Donnerstag, September 24, 2015

[Diskussion] Marketing-Strategien für Autoren - Die Bedeutung von Amazon

Bild: FreeImages.com / Clarice Nisenbaum
Was hat Amazon da nur wieder ausgeheckt. Flatrate-Lesen! Bäh! Das unterstützt doch nur die Geiz-ist-geil-Mentalität der Leser! Und Amazons Konditionen! Völlig ausliefern muss man sich dem Riesen und darf keine anderen Shops beliefern! Und was sollen meine Freunde denn denken, die zwar ohnehin keine E-Books lesen, aber Amazon nicht leiden können? Die Bezahlung nach Seiten ist ja obendrein sowieso ein Witz! Da bekäme man ja nur Geld, wenn man auch gelesen wird. Wer will denn sowas?

Ich könnte ewig so weiter machen. Den Amazon-Gegnern gehen die vermeintlichen Argumente nicht aus. Einer genaueren Prüfung halten die wenigsten stand. Sie verweisen nur darauf, dass der Autor zwar seine Bücher verkaufen wolle, aber "nicht zu jedem Preis", wie es dann gerne erklärt wird. Im Endeffekt heißt das, dass die Titel dann so rumdümpeln und sich der Autor sich einredet, dass der Markt noch nicht reif sei oder er ja nur für sich selber schreibe. Die Verkäufe seien ja unwichtig. Warum sich gerade jene dann sehr aktiv an Marketing-Diskussionen beteiligen, ist mir ein Rätsel. Man will ja nicht deren inneren und unterbewusstesten Wünsche in Frage stellen.

Ich mache nirgends ein Geheimnis draus, ich bin ein großer Fan der Lese-Flat von Amazon und Amazon selbst. Es stehen so viele Bücher bereit, da reichen drei Leben nicht, um die alle zu lesen. Jüngst wurde mir vorgeworfen, mir würden viele gute Bücher entgehen, wenn ich nur auf die Leihbücherei zugreife. Aber bin ich als Leser in der Bringschuld? Ist es meine Verpflichtung, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verlagstiteln, Selfpublishern ohne Kindle unlimited und Selfpublishern mit Kindle unlimited zu achten? Nein!

Vielmehr sollte der Autor bedenken, wie viele potenzielle Leser ihm entgehen, wenn er sich eben nicht an den Riesen dranhängt. Der Riese, der offensichtlich Ahnung von Marketing hat. Von nix kommt nix! Amazon, das nach eigener Angabe das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt werden möchte, ist auf dem besten Weg dort hin. Es liefert dem Autor eine Menge, wirklich eine große Menge potenzielle Leser. Und noch mehr, wenn er sich exklusiv an Amazon bindet.

Amazon bietet meines Wissens nach auch die besten Konditionen für Selfpublisher und macht sie gegenüber Verlagstitel auch konkurrenzfähig. Amazon pusht natürlich sein eigenes Programm und will den Verlagen ja doch mit der ein oder anderen Änderung ans Bein pinkeln. Wenn Amazon sein Programm pusht, dann heißt das, dass es die Autoren pusht, die exklusiv bei Amazon veröffentlichen! Die ausschlaggebende Bestsellerliste ist schon längst nicht mehr die des Spiegels. Amazon hält dagegen. 20 Titel der TOP 100 sind NICHT bei Kindle unlimited. Ein Fünftel. Umgekehrt sind vier Fünftel der Titel eben in der Leihbibliothek gelistet. 80 Prozent. Kindle unlimited steigert die Sichtbarkeit enorm.

Durch die Bezahlung nach gelesenen Seiten sorgt Amazon zudem selbstregulierend für Qualität. Nach vorne kommt, wer gelesen wird. Es verdient, wer gelesen wird. Wer nicht gelesen wird, dümpelt irgendwo dahin oder nimmt seinen Titel aus dem Programm. Bei Kindle unlimited veröffentlichen nur unfähige Stümper? Das gehört der Vergangenheit an.

Natürlich kann man nun entgegenhalten, dass es eben nicht nur Indies mit dem Leihprogramm nach vorne schaffen. Es ginge auch ohne. Ja, geht schon. Das bestreitet ja auch niemand. Aber ist halt anstrengender und dauert länger.

Als Leser kann ich meinen Lesestoff beziehen, wo immer ich will. Gute Bücher entgehen mir in jedem Fall, weil ich ja gar nicht alles lesen kann, was täglich auf den Markt geworfen wird. Aber den Autoren, die sich nicht an Amazon binden, entgehe ich garantiert als potenzieller LeserAmazon bietet viele potenzielle Leser. Den Titel ohne Flatrate-Logo beachte ich gar nicht. Habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Nein! Ich bin der Kunde. MICH muss der Autor zum Lesen bewegen und nicht ICH den Autor zum Schreiben! Ich gebe mein Geld für Unterhaltung aus. Gerade zum Autorendasein wird niemand gezwungen. Mir als Leser ist es demnach völlig egal, ob sich der Aufwand für den Autor lohnt. Da muss man die rosarote Brille doch mal absetzen. Da wird wohl manchmal verwechselt, wie das mit Angebot und Nachfrage läuft. Romane sind ein Geschäft und zwar ein hart umkämpftes! Ehrliche Autoren geben auch zu, dass sie ohne das Leihprogramm von Amazon deutlich weniger verdienen, obwohl sie ihre Titel dann auch in anderen Shops anbieten können.

Viele Autoren vernachlässigen meines Erachtens die unternehmerische Seite des Selfpublishings. Es ist selten ein Unternehmer durch hohe Ideale und Moralvorstellungen reich geworden. Das muss doch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Auch wenn es in den Büchern meist anders aussieht, in der Realität braucht man seine Ellenbogen sehr wohl, wenn man es zu etwas bringen will.

Wenn das Ziel des Autors ist, gelesen zu werden und zwar von vielen (und damit auch verdienen will), dann wird er um Amazon nicht herumkommen. Dann müssen einem die "Freunde" (Sind das überhaupt Freunde, wenn sie den Erfolg missgönnen?), die den eigenen Roman am liebsten noch geschenkt haben wollen, einfach egal sein.

1 Kommentar:

  1. Dein Zitat: "Wenn das Ziel des Autors ist, gelesen zu werden und zwar von vielen (und damit auch verdienen will), dann wird er um Amazon nicht herumkommen."

    Ich nehme mal bewusst diesen Satz aus dem Kontext, denn er sagt im Grunde alles, den Rest des Beitrags könnte man sich glatt sparen. *grins* Ja, Amazon ist wichtig für Autoren, ich wäre bescheuert, würde ich das verneinen. Allerdings ist eine Flatrate deshalb nicht gleich ein Muss, denn "gut verdienen", um mal das Argument zu bemühen, kann ein Autor auch ohne. Qualitativ gute Geschichten, regelmäßige neue Veröffentlichungen, ein freundlicher Kontakt zur Leserschaft - all das sind Faktoren, die in meinen Augen heutzutage sehr wichtig sind, aber immer wieder außer Acht gelassen werden.

    Niemand muss sich exklusiv binden, um als Autor erfolgreich zu sein.

    Wie jeder dieses "erfolgreich" für sich definiert, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber darum geht es in deinem Post ja auch nicht, daher lasse ich das mal so stehen, ohne weiter abzuschweifen. ;-)

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