Donnerstag, September 03, 2015

[Diskussion] Lese lieber Indies!


Ich lese fast fast nur noch Indie-Autoren. Indies, das sind Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen. Ich liebe Indies.

Ihre E-Books sind vor allen Dingen preisgünstiger, meistens über Kindle unlimited leihbar, sie sind nahbar und außerdem muss ich sie einfach für ihren Einsatz und ihr Durchhaltevermögen bewundern.

Wenn ich andere Bücherblogs besuche oder in Bücher-Gruppen stöbere, stelle ich jedoch fest, dass Indies weithin einen sehr schlechten Ruf haben. Sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Ohne Verlag seien sie gar keine richtigen Autoren. Sie sind einfach zu schlecht, um einen Vertrag bei einem Verlag zu ergattern und überhaupt würden Indie-Bücher nur so vor Unprofessionalität überquellen. Rechtschreibung, Story, Cover - sei halt alles nur zweitklassig, wenn nicht sogar drittklassig.

Andere haben noch nie einen Indie-Titel gelesen, weil er günstiger ist als die Bücher vom einschlägigen Verlag. Was nichts kostet, taugt auch nichts? Das mag vielleicht auf Klamotten und Möbel zutreffen, bei Büchern sieht das aber anders aus. Wie kommt es denn, dass Indies ihre Bücher soviel billiger anbieten können? Weil namhafte, große Verlage im Grunde nur  mehr Wegelagerer sind, die mit dem geistigen Eigentum anderer Geld verdienen! Aber sie stellen doch Lektorat und Korrektorat zur Verfügung? Das mag schon sein, dennoch deckt ein Verlag vieles andere zu Kosten des Autors ab, was wegfällt, wenn dieser Lektorat und Cover selbst in Auftrag gibt. Der Autor wird recht mager abgespeist - zumindest im Vergleich zum Indie. Als Selfpublisher sieht das aber ganz anders aus, wie es Jutta Ahrens ganz gut erklärt:
"Die Bedingungen bei Amazon sind günstiger als bei einem Verlag. Bei keinem bekomme ich wirklich 70 %. Ich kann meine Preise selbst festsetzen. Ich brauche nicht ½ oder 1 Jahr darauf zu warten, bis das Buch endlich veröffentlicht wird. In dieser Zeit habe ich als Indie schon gut verkauft und gut verdient. Meine Bücher verlieren nicht an Wert. Es gibt keine Verramschung. Ich kann täglich verfolgen, wie viele Bücher verkauft wurden und wie viel ich verdient habe. Die Zahlung erfolgt jeweils 2 Monate nach Abrechnung, d.h. im Grunde bekomme ich mein Geld monatlich. Wenn ich nach einiger Zeit feststelle, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, nachbessern muss, kann ich das jederzeit tun und das Buch neu hochladen. Alle Rechte bleiben bei mir. Bei Amazon wird jedes Buch gleich behandelt, ob Indie oder Verlagsbuch. Ich steige oder falle in den Rängen, je nach Verkauf. Das kann ich täglich nachverfolgen. Im Buchhandel wäre ich gar nicht zu sehen. Nur auserwählte Neuerscheinungen der Großverlage liegen vorn auf den Tischen aus." 

Natürlich gibt es schwarze Schafe, die meinen, dass die Überarbeitung völlig überbewertet wird und man das Cover ja mal eben mit Photoshop gestalten könne. Aber die schwarzen Schafe werden weniger. Die Szene professionalisiert sich zunehmend. Wer das Veröffentlichen nicht ernst nimmt, verschwindet in der Versenkung.

Der Indie leistet mehr als der Autor eines großen Verlags. Er übernimmt auch das Marketing selbst und das ist ein hartes Geschäft. (Über den Begriff "Indie" lässt sich im Übrigen auch streiten. Es gibt eine Reihe von Kleinverlagen, die zwar dem Autor mit Lektorat, Korrektorat und Cover zur Seite stehen, die Werbung bleibt aber am Schriftsteller selbst hängen.) Viele Autoren sind sich einig, dass es mit Werbung bei Facebook nicht getan ist. Der Erfolg solcher Maßnahmen bleibt meist mäßig. Dennoch sagen aber die meisten Autoren, dass ihnen ihre Unabhängigkeit wichtig ist. Der Meinung ist zum Beispiel auch Bernd Daschek, der sowohl Verlags- als auch Selfpublishing-Erfahrungen gemacht hat.

Unter Indie-Titeln findet man sowohl Mainstream-Produktionen als auch seltene Perlen und Themen, vor denen Verlage zurückschrecken. Man könnte daran ja nicht verdienen. Wer Indies liest, unterstützt die Vielfältigkeit am Buchmarkt und wird selbst zum Indie. Er lässt sich von Verlagen nicht vorschreiben, was er zu lesen hat.

Bildnachweis: FreeImages.com / Ramzi Hashisho

Kommentare:

  1. Ich bin Indie, lese ab und zu aber trotzdem noch große Verlagstitel. Allerdings sind das alles Buchreihen, die ich schon vor Jahren angefangen habe. *g*

    Da ich vorranging im Gay-Genre unterwegs bin, ist die Verlagsauswahl ohnehin beschränkt. Es gibt weniger als eine Handvoll im Deutschen Bereich, wo ich regelmäßig E-Books/Bücher kaufe, die meisten Autoren veröffentlichen selbst. Ich weiß nicht, wie es in anderen Sparten zutrifft, aber in der Gay-Ecke sind die Vorurteile momentan leider noch berechtigt. Es gibt viel lieblosen Murks, über den jedoch immer mehr Leute die Nase rümpfen. Zu Recht, meiner Meinung nach, und ich finde es gut, dass Leser nicht mehr alles kaufen, dass der Markt für Homosexuelle Literatur größer wird und damit auch die Auswahl. So wird sich der Markt mit der Zeit selbst regulieren, das war schon immer so. Die Zeiten, wo allein ein Autorenname zieht, sind vorbei - Leser möchten mehr und mehr gute Qualität und sie auch bereit, dafür mehr zu bezahlen als bspw. 2,99 Euro.

    Deine Rechnung oben stimmt übrigens nicht ganz, von 2,99 Euro erhalte ich etwa 1,70 Euro ausbezahlt, die Steuer muss auch noch abgezogen werden. Aber ansonsten hast du Recht, was Verlagsautoren ausbezahlt bekommen, lässt mich mitunter den Kopf schütteln. Jutta Ahrens hat es gut in Worte gefasst, denn kein Verlag kann mir so gute Konditionen bieten wie Amazon es tut.

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    1. Ah! Vielen Dank für den Hinweis mit der Steuer! Ich berichtige das! Daran hab ich gar nicht gedacht.

      Ja, es wird schon auch noch viel Gewäsch veröffentlicht, aber ich finde es wird sehr schnell besser. Wenn ich dran denke, als ich vor zwei Jahren meinen Kindle bekommen habe und heute...

      Lg, Karin

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    2. Ich sehe es selbst daran, was ich heute lese. Vor etwa 1,5 Jahren habe ich praktisch pro Woche 1 bis 2 Bücher von Indies gekauft. Mittlerweile sind es vielleicht noch 1 bis 2 im Monat, da viel Murks online steht. Ich bin mal gespannt, wie es nächstes Jahr um diese Zeit aussieht. *g*

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  2. Kein Verlag sollte Entscheiden, was lesenswert ist oder nicht. Über die Qualität entscheidet letztendlich der Leser.

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    1. Das sehe ich genauso. Gerade Titel, die kein Verlag wollte, erfreuen sich bei Lesern immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder, dass sich mehr und mehr Autoren dazu entscheiden, auch oder komplett als Indie zu veröffentlichen.

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    2. Leider kannst du als Leser von Verlagsbüchern (der sich z.B. nur über den lokalen Buchhandel versorgt) gar nicht entscheiden, was lesenswert ist oder nicht. Das hat nämlich längst der Lektor im Verlag entschieden! Was DEM gefällt (oder was er für zugkräftig hält), das wird gedruckt - und nur das kommt dir unter die Augen. Bei Amazon ist es anders, da stehen Indie-Autoren gleichrangig neben Verlagsbüchern und NUR der Leser entscheidet, was er lesen will oder nicht.

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  3. Wer immer noch glaubt, dass Indiebücher alle Schund sind, der muss sich nur mal die Mühe machen, sich die vielen Indiebücher anzuschauen, die, sagen wir mal, in den ersten 500 oder auch 1000 bei Amazon sind. Weshalb sind die da oben? Weil sie so schlecht sind? Nein. Weshalb sind sie nicht in einem Verlag? Weil sie in den oberen Rängen viel mehr verdienen und nicht, weil kein Verlag sie nehmen würde. Und wenn ein Verlag sie nicht nimmt, ist er ganz schön dumm. Natürlich gibt es unter den Millionen von Indiebüchern viel Ausschuss. Die Qualität schwimmt oben. Besonders, seit KU mit der Auszahlung nach Seitenzahlen begonnen hat, wird das immer sichtbarer werden. Amazons Strategie ist es, möglichst viele Leser an KU zu binden. Was braucht KU dazu? Gute Bücher. Gut im Sinne, dass sie gern gelesen werden. Woran erkennt man das? An den Seitenzahlen. Es ist also ein Selektionsverfahren im Gange, damit die KU-Leser zunehmend an die Bücher herankommen, die sie auch wollen. Dennoch wird sich das Image der Indiebücher nur langsam verbessern. Vorurteile haben nun einmal die Eigenschaft, sich hartnäckig zu halten.

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    1. Das sehe ich genauso. Die vielen Erfolgsgeschichten im SPler-Bereich, wo es immer mehr Vollzeitautoren gibt, die Verkaufszahlen haben, von denen so mancher Verlag nur träumen kann, sind für mich persönlich Beweis genug. Niemand braucht heute mehr einen Verlag, um sich einen Namen zu machen. Das kann man gut allein schaffen, sofern man bereit ist, dafür ordentlich ranzuklotzen.

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