Freitag, Oktober 09, 2015

[Rezension] Story leidet unter dem Schreibstil - Centro: In der Tiefe (Katharina Groth)

Die Buchbeschreibung hat mir in meinem aktuellen Faible für Dystopien sehr zugesagt.

Das Überleben auf der Erdoberfläche ist nicht mehr möglich. Kay lebt mit ihrer kleinen Schwester Marcie im Centro unter der Erde und beugt sich den strengen Regeln der unterirdischen Gesellschaft. Eines Tages kommt es zu einem Aufstand und die beiden Schwestern flüchten durch ein Tunnelsystem tiefer in den Berg hinein, wo sie auf eine andere, ebenfalls unterdrückende Herrschaft treffen. Sie werden getrennt. Kay muss auf ihre eigene Weise ums Überleben kämpfen...

In anderen Rezensionen werden Parallelen zu Bestseller-Dystopien wie Die Tribute von Panem oder Maze-Runner beanstandet. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn das Handlungsschema in einer Dystopie ist meist gleich: Jugendliche begehren gegen ein Regime auf und bringen es zum Einsturz. Oder entziehen sich ihm anderweitig mithilfe ihres Verstandes. Die Botschaft lautet eigentlich immer "Hinterfrage die Informationen, die du erhältst und wenn du Unrecht erkennst, kämpfe dagegen an!" Diese Geschichten leben von der Darstellung der Systeme und der Machtsicherungsstrategien des Regimes. Strategien, wie die Bevölkerung klein gehalten werden soll.

In Centro kommt mir die dargestellte Welt zu kurz. Mir fehlen die kleinen Details und psychologischen Tricks, um die Menschen unter der Fuchtel zu halten. Warum die beiden Mädchen flüchten, ist mir auch nicht so ganz klar geworden. Denn die Schilderung der Lebensweise rechtfertigt ein striktes Regelsystem durchaus. Der Drangsalierung durch die Herrscher fehlt es an Ungerechtigkeit, um sich dagegen aufbegehren zu wollen.

In der zweiten Gesellschaft, tiefer im Berg, sieht es ebenso aus. Auch hier hält sich die Ungerechtigkeit in Grenzen. Es passiert nichts, was man nicht schon aus dem Geschichtsunterricht kennt. Um nicht zuviel vorweg zu nehmen, möchte ich nur den Hinweis "Brot und Spiele" aus der Antike geben.

Wobei die dargestellte Welt nicht das Problem des Romans ist. Wenn man auch hier und da etwas meckern kann, insgesamt kann man sagen, dass der Plot schon passt. Allerdings passt ganz und gar nicht, wie die Story an den Leser gebracht wird. Denn der Text hat zwar eindeutig ein sehr gutes Korrektorat genossen (man findet wirklich keinen einzigen Tippfehler), aber am Lektorat wurde dann gespart. Stilistisch ähnelt Centro teilweise einem Erlebnisaufsatz, der sich zwar um recht abwechslungsreiche Formulierungen bemüht, aber dadurch immens aufgesetzt wirkt. Es sind viele unnötige Doppelungen enthalten. Am einprägsamsten war so etwas wie "Sie schmeckte den Geschmack." Anderes wird unnötigerweise in den Konjunktiv gesetzt. Dieses und jenes schien immer irgendwie zu sein, wobei es völlig egal ist, ob es so ist oder nicht. Die Konjunktive fallen in ihrer Masse aber auf und stören.

Dann wurden auch die ein oder anderen Logikfehler nicht ausgemerzt. So heißt es zum Beispiel, dass irgendwer "wie ein Rind zur Schlachtbank" geführt wird. Da der Text aus der Ich-Perspektive erzählt wird, wird diese Redewendung der Protagonistin zugeordnet. Die Redewendung passt nicht in ihre Lebenswelt mit synthetisch und genetisch veränderten Lebensmitteln. An anderer Stelle sieht sie an der Oberfläche noch intakte Plakate. Während alles andere von der Sonne zerstört worden ist? Häuser eingefallen sind, eine Ödlandschaft vorherrscht, hängen da Plakate? Wie frisch gedruckt?

Unnötige Formulierungen und offensichtliche Logikfehler schmälern das Lesevergnügen ungemein. Der Text zieht sich und ich bin immer wieder beim Lesen eingeschlafen oder habe den Kindle weggelegt - bis ich dann bei etwa dreiviertel des Buches aufgehört habe zu lesen. Ich konnte mich einfach nicht weiter durchquälen. Schade um die Story!

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1 Kommentar:

  1. Manchmal tust du mir richtig leid, Karin. Warum hast du nur nichts Richtiges gelernt, damit du dich nicht mit solchen Dingen quälen musst ... ;-)

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