Donnerstag, November 26, 2015

[Diskussion] Autoren-Knigge


Diskussionen im Internet sind bekanntermaßen in dem allermeisten Fällen unmöglich. Es dauert nicht lange und irgendwer hängt sich an einer Nebensächlichkeit auf, die zu einer Grundsatzdiskussion führt. Das eigentliche Thema ist schnell vergessen und man beleidigt sich gegenseitig - mal subtiler, mal weniger subtil.

Autoren bilden dabei leider keine Ausnahme, obwohl sie allein durch ihre Schreibtätigkeit eigentlich ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen aufweisen sowie über eine gewisse Sprachgewandtheit verfügen. Dennoch werden Kommentare abgeschickt, bei denen sich niemand überlegt zu haben scheint, wie sie beim Gegenüber ankommen könnten.

Diskussionen leben von unterschiedlichen Meinungen. Es gehört dazu, sich aneinander zu reiben. Es gehört aber auch dazu, eigene Sichtweisen zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Die Diskussionsteilnehmer lassen sich aber gerade auf diesen wichtigen Punkt nur dann ein, wenn auch der Ton stimmt. Anfeindungen und Unterstellungen verschließen für gewöhnlich den gewinnbringenden Austausch.

Autoren braucht man aber sicher nicht erklären, wie man Texte überarbeitet, um sie in eine adäquate Form zu bringen. (Was im Netz überaus wichtig ist, da Kommunikation ohne nonverbale Zeichen wie Mimik und Gestik geschieht!) Warum aber sollte gerade ein Autor seine Wildsau zurück in den Wald schicken, wenn es heiß her geht?

  1. Viele Facebook-Gruppen sind öffentlich. Das heißt, dass auch Nicht-Mitglieder der Gruppe alle Beiträge und Kommentare lesen können. Facebook-Gruppen sind keineswegs geschützte Räume, in denen man die Sau raus lassen kann. Das kann dem Autor durchaus zum Verhängnis werden. Er kann potenzielle Leser verschrecken oder auch potenzielle Verlage.
  2. Eine Person des öffentlichen Lebens muss sich die Beurteilung seines Verhaltens gefallen lassen und aushalten können. Auch wenn ein Indie nicht die Spalten der Klatschpresse füllt oder eine Million Facebook-Anhänger hat, ist er dennoch eine Person des öffentlichen Lebens. Es macht unsympathisch, wenn man beleidigt mit dem Fuß aufstampft und trotzig herumschreit. Da braucht man sich dann nicht wundern, wenn man in Lesergruppen durch den Kakao gezogen wird.
Natürlich gibt es auch jene, die die Rolle des Berufstänkerers spielen und auch jene, die anderweitigen Frust durch gezielte Spitzen im vermeintlich anonymen Internet kompensieren. Diese sind sich in der Regel aber ihrer Rolle durchaus bewusst, setzen ihre Rolle sogar gezielt als Werbestrategie ein.

Wessen Genre aber nicht zu einem solchen Image passt, tut an etwas mehr Besonnenheit beim öffentlichen Auftritt sicher gut.

Bildnachweis: FreeImages.com / tina cipot

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