Freitag, September 18, 2015

[Rezension] Unterhaltsame Gesellschaftskritik - Wanderer zwischen den Welten (Udo Kübler)

Ich muss sagen, "Wanderer zwischen den Welten", der letzte Teil der Anselmo-Trilogie von Udo Kübler hat mir mit Abstand am besten gefallen, so dass ich meine Bewertungen zu den anderen Bänden eigentlich abändern müsste. Denn so unterhaltsam auch die voran gegangenen Bände sind, der "Wanderer zwischen den Welten" hat das, was den anderen doch fehlt: eine Handlung.

Man weiß inzwischen, dass Udo Kübler um des Erzählen willens erzählt und die Handlung wirklich zweitrangig ist. Vielleicht sogar drittrangig. Aber als Leser ist man es ja doch gewohnt, dass man sich dieses oder jenes Detail merkt, weil man schon über einen Instinkt verfügt, dass dieses oder jenes Detail sicher noch relevant für die Handlung werden wird. Bei den unterhaltsamen Erzählungen der Anselmo-Trilogie ist das aber nicht immer so einfach. Im vierten Band ist man letztendlich auch damit durch, dass sich die Figuren immer wieder um für die Handlung wichtige Fragen drehen, diese aber letztlich eigentlich unbeantwortet bleiben. Man will doch irgendwann wissen, was Sache ist! Bei aller Unterhaltung...

Da kommt es sehr gelegen, dass "Wanderer zwischen den Welten" herrlich tiefgründig und gesellschaftskritisch ist. Udo Kübler karikiert die Oberflächlichkeit der Gesellschaft, beleuchtet, wie unsinnig der Erfolg mancher Stars und Sternchen ist, denn was diese wirklich leisten, ist ja in vielen Fällen völlig unbekannt. Er führt sozusagen in die Welt des Small Talk ein und all seine Kritik gipfelt darin, dass er eine künstliche Intelligenz - naja, eine man könnte auch Sexpuppe sagen - als die Werbeikone schlechthin für Natürlichkeit sein lässt. Dadurch erklärt sich übrigens auch der nette Frauenhintern auf dem Cover.

Im Übrigen fand ich die Annäherung zwischen GINGER, der lernfähigen Sexpuppe und Jonathan überaus unterhaltsam. Schneller, als dieser es fassen kann, findet er sich quasi in einer Beziehung wieder.

Darüberhinaus werden doch die ein oder anderen Zusammenhänge aufgedeckt, von denen niemand vermutet hätte, dass es sie wirklich gibt. Im obligatorischen Autor-Protagonisten-Gespräch im Thelma's gibt Udo Kübler zudem interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte seines Romanhelden.

Insgesamt ist "Wanderer zwischen den Welten" wirklich ein krönender Abschluss der Reihe. Er liefert doch auch noch das, was ein Leser eigentlich erwartet.

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