Donnerstag, August 27, 2015

[Diskussion] Was sind „gute“ Bücher? - Ein Definitionsversuch

Bild: FreeImages.com / frisee max
Was ein Buch zu einem guten Buch macht, ist für jeden einzelnen anders. Dennoch gibt es Bücher, die viele gut finden. Was bei anderen schon genau deswegen auf Ablehnung stößt. Es sei Mainstream. Da muss man natürlich ganz automatisch das Dagegen-Schild hochhalten. DAS ist erst Mainstream... Aber lassen wir das. Das führt vom Thema weg und hat wiederum mit der Qualität eines Buches gar nichts zu tun, da andere Mechanismen zum Tragen kommen.

Ich wage nun einen Definitionsversuch, der sicherlich von meinen eigenen Ansichten geprägt sein wird. Ich beanspruche auch keine Allgemeingültigkeit. Jeder mag sich seine Definition zurechtlegen, aber das hier ist meine.

Viele Bestseller sind zwar erfolgreich, aber nicht unbedingt gut - je nachdem, wie man es sehen mag.
Die meisten Bestseller sind jedoch gut und erfolgreich.
Erfolgreich
ist der Roman, der sich über Wochen in den Top-Rängen der Verkauflisten hält.
Bei der Definition von gut sieht das schon weitaus schwieriger aus. Nach welchen Maßstäben ist denn ein Buch gut?

Wahrscheinlich kann man gar keine allgemeingültigen Maßstäbe definieren. Sie werden immer davon abhängig sein, ob das Lesevergnügen oder die Weiterbildung des Geistes oder eine Mischung aus beidem gewollt ist. Die Bücher mit Anspruch machen wohl aber nicht den Großteil des Buchmarktes aus. Der gemeine Leser will Unterhaltungsliteratur, die ihn nach einem langen und vielleicht auch anstrengenden Tag in fremde Welten entführt. Lesen ist Entspannung und Abschalten.
Gut ist der Roman, der mich in seiner Welt gefangen nimmt, als wäre ich ein Teil von ihr.
Für mich ist das der allerwichtigste Punkt der Definition von gut. Damit ein Roman das schafft, gibt es verschiedene Schreibtechniken, die man vielerorts nachlesen oder sich in Kursen aneignen kann.

Auf die dargestellte Welt kann ich mich nur einlassen, wenn der formale Rahmen stimmt. Ob das ein total gewöhnliches Layout oder Rechtschreibung und Zeichensetzung sind, ist völlig irrelevant.
Nichts darf mich mehr von der Story ablenken.
Der formale Rahmen muss stimmen!
Jedes Buch, unabhängig von Thema und Genre kann also ein gutes Buch sein.
Gute Bücher werden meistens auch zu erfolgreichen Büchern, wenn sie dem Leser einerseits etwas liefern, das er kennt, es aber so verpackt, dass es dem Leser ganz anders vorkommt.

Das ist die Krux an der Sache. Althergebrachte und sich bewährte Schemata vs. das Neue. Das Neue kann alles Mögliche sein. Zum Beispiel eine abgedrehte sexuelle Neigung, die aber so dargestellt wird, dass sie noch nicht abschreckend wirkt und die Neugier der Leser packt. Sex sells. Und Leichen auch. Naja, gut. Und die Liebe auch. Die verkauft sich sogar ohne Sex, wenn sie gut gemacht ist. Liebe verkauft sich eigentlich immer. Denn nichts ist so mit Wunschvorstellungen aufgeladen als Mr. Right.
Der Leser will lesen, was er kennt. Aber es braucht in jedem Buch ein neues Gewand.
Ich finde die Diskussion darum, was ein gutes Buch ist und ob es dafür auch Anspruch braucht, recht müßig. Nein. Sie ist umsonst. Man braucht auch nicht lamentieren, dass der Leser nur leichte Kost wolle und der Anspruch keine Rolle mehr spiele. Ich glaube, so manch einer überschätzt den Wert der Bücher für den Leser. Bücher sind in ihrer Mehrheit Unterhaltung, die es in sehr vielen Abstufungen gibt. Nur, weil man nach einem anstrengenden Arbeitstag keinen hochgeistigen Wälzer liest, ist man kein niveauloser Affe. Jeder darf lesen, was er will. Keiner braucht sich dafür rechtfertigen.


Kommentare:

  1. Der Text hat mir sehr gut gefallen! Vor allem an der Einhaltung des formalen Rahmens hapert es sehr oft.
    Bei der Einbindung der Liebe sollte man es nicht übertreiben. Aber ich glaube, dass ich mit meinem Geschmack gerade im Vergleich zu anderen Frauen ziemlich allein dastehe. Wenn schon auf dem Cover blütenumkränzte Herzen sind, fasse ich das Buch nicht mehr an.
    LG und weiterhin viel Erfolg mit dem Bog
    Ina

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  2. Das hat mir wirklich gut gefallen. Ein ernsthafter und meines Erachtens gelungener Versuch einer Definition.

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  3. Ein schöner Beitrag! Genau meine Meinung, jeder soll lesen, was ihm Spaß macht. Selbst mache ich da auch keinen Unterschied bei der Bewertung eines Buches. Eine Schnulze kann ich ebenso toll finden wie ein Comic oder einen Klassiker. Das kommt immer ganz darauf an. Für mich ist es vor allem wichtig, dass mich eine Geschichte fesseln und unterhalten kann, es darf dabei auch ruhig einmal etwas niveaulos sein.

    Liebe Grüße :)

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