ich automatisch online gehen und auf nur wenigen Kanälen verteilen lasse. Die meiste Rückmeldung kommt über G+, auf Facebook halten es die meisten Autoren nicht einmal für nötig, den Beitrag zu teilen, obwohl sie von mir das Datum der Veröffentlichung erhalten haben! Da entsteht schon der Eindruck, als dass sie sich auf die kleine, dumme Bloggerin verlassen, die schon automatisch die Werbung übernimmt. Äh, ja. Nein, mache ich nicht. Deswegen wird die Kindle-Überraschung auch ein neues Gesicht erhalten, was für mich weniger Aufwand bedeutet.
Die regelmäßigen Posts haben aber für mich persönlich einen positiven Effekt, der gar nichts mit potenziellen Followern zu tun hat. Ich organisiere mich besser. Ich habe mir mein Notizbüchlein angeschafft, in dem ich Ideen gleich festhalte und damit die Hälfte nicht mehr vergesse. Ich plane die Veröffentlichung der Posts und sorge schon dadurch für mehr Regelmäßigkeit, wenn ich nicht in einer Woche 5 mal veröffentliche, aber in den zwei Wochen darauf gar nicht. Es ist für mich selbst ein gutes Gefühl, anhand meines Blog-Archivs eine Regelmäßigkeit zu erkennen. Es zeigt mir mein Durchhaltevermögen, dass ich etwas schaffe, dass ich zuverlässig bin. Und das klappt ganz gut, denke ich.

Beim Lesen anderer Blogs habe ich zudem gemerkt, dass ich selbst eine ganz andere Zielgruppe habe. Die meisten Beiträge schreibe ich genau genommen für Autoren. Der Austausch mit ihnen, das Verfolgen von Diskussionen, das macht Spaß! Und da helfen mir meine Bemühungen wenig, wenn ich mit den anderen Buchbloggern nicht auf einer Wellenlänge bin. Wenn ich ehrlich bin, gibt es nur eine handvoll Blogger, die Rezensionen so schreiben, dass sie mich interessieren. Die bloße Auflistung von Büchern beim Top Ten Thursday hat für mich keinen Mehrwert. Die Montagsfrage ist manchmal ganz interessant, aber eben nur manchmal. Die ganzen Tags und Nominierungen unterscheiden sich ebenfalls sehr. Viele sind wirklich nur dazu gedacht, Kommis und Verlinkungen zu sammeln, aber bringt das wirklich was? Nur damit man schöne Zahlen in der Statistik stehen hat?

Ich wurde beim Austausch über dieses Projekt auch häufiger gefragt, ob ich denn eine Nische bediene, um so mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Naja, ein Bücherblog ist nun wahrlich kein Nischenblog mehr. Abgesehen davon, dass bloße Rezensionen sowieso in den Hintergrund treten, kann ich doch eine Nische aufweisen. Wieviele Bücherblogger lesen ausschließlich Indies und dann auch nur über Kindle unlimited? Wie viele andere kennst du da?! Gut, der Erfolg bleibt wahrscheinlich deshalb aus, weil es dennoch keinen interessiert. Aber eine Nische habe ich! Das kann keiner bestreiten. Und dann schreibe ich auch noch über meine Erfahrungen mit Indies als Leser. Na, wenn das nicht interessant ist?

Wie sehr schmerzen mich nun die fehlenden Follower? Ich bin schon neidisch, wenn ich da so große Zahlen auf anderen Blogs entdecke. Ich frage mich natürlich, wie man über 350 Follower via Google Friend Connect zusammenbekommt. Und ja, ich denke mir "Das will ich auch!". Ich gebe das ganz offen zu. Natürlich will ich eine Hausnummer sein, die bekannt ist, auf deren Urteil man wert legt. Es wäre also schon etwas heuchlerisch zu behaupten, dass ja Likes nicht so wichtig sind, dass ich ja nur für mich schreiben würde. Natürlich will ich, dass jemand mein Zeugs liest! Und natürlich will ich die Anerkennung dafür haben, verdammt nochmal! Aber sie bleibt halt aus. (Na, aber bei G+ sieht es mit den Followern doch ganz ordentlich aus? Ja, das ist eine eigene Geschichte...)

Ein kleines bisschen muss man halt auch die Vernunft einschalten. Über meine Kleinen Geschichten erhalte ich das meiste Feedback in der wirklichen Welt von Menschen, die mit dem Like-Button nicht so großzügig umgehen. Es wird mir häufig gesagt, dass diese Geschichten gerne gelesen werden und wenn länger keine online ging, erhalte ich sogar Beschwerden. Das tut gut! Ich bin immer wieder überrascht, wer meine Geschichten liest. Da sind Leute dabei, von denen hätte ich gedacht, dass sie mich allenfalls belächeln.

Und der Rest? Hier passiert doch soviel mehr? Jeder Artikel ist nicht gleich. Trifft einer einen Nerv, wird er auch verteilt und ich erhalte meine Klicks. Ist er nicht so gut, versauert er eben. Ich bin zwar dann erst einmal enttäuscht, aber ich bin doch auch los geworden, was mich beschäftigt hat. So bin ich ja überhaupt zum Bloggen gekommen. Und manch Artikel wird auch später erst interessant, plötzlich taucht er in den Statistiken weiter oben auf. Ich bin halt auch zu ungeduldig.

Es hat mich Überwindung gekostet, meine Facebook-Seite vom Blog zu entfernen und stattdessen ein Icon zu platzieren. Denn ein Icon erfordert einen Klick mehr als die direkte Positionierung des Widgets, was eine wirkliche Hemmschwelle darstellt. Google Friend Connect habe ich ganz entfernt, nachdem ich es nicht geschafft habe, es auf ein Icon zu legen. Aber eigentlich ist es gut so. Ich muss keine Zahlen mehr anstarren, die mich verzweifeln lassen. Stattdessen betrüge ich mich selbst und lasse mein G+-Profil stehen, dass mir zumindest vormacht, dass ich erfolgreich und interessant sei. Ich glaube, so ein bisschen selber bescheißen ist schon okay. Es sorgt für eine gute Stimmung und wer gut drauf ist, schreibt auch besser. Also bei mir ist das zumindest so. Ich schreibe über Dinge, die mich beschäftigen, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn es keinen anderen interessiert, habe ich das zu akzeptieren.

Und der letzte Punkt: Diese Reihe war gut. Auch wenn sie von manch einem belächelt worden sein mag, wie ich hier um Aufmerksamkeit giere. Aber diese Artikel waren auch erfolgreich. Was mir vor allem eins zeigt: Ich bin mit meinem Problem nicht allein. Es geht vielen, vielen anderen so, aber scheinbar spricht man nicht darüber. Ja, man wird eben als unselbstbewusstes Etwas abgestempelt. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es Selbstzweifel braucht. Sie bringen einen auch weiter. Weiter, als wenn man rumläuft und singt "Ich bin so schön, ich bin so toll!" (Anton aus Tirol). Man darf, nein, man muss auch immer wieder an sich selbst zweifeln, um sich weiterzuentwickeln. (Also gepaart mit Tatendrang, gemeint ist nicht das Verkriechen im letzten Loch und in Selbstmitleid zu zerfließen.)

Deshalb endet diese Reihe zwar, aber ab nächster Woche gibt's Artikel über meine Blogging-Erfahrungen. Meine ganz persönlichen. Und weil ich eben keine großen Tipps geben kann, wie man erfolgreich bloggt, heißt das Ganze dann eben "Bloggen für Anfänger"!

Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße
Karin

Bildnachweis: FreeImages.com / Dominik Gwarek

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