Donnerstag, Oktober 15, 2015

[Diskussion] Unlektorierte Teaser als Werbemittel

Bild: FreeImages.com / Luca Cinacchio
Werbung ist alles. Wer nicht wirbt, stirbt.
Was ist gute, was ist schlechte Werbung? Damit kann man eine endlose Diskussion starten. Mir soll es heute aber nur um eine bestimmte Werbeform von Autoren gehen. Teaser. Also so kleine Vorschau-Schnipsel, die wohl wie ein Kino-Trailer wirken sollen.

Textauszüge, eine kleine Vorschau, ein kleines Hineinschmökern scheinen ja doch recht beliebt zu sein. Sie verfolgen auch das Ziel, Lust auf mehr zu machen, sich das Buch vorzumerken, es in Erinnerung zu behalten. So weit so gut. Diese Teaser werden also als kleines Schmankerl an die Leser verkauft, sozusagen als Treuebonus für das Folgen der Autorenseite. Auch das ist meines Erachtens keine schlechte Strategie. Der Leser fühlt sich exklusiv und geschmeichelt. Damit wird er schon gebunden.

Allerdings haben diese Schmankerl für mich neuerdings einen hinterhältigen Nachgeschmack. Als ganz besonders wird nämlich angepriesen, dass die Teaser unlektoriert und unkorrigiert seien. Das bedeutet sehr grob ausgedrückt, dass man eventuell das zu lesen bekommt, was der Autor mit halb zugefallenen Augen um drei Uhr morgens gerade noch so in den PC geklopft hat. Man weiß nicht, ob die Szene jemals Eingang in den endgültigen Roman finden wird oder nicht doch dem Rotstift zum Opfer fallen wird. Und für Tippfehler soll noch Beifall geklatscht werden?

Unlektorierte und unkorrigierte Textschnipsel sind Baustellen, auf denen man aufpassen muss, dass einem nichts auf den Kopf fällt. Tatsächlich gibt es auch sehr viele Autoren, die ihre eigenen Fähigkeiten hinsichtlich Spannungsbogen, Rechtschreibung und Zeichensetzung überhaupt nicht einschätzen können. Anders als die Outtakes bei Filmen kann man bei Texten kaum über Fehler und Missgeschicke lachen - Outtakes sieht man auch immer nach dem richtigen und fertigen Produkt, nicht vorher.

Für mich schwingt bei der Anpreisung des Rohmaterials immer mit, dass es besser sei als die spätere, endgültige Fassung. Abgesehen davon, dass die Überarbeitung dadurch als unwichtig dargestellt wird, kann sich der Autor auch ganz schön ins Fettnäpfchen setzen. Ich bin süchtig nach dem guten Stoff, der direkt reinhaut. Nicht nach dem gestreckten Zeug, das einen immer irgendwie unbefriedigt zurücklässt.

Also wenn, dann bitte richtig!

Kommentare:

  1. Sehr gut formuliert, ich finde auch, dass man da vorsichtig sein sollte. ;) Daumen hoch ...

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  2. Ich dachte Immer Teaser sind das, was man erstellt, wenn man mit seinem Roman fertig ist und sie dann in langer sorgfältiger Arbeit zusammenbaut. ... Nachts um drei? Schnell noch zusammenkloppen? Auf welchen Seiten bist du denn darüber gestolpert? Wenn dem aber so ist, bin ich mit dir einer Meinung.

    Sylvia

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    1. Liebe Sylvia, so sollten Teaser im Idealfall aussehen. Tun sie aber nicht. Vielleicht ist es Pech, aber ich bin in letzzer Zeit zu oft über zusammengeschustertes Zeug gestolpert...

      Lg, Karin

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  3. Hallo liebe Karin,

    wieder einmal ein sehr schöner Artikel, zu dem ich meinen Senf abgeben muss.

    In einigen (vielen?) Fällen magst Du sicherlich recht haben. Es gibt auch haufenweise Bücher da draußen, die auch in der Endfassung noch von Schreibfehlern strotzen und kaum lesbare Formulierungen haben. Da können die Teaser natürlich nicht besser sein.
    Andererseits ist es bei Verlagsautoren häufig so, dass sie vom Verlag angehalten sind, "unlektoriert und unkorrigiert" über diese Textausschnitte zu setzen, wenn das Buch noch nicht alle Instanzen der Korrektur durchlaufen hat (Lektorat, Korrektorat, Testleser). Das passiert ja häufig in mehreren Schritten und zieht sich über Wochen hin. Die Druckfahne bekomme ich z.B. erst kurz vor Veröffentlichung. Bis dahin muss ich "unlektoriert und unkorrigiert" darüber setzen, wenn ich Ausschnitte posten will.
    Das heißt nicht unbedingt, dass gerade diese Szene nachher rausfliegt oder so sehr verändert wird, dass sie nicht mehr zu erkennen ist. Es ist im Grunde nur ein Hinweis darauf, falls sich noch Schreib- oder Formfehler finden (wie z.B. ein unnötiges Füllwort), sie in der endgültigen Fassung korrigiert sind. Ich würde also nicht bei allen davon ausgehen, dass man hier Mist vorgesetzt bekommt, sondern immer differenzieren. Ich persönlich wähle immer sehr sorgfältig Sätze oder winzige Szenen aus, von denen ich hundertprozentig weiß, dass sich an ihnen nichts ändern wird. Meist poste ich auch tatsächlich erst nach Lektorat des Verlages. Da weiß ich dann ja, was korrigiert und verändert wurde, sodass der Zusatz im Grunde nur noch Formsache aber leider dennoch wichtig ist.

    Außerdem sollte jeder Schreiberling (ob nun Autor, Blogger oder Privatperson) seinen Post auf Rechtschreibfehler überprüfen und gerade als Teaser nur das raussuchen, was wirklich gut klingt und als "Aufreißer" taugt. Das mal so als Anmerkung ;)

    Ich hoffe übrigens, dass meine Leser nach einem Textschnipsel aus meiner kommenden Veröffentlichung unbefriedigt sind! Sonst würden sie ja das Buch nachher nicht kaufen wollen.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Liebe Sandra, vielen Dank für deine Erläuterungen. Auf das bin ich ehrlich gesagt gar nicht gekommen, dass ein Verlag für diese "Auszeichnung" verantwortlich ist.

      Gedacht habe ich in erster Linie wirklich an die Indies, die da einfach nach Gutdünken raushauen.

      Lg, Karin

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  4. Was soll denn so ein Teaser überhaupt bringen, wenn das Buch noch gar nicht auf dem Markt ist? Glaubt tatsächlich irgendwer, dass irgendjemand sich von einem Teaser so beeindrucken lässt, dass er wochen- oder gar monatelang auf gerade dieses Buch wartet? Schwer vorstellbar. Meine Antwort auf so etwas wäre: "Nicht gackern - Eier legen!" - Wenn das Ei dann gelegt und das Buch veröffentlicht ist, dann kann man meinetwegen auch einen - dann lektorierten und korrigierten! - Schnipsel aus dem Buch als Teaser verwurschten ...

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