Donnerstag, August 20, 2015

[Diskussion] Was einen Bestseller ausmacht

Ich will dir nicht deine kostbare Zeit stehlen. Deshalb sage ich dir gleich, dass ich in diesem Artikel kein Patentrezept liefern werde, wie du einen Bestseller schreibst. Aber ich habe mir die Top 20 der E-Books bei Amazon* angesehen, um ein wenig etwas von dem Geheimnis, was einen Bestseller ausmacht, zu lüften. Ich versuche es zumindest.

1. Kindle unlimited

18 von 20 Autoren bieten ihre Romane über Kindle unlimited - der Leseflatrate von Amazon - an. Die übrigen zwei sind Teile von Reihen, um die allgemein ein Hype herrscht. Das eine ist der letzte Band der After-Reihe von Anna Todd und das andere ist Grey von E.L. James, das nur aufgrund der Vorbestellungen schon in den TOP 20 landete. Bis auf diese zwei Titel handelt es sich ausschließlich um Selfpublisher! Also nichts da von wegen, wenn man einen großen Verlag im Rücken hätte...
Meines Erachtens kann es auch kein Zufall sein, dass all diese Titel auch ausleihbar sind. Der Leser geht ja beim Leihen kein Risiko ein. Die Hemmschwelle, sich für einen Titel zu entscheiden, ist also viel geringer. Dazu kommen Leser wie ich, die nur noch leihen. Autoren, die mir das nicht bieten können, haben eben Pech gehabt.

2. Preis

Sieben Titel werden für 99 Cent angeboten, bei allen sieben wird in der Buchbeschreibung auf den Einführungspreis hingewiesen. Ein Einführungsangebot scheint also die Verkaufszahlen dementsprechend zu pushen. Ein Titel ist für 1,49 Euro erhältlich, sechs für 2,99 Euro, 3 für 3,99 Euro und einer für 4,99 Euro. Es ist also nicht so, dass Titel ausschließlich für unter einem Euro verramscht werden. Gemeinsam ist allen Titeln jedoch, dass sie in der Kategorie "eBooks unter 5 Euro" sichtbar sind.

3. Rezensionen

Nur mit vielen Rezis erlangt man die Sichtbarkeit in den TOP 20? Irrtum! Die aufgelisteten Büchern haben zwischen 6 und 432 Rezensionen. Der Durchschnitt beträgt allerdings, das muss ich zugeben, bei guten 67 Rezensionen pro Titel, wobei auch Grey mit noch gar keinen Rezensionen einbezogen ist. Dennoch zeigen die 20 Titel auch, dass man den Sprung auch mit wenig Rezensionen schaffen kann. 

4. Genre

Wer viele Leser finden will, muss auch für viele Leser schreiben. Daran wird man nicht herumkommen. Leichte Schnulzen, Thriller und Krimis dominieren. Fantasy hat es da schwerer. Sie ist allerdings, was auch nicht so häufig vorkommt, mit einem Vampirroman vertreten und einem Roman mit fantastischen Elementen von Mella Dumont. Diese kann bereits, wenn ich mich richtig erinnere, auf mehrere Bestseller zurückblicken. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

5. Veröffentlichungen

Alle Autoren der TOP 20 haben schon mehrere Titel veröffentlicht. Es ist kein Erstlingswerk darunter. Viele der Autoren veröffentlichen zudem in einem recht straffen Turnus, sodass sie dem Leser präsent bleiben und nicht in Vergessenheit geraten. Die These, dass man mit seinem Erstling keinen Bestseller landet, scheint dadurch bestätigt. Durchhaltevermögen ist also gefragt. Und Zuverlässigkeit im Erscheinungsrhythmus.

6. Facebook-Seiten

Jetzt kommt die Klatsche für alle, die sich stundenlang mit Facebook abmühen. Werbeposts setzen, in Gruppen agieren, sich um ihre Reichweite sorgen. Vier der 17 Autoren (Catherine Ryan Hyde ist zweimal vertreten, E.L. James und Anna Todd lasse ich außen vor.) haben gar keine Facebookseite. Lediglich sieben haben über 1000 Gefällt-mir-Angaben, fünf liegen unter 500 Seiten-Likes. Drei Autoren haben sogar lediglich zwischen 100 und 150 Likes! Und von Google+ will ich gar nicht erst anfangen... Bis auf zwei oder drei Autoren ist mir auch keiner mit Aktivitäten in einschlägigen Autoren- oder Bücher-Gruppen aufgefallen. Also lasst den Browser zu und schreibt lieber? Es scheint zumindest so. Dumm nur, dass das Mysterium "Bestseller" dadurch nur noch zunimmt.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass du für einen Bestseller bei Kindle unlimited angemeldet sein solltest, leichte Unterhaltungsliteratur schreibst, regelmäßig veröffentlichst und unter 5 Euro anbieten solltest. Die Zeit für eine Facebook-Seite kannst du dir offensichtlich auch sparen.

*Top 20 vom 16.8.2015

Bildnachweis: FreeImages.com / Michal Koralewski

Kommentare:

  1. Danke, Karin! Du schenkst uns unsere knappe Zeit zurück! :-)

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    1. Lieber Klaus, es scheint wirklich so, als wenn alles das, was Autoren ohnehin als Zeit und Kräfte raubend beschreiben - nämlich Werben und Agieren auf Facebook - wirklich keinen Ausschlag gibt. Wäre ich Indie, fände ich das auch sehr beruhigend :) Lg, Karin

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  2. Danke für die Recherche! Die Ergebnisse haben mich jetzt doch überrascht.

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  3. Danke für die Recherche. Damit kann man doch etwas anfangen und das Ergebnsi entspannt. Ich bin allerdings ganz gerne auf Facebook unterwegs, weil ich mich dann nicht so alleine fühle und mich auch austauschen kann. Für "schnelle Infos" schätze ich FB-Gruppen. Offensichtlich braucht man es nicht unbedingt, aber ich glaube, dass man durch die Präsenz in FB-Gruppen doch ein paar Leser und "Leiher" daz kriegen kann.

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    1. Die Betonung liegt auf "entspannt" ;)an braucht also nicht verbissen an der Reichweite der Seite verzweifeln. Und schaden tut die Aktivität sicher nicht, aber man MUSS halt nicht. Lg, Karin

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  4. OMG …! Alles umsonst …! Alles umsonst …! Aber halt …, ich wollte doch eigentlich gar keinen Bestseller schreiben! Ich wollte doch bloß nach Herzenslust erzählen …!

    Hey, dann hab ich ja doch alles richtig gemacht …! Na ja, gut, vielleicht ja noch nicht wirklich ALLES … Aber halt doch schon EINIGES …! Für den Anfang … usw, usw.

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  5. Als Nicht-Indie-Autor finde ich diesen Text sehr interessant. Den ersten Satz unter Punkt 4 - Genre - kann ich nur dick unterstreichen, er hat auch für Print-Autoren Gültigkeit. :)

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    1. Lieber Hans, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe auch weiterüberlegt, was das für Verlagsautoren bedeutet, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen. Habe munkeln hören, dass Amazon seine Abo-Bedingungen für Verlage sehr unattraktiv gestaltet habe. Leider finde ich keine geeignete Quelle. Da ich selbst ja überhaupt kein Autor, schon gar nicht Verlagsautor bin, kann ich das sozusagen auch nicht aus erster Hand überprüfen. Aber ich bleibe dran :)

      Liebe Grüße,
      Karin

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  6. Auf jeden Fall ein interessanter und nachdenkenswerter Beitrag.
    Dass mit dem Genre ist auf jeden Fall generell zu sehen. Kirnis sind in jeder Form ganz vorne mit dabei.

    Dass unter den Amazon -E-Book-Bestsellern hauptsächlich Selfpublisher sind hätte ich auch so erwartet. Dazu gab es auch schon mal eine Untersuchung und dafür gibt es wohl Gründe. Einer ist, dass E-Books mit Prints nicht konkurrieren können und wenn es von einem Buch E-Book und Print gibt, fällt das E-Book zurück. Außerdem scheinen Verlage wohl für die E-Books häufig immer noch viel mehr zu verlangen, so dass die auch preislich nicht konkurrieren können.
    Ein anderer Punkt ist der, dass hier ja nur Amazon-Verkäufe zum Tragen kommen. Man also nicht sieht, was denn die Verlags-E-Books in anderen Buchhandlungen verkaufen. Und ob das zusammenenommen vielleicht dann auch an diese Kindle-Bestseller herankommt oder gar übersteigt?
    Es gibt ja auch so Gerüchte, dass Amazon die eigenen E-Books entsprechend fördert. Was ja auch nicht verwunderlich wäre.

    Und ich glaube auch, dass gerade Facebook für Print nicht sooo viel bringt, wenn überhaupt. Zum einen wird man ja als interessierter Leser und Autor mit Neuerscheinungen geradezu zugeworfen und wenn man überall auf immer wieder die gleichen Bücher stößt, auch mal schnell genervt. Das kann also schnell auch mal nach hinten losgehen.
    Google+ reicht andererseits mit seine Reichweite nicht im Entferntesten an Facebook heran, da kann man nicht so viel erwarten.
    Interessant für die Analyse hätte ich noch Twitter gefunden. Denn dort ist häufiges Retweeten eben nicht verpönt und Twitter kann viel Leute auf die eigene Website bringen.
    Aber gut, wenn die Leute gar nicht netzwerken, dann wohl auch nicht auf Twitter.

    Was mir jetzt in der Analyse dann fehlt sind Leserunden und eben die eigene Website.
    Ich kenne Autoren, die richtig gut Bücher verkaufen - also ich rede jetzt von Print und kaum Traffic auf der Website haben, aber die sind natürlich in großen Verlagen vertreten und verkaufen im örtlichen Buchhandel, der ja nach wie vor das Hauptgeschäft macht.
    Aber können sich E-Book-Selfpublisher das leisten? Brauchen die auch keine Website bzw. keine, die viele Besucher hat?

    Was ich gerne glaube,dass regelmäßiges Schreiben die Fans bei der Stange hält, das gilt sicher auch für Prints.

    Ansonsten muss man auch klarstellen, dass diese Analyse jetzt nur für E-Book-Bestseller bei Amazon gilt. Und die sind natürlich nicht zu vergleichen mit den üblichen Bestsellern, denn schon der Online-handel macht nur ca. 15 Prozent am Buchmarkt aus und davon sind die E-Books wiederum nur ein Teil und die bei Amazon ebenfalls ein Teil. Man müsste eben auch mal schauen, was dort ein Bestseller bedeutet? Kann man davon leben? Wird man reich damit? Wer kennt einen?
    Als ich das letzte Mal geschaut hatte, war mir kaum jemand davon bekannt.

    Mit anderen Worten, das kann für Print also schon wieder ganz anders aussehen und auch da muss man sicher unterscheiden ob man Selfpublisher ist oder nicht.

    Aber wie auch immer, das Netzwerken wird für den Verkauf der eigenen Bücher wohl vielfach überbewertet. Und es ist sicherlich sinnvoll mehr Zeit ins Schreiben selbst zu stecken.

    Zum Nachdenken anregen sollte diese Untersuchung allemal.

    Viele Grüße
    Rosemarie

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    1. Liebe Rosemarie, vielen Dank für deine ausführlichen Überlegungen. Meine Übersicht bestand aus einer spontanen Idee und kann und will natürlich gar nicht alle Spektren abdecken.

      Die wichtigste Frage scheint mir, ob ein Kindle-Bestseller denn von einer Platzierung in den Top 100 leben kann. Ich weiß es aus sicherer Quelle, dass dazu nicht einmal die Top 100 notwendig sind. Regelmäßige Veröffentlichungen + Kindle unlimited reichen dafür.

      Liebe Grüße
      Karin

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  7. Liebe Karin,

    ja, das "davon leben können" ist ein wichtiger Aspekt.
    Dass dazu nicht mal ein Platz unter den Top 100 nötig ist, überrascht mir jetzt. Vielen Dank für diesen Hinweis.

    Hast du dazu noch ein paar Zahlen? Was z.B. bedeutet ein Platz 100 so in etwa in Zahlen. Klar ist das abhängig vom Preis des Buches und natürlich ist Platz 100 nicht jedes Mal die gleiche Absatzzahl, aber so eine Preisspanne muss es ja geben, damit man diese Aussage: "Da kann man von leben treffen kann." Auch das ist natürlich unterschiedlich und richtet sich danach, ob jemand bescheiden ist, wenig Miete zahlen muss, kein Auto fährt oder ob jemand davon auch noch ein Kinde / Familie ernähren soll.

    Wobei meine nächste Frage wäre, weil das bei dir nicht so klar zu trennen ist: Reicht einmal ein Platz unter meinetwegen den ersten 150 / 200 oder ist eben dieses regelmäßige Veröffentlichen der Schlüssel, egal wo man genau steht? Und muss man die ganze zeit aber wenigsten unter den ersten 200 sein oder reicht ein einmaliges in die Höhe schießen und anschließend kann man auch hinter die ersten 500 zurückfallen?
    Und was ist regelmäßig in Zahlen ausgedrückt. Wie viele Bücher / Jahr braucht es, damit man auf Dauer von leben kann?
    Auch das muss ja alles irgendwie in Zahlen vorliegen, damit man so eine Aussage treffen kann. Und nur dann kann man ja für sich wirklich was Konkretes rausziehen.
    Denn wer ein Buch / Jahr veröffentlicht, hat ja auch regelmäßig eine Veröffentlichung und ist dann enttäuscht, weil er nicht mal davon leben kann, obwohl er zwischendurch sogar mal Platz 50 erreicht hat.
    Aber wenn es eben 6 Bücher / Jahr heißt, die alle dauerhaft unter den 150 sein müssen, ist das ja eine ganz andere Leistung, die man erbringen muss und doch würden beide in deine Aussage passen.

    Vielleicht kannst du das noch mal präzisieren?

    LG
    Rosemarie

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    1. Hallo Rosemarie!

      Bei denen, die vom Schreiben leben können, ist gerade mal win Titel in die TOP 100 gerutscht, leben konnten die beiden davon schon vorher. Also mit Miete, usw. Und ich denke, ganz ordentlich ohne Hungertuch und so. Die beiden bestätigten mir auch, dass das meiste über die Kindle-Ausleihe läuft oder bei Preisaktionen. Alle zwei bis drei Monate erscheint ein neuer Titel. Hier kann man auch Poppy J. Anderson heranziehen. Von ihr erscheinen ja auch recht zügig neue Titel. Aber dauerhaft müssen die Bücher keineswegs vorne sein. Aktionen oder Deals von Amazon nutzen, wenn angeboten, wird empfohlen. Wieviele Verkäufe genau hinter einem Top 100-Platz stehen, weiß ich nicht, aber evtl kann dir da die Selfpublisher-Bibel weiterhelfen.

      Lg, Karin

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  8. Hallo Karin,

    vielen Dank für deine Antwort, die ich erst heute sehe - obwohl ich angekreutzt habe, man soll mich beanchrichtigen wenn ein neuer Kommentar kommt.

    Also, die, die vom Schreiben leben, haben gerade mal 1 (?, du hast keine Zahl genannt) win Titel unter den Top 100. Das ist ja dann schon eine Aussage.
    Man muss also nicht zwingend oben stehen, um ein gutes Auskommen zu haben, wie du danach auch noch mal betonst.

    Was mir allerdings bedeutsam erscheint: Die schreiben alle 2-3 Monate einen neuen Titel? Also 4-6 Titel / Jahr? Das ist schon sehr viel. Welcher Autor kann das leisten?
    Vor allem erst einmal die, die jemand haben, der für sie das Geld verdient. Zumindest zu Beginn. Denn dieses Pensum schafft man nicht, so lange man noch anderen Tätigkeiten nachgeht.
    Vor allem die, die keine anspruchsvollen Titel schreiben, für die es umfassende Recherchen braucht, denn innerhalb dieser Zeit muss ja nicht nur das Manuskript erstellt sondern auch noch lektoriert und korrigiert werden.
    Vor allem die, die keine dicken Bücher schreiben, aber das ist bei E-Books wohl sowieso eher selten.
    Und man muss im passenden Genre schreiben.

    Mir scheint, dass dabei insgesamt herauskommt, dass es vor allem auf Quantität ankommt - und das passt zu einer kürzlich von mir gelesenen Untersuchung, dass die Leser von E-Books viel weniger kritisch auf Qualität schauen als das viele in der Szene immer wieder monieren.
    Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Leser für ein E-Book nicht gerne viel Geld bezahlen möchten und dass sie die oftmals zwischendurch lesen, in Bus und Bahn und Wartezeiten damit überbrücken. Da ist man nicht so aufmerksam, überliest / verzeiht schneller einen Fehler, mag es sowieso eher unkompliziert und braucht keinen Text, den er nachhaltig in Erinnerung behält. Hauptsache man wurde unterhalten.

    Damit ist es dann auch sicher besser, man konzentriert sich vor allem darauf schnell wieder für Nachschub szu sorgen, denn dann wird man vielleicht beim Leser in Erinnerung bleiben und kann Nachkäufe erwaren, so lange man ihn nicht enttäuscht hat.

    VG
    Rosemarie

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    1. Hallo Rosemarie!

      Ich möchte nochmal auf die Frequenz der Neuerscheinungen eingehen. In dem Fall, den ich im Kopf habe, ist es tatsächlich so, dass die Autorin Rentnerin ist. Sie ist also nicht mehr durch einen Brotjob gebunden, das ist richtig. Allerdings gibt es auch genug andere Autorinnen, die zumindest alle 4 Monate oder jedes halbes Jahr veröffentlichen. Ich glaube, zwei Titel im Jahr sollten es schon sein.

      Was die Gegenüberstellung Qualität und Quantität angeht, muss man wohl etwas differenzieren. Was Rechtschreibung und Zeichensetzung angeht, sind solche Bücher oft tadellos (sonst würde sie nämlich auch nicht hochklettern können, Mängel werden da durchaus abgestraft). Streiten kann man über die "Themen". Natürlich kann man nicht alles halbe Jahr einen historischen Krimi mit ein paar Hundert Seiten, einer komplizierten Handlung und aufwändiger Recherche leisten. Tun die meisten Bücher vorne auch nicht. Vieles davon sind thematisch seichte Liebesromane zwischen 200 und 300 Seiten. Während das eine Buch im Lektorat ist, wird schon am nächsten geschrieben. Im gewissen Sinne ist es Fließbandarbeit. Aber das Schreiben wird als das gesehen, was es eigentlich auch ist. Arbeit, die gewissenhaft erledigt wird. Ich finde, man muss es auch können, solche Unterhaltungsliteratur am laufenden Band zu produzieren. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich diese Autoren schon ein gutes Netzwerk aufgebaut haben, das Zeit sparen lässt. Sie haben den Lektor ihres Vertrauens, sie haben einen Kreis von Testlesern und einen "festen" Coverdesigner. Es ist also nicht so, dass sie jedes Buch aufs Neue ganz allein stemmen.

      Das die Qualität abnimmt... das liegt mir immer flau im Magen, muss ich sagen. Ich erwische immer seltener Bücher, bei denen Lektorat und Korrektorat nicht stimmt. Ich lese fast ausschließlich E-Books im günstigen Preissegment - also von SPlern, weil ich die E-Book-Preise von Verlagen überzogen finde für das, dass ich nichts in der Hand halte und das Buch bei Nichtgefallen nicht einmal weitergeben kann.

      Es setzt sich auch allmählich durch. Die Selfpublisher, die an Cover, Lektorat und Korrektorat sparen, schaffen es gar nicht nach vorne. Auch dass E-Books eher unterwegs gelesen werden, trifft zum Beispiel auf mich gar nicht zu. Meine Lesezeit ist abends, wenn andere den Film um 20.15 schauen. Und Fehler verzeihe ich ganz schlecht...

      Bei aller Analyse darf man eins nicht vergessen. Es gehört auch ein wenig Glück dazu. Und vor allem ein Netzwerk, dass dein Buch erst einmal in die Sichtbarkeit trägt.

      Lg, Karin

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