Freitag, Oktober 02, 2015

[Rezension] Wenn der Film besser ist als das Buch - Die Bestimmung I-III (Veronica Roth)

Es passiert mir sehr selten, dass ich erst den Film sehe und dann das Buch lese. Meist bemühe ich mich darum, zuerst zu lesen und dann zu schauen.
Die Bestimmung hat mir wieder bewiesen, warum das auch die bessere Reihenfolge ist. Bei den ersten beiden Bänden, die eben auch schon verfilmt wurden, konnte ich mich gar nicht richtig auf den Text konzentrieren, denn das Kopfkino wurde durch die Filmvorlage ersetzt.

Dabei muss man betonen, dass es sich beim ersten Teil um eine wirklich gute Verfilmung handelt, die sich an die Romanvorlage hält. Es sind nur minimale Veränderungen enthalten, durch die die Geschichte jedoch gewinnt.

Das ist vor allem das Problem des zweiten Bandes. Hier weicht der Film sehr deutlich von der Vorlage ab, was bei mir normalerweise eine Naserümpfen zur Folge hat. In den allermeisten Fällen kann ich es nicht verstehen, warum die Filmemacher die Geschichte abändern, wenn sich doch die Leser darauf verlassen, ihr Kopfkino zu sehen. Ich kann nicht sagen, ob es an der Reihenfolge der Rezeption liegt, aber der Film ist eindeutig besser als das Buch. Die Dramatik der Geschichte ist runder, besser auf die Protagonistin zugeschnitten und passt sich eher an die ursprünglich entworfene erzählte Welt an. Der Verlauf des Filmes ist einfach viel stimmiger als der Roman.

Den dritten Band konnte ich ohne Kopfkino lesen, hier kommt die Verfilmung erst (leider wieder einmal in zwei Teile gesplittet). Und erst im dritten Band fiel mir auf, dass ich dem Schreibstil nur wenig abgewinnen kann. Die Sätze sind schon extrem kurz und nüchtern, das Präsens als Erzählzeit stört ebenfalls - wohl weil es dem gängigen Imperfekt zugegen läuft. Obwohl allerhand passiert, fesseln mich die Charaktere nicht. Ich leide nicht mit ihnen - was den Verfilmungen der ersten beiden Teilen durchaus gelang.

Generell begeistert mich das Thema. Ich habe schon ein Faible für Dystopien. Wer sich für Die Tribute von Panem begeistern konnte, liegt auch bei Die Bestimmung sicher nicht falsch, auch wenn es der "übliche" Aufbau des Plots ist. Wir haben ein die Menschen unterdrückendes politisches System, das unter der Führung einer Horde Jugendlicher zu Fall gebracht wird. Zwischendurch etabliert sich ein neues System, das keineswegs besser ist und auch dieses wird beseitigt. Am Ende hat man sich ausführlich mit der Frage von Selbst- und Fremdbestimmung sowie praktikablen Staatsformen und auch anderen ethischen Fragen auseinandergesetzt. Eine kleine Liebelei gibt es auch. Das soll kein Vorwurf sein. Dystopien sind einfach oft so. Ich finde es immer spannend, welche Systeme entworfen werden und bewundere den Ideenreichtum der Autoren.

Die Bestimmung ist also durchaus lesenswert. Man sollte aber die Filme wirklich erst danach schauen und nicht meinen Fehler wiederholen. Es hat das Lesevergnügen eindeutig geschmälert. Ich habe aber einmal mehr bewiesen bekommen, dass es sehr viele Indies gibt, die es locker mit Verlagstiteln aufnehmen können. Seinen Preis war Die Bestimmung im Vergleich zu Indie-Titeln als E-Book nicht wert. Was schon bei der eigenwilligen Formatierung der Kapitelanfänge auffällt...

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen