Donnerstag, November 05, 2015

[Diskussion] Wie wichtig das Cover wirklich ist


Ich bewerte in meinen Rezensionen keine Cover. Ich kann dafür verschiedene Gründe anführen. Abgesehen davon dass ich keine Ahnung von Design habe, finde ich es recht überflüssig, etwas zu beschreiben, was jeder selbst auf den ersten Blick begutachten kann.

Das Cover lasse ich auch außen vor, weil es über den Inhalt nichts aussagt. Das Cover kann toll, der Roman schlecht, das Cover kann mies und der Roman überragend sein. Ich habe oft genug betont, dass das Cover für mich keine Rolle spielt.

Ich bin eine Lügnerin. Ich muss mich den Tatsachen stellen. Das Cover spielt sehr wohl eine Rolle. Ich habe mich selbst beobachtet. Das Cover beeinflusst meine Kaufentscheidung so lange nicht, so lange es unter anderen Covern unauffällig ist. So lange es sich in seinem Design nicht von üblichen Kompositionen abhebt. Kurz: So lange es professionell ist.

Der Indie hat mit Korrektorat und Lektorat schon genug voraus zu leisten. Muss es dann ein professionelles Cover auch noch sein? Auch hier sind die Preise nach oben hin offen. Es gibt fertige Cover zu kaufen, bei denen nur noch Autor und Titel eingefügt werden müssen. Die sind relativ günstig. Dann gibt es Coverdesigner, die ein Cover entwerfen, das ganz genau zum Buch passt. Die sind entsprechend teurer. Dazwischen gibt es eine Menge Abstufungen.

Wenn ich mich bei Amazon so durchklicke, akzeptiere ich persönlich schon relativ günstige Cover, so genannte Premade Cover. Weil sie häufig einfach genretypisch gestaltet sind und in die Norm passen. Was ich nicht akzeptiere, sind selbst zusammen geschusterte Cover - wirklich geschustert. Man merkt es ihnen an, wenn Titel und Autor in unmöglichen Schriftfarben und -arten einfach auf ein Bild geklatscht sind, es keine sanften Übergänge gibt und/oder eigene Bilder einfach irgendwie zusammengestellt werden. Wenn das Cover aussieht wie das Intro eines 80iger-Jahre-Actionfilms. Oder wie WordArt im Power Point. Weiterklicken lassen mich auch Bücher mit gezeichneten Covern, die mich an den Kunstunterricht in der Schule erinnern. Sie sind meistens zu blass, als hätte man nur mit Holzmalstiften gearbeitet.

Ich entscheide schnell. Egal, ob ich auf Amazon oder bei Facebook mit einem Cover konfrontiert werde, es sind nur Sekundenbruchteile, die mich zum Klappentext weiterklicken lassen oder nicht. Ich gehöre nicht zu der Kategorie Leser, die sich bei einem offensichtlich selbst gestalteten Cover die Mühe machen, es einer ausgiebigen Musterung zu unterziehen. Die Arbeit des Autors schätzen. Es ist nicht mein Ziel. Ich bin auf der Suche nach Lesefutter. Ein selbst gemachtes Cover erweckt indirekt immer den Eindruck, dass auch beim Rest gespart worden ist. Dieses Risiko gehe ich nicht ein. Auch vom Indie erwarte ich rundherum Professionalität. Auch beim Cover.

Kommentare:

  1. Liebe Karin,

    solche Cover sind mir bislang noch gar nicht vors Auge gesprungen oder ich habe sie übersehen :-). Ich selbst lasse Cover bei Rezensionen sogar komplett weg, da sie mir selbst auch nicht wichtig sind, allerdings habe ich noch keine wirklich schlechten, selbst zusammengebastelten gesehen. Ich stimme Dir aber insofern zu, dass man sich schon Mühe geben sollte. Vermutlich wäre mir ein Cover auch nicht mehr egal, wenn es völlig lieblos hingeklatscht wäre, aber damit wurde ich in meiner "Leserkarriere" bislang noch nicht konfrontiert :-). Ich bin gespannt, ob es mich stört, wenn ich einmal auf ein solches stoße, ich habe ja eher einen blinden Fleck bei Covern und filtere direkt den Titel heraus :D.

    Liebe Grüße

    Claudia

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  2. Liebe Karin,

    ich würde gerne behaupten, dass mir das Cover nicht wichtig ist, aber dann würde ich auch lügen. Tatsächlich schaue ich mir nur Bücher an, deren Cover mich anspricht. Ausgenommen sind natürlich Empfehlungen und Anfragen. Aber in erster Linie ist das Cover entscheidend dafür, ob ich den Klappentext überhaupt lese.

    Liebe Grüße
    Nadine

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  3. Es gibt wenige wirklich gute Cover. Gut - unter Design/Marketingaspekten. Mein Lieblingsbuch "Die Wand" hat in meinen Augen auch kein wirklich gutes Cover. Aber es ist individuell.
    Viele Indie-Bücher sind nicht individuell, sondern tragen die unsäglich simplen Fotos: SIE - vermeintlich sinnlich erregt. ER - cooler Eroberer. Und diese Titel schwimmen alle im Einheitsbrei. Würde man den Text tauschen, keinem Schwein würde es auffallen.
    Meistens passt der Text allerdings dazu: simpel. Ebenfalls verwechselbar.
    Erstaunlich ist, dass viele dieser Bücher sich verkaufen wie geschnitten Brot …

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  4. Cover ist vor allem wichtig bei Impulskäufen. Es ist ja ein Werbeträger. Es kann Aufmerksamkeit fordern für (noch) unbekannte Autoren -- die leider nie vorne in der Buchhandlung ausliegen. Das Bild muss natürlich zum Inhalt passen. Bei dessen Beurteilung spielt es dann keine Rolle mehr. Harry Potter Band drei hätte überheupt kein Titelbild mehr gebraucht.

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  5. Hallo Karin :)
    die Cover mit in die Bewertung einfliesen lassen verstehe ich auch nicht. Auch bei Rezensionen gehört eine Coverbeschreibung für mich nicht dazu, das sieht ja jeder wie du schon sagst.
    Das Cover versuche ich meist nicht so sehr zu beachten, mache es aber dann doch. Grade wenn es irgendwie unprofessionel wirkt schreckt mich das eher ab ein Buch genauer anzuschauen. Meist ist es dann irgendeine unleserliche giftgrüne Schrift die lieblos über irgendein Bild geklatscht wurde. Manchmal sehen Cover auch aus als hätte man einfach Word geöffnet und ein bisschen wirld durch die Gegend geklickt. Das macht einen sehr schlechten Eindruck.
    Was ich aber noch nerviger finde ist wenn das Cover ständig geändert wird! Bei einer komplett überarbeiteten Neuauflage ist das ok, aber wenn in wenigen Monaten drei neue Cover auftauchen wirkt das genauso unprofessionel!
    Liebe Grüße

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  6. Bei bekannten Autoren schaut niemand, ob das Cover "professionell" ist oder "dahingeklatscht". Beispiele: Die Cover von Charlotte Link haben fast immer eine vage, kaum zum Thema passende Landschaft. Die Cover von Hjorth+Rosenfeldt zeigen fast alle die gleiche Silhouette, nur farblich variiert.
    Nur ein Indie-Autor wird da mit anderen Maßstäben gemessen. Mein Wunsch: seid nicht allzu kritisch, besonders bei Erstlingswerken. Der oder die Gute hat noch keinen Cent verdient und wahrscheinlich allein für das Korrektorat mehr ausgegeben, asl er/sie jemals verdienen wird.

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    1. Lieber Gerhard, wie im Text genannt, akzeptiere ich durchaus Premade-Cover zum kleinen Preis. Ich rede von den Dingern, die Augenkrebs verursachen, weil alles nur noch quietscht.

      Bei deinem Beispiel mit der Link muss ich aber sagen, dass das eben schon Wiedererkennungswert hat. Auf deren Covern prankt immer ganz fett der Name. Der Leser ist da schon auf diese Art von Covern eingestellt. Das hat nun an sich mit meinem Beitrag wenig zu tun. Ich rede von Covern mit eigenen Urlaubsbildern und neongrünem Titel. Nein, den Einwand "Wenn sie gut gemacht sind" lass ich hier nicht gelten. Es ist einfach nicht das, was ich meine.

      Lg, Karin

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    2. Lieber Gerhard, wie im Text genannt, akzeptiere ich durchaus Premade-Cover zum kleinen Preis. Ich rede von den Dingern, die Augenkrebs verursachen, weil alles nur noch quietscht.

      Bei deinem Beispiel mit der Link muss ich aber sagen, dass das eben schon Wiedererkennungswert hat. Auf deren Covern prankt immer ganz fett der Name. Der Leser ist da schon auf diese Art von Covern eingestellt. Das hat nun an sich mit meinem Beitrag wenig zu tun. Ich rede von Covern mit eigenen Urlaubsbildern und neongrünem Titel. Nein, den Einwand "Wenn sie gut gemacht sind" lass ich hier nicht gelten. Es ist einfach nicht das, was ich meine.

      Lg, Karin

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  7. Hallo Karin,

    das Cover - dazu sind inzwischen x-fach Bücher erschienen, die es uns Indie-Autoren einfacher machen sollen, ein gutes Cover zu erstellen. Toll soll es sein, aussagekräftig, der Text muss auch noch zu lesen sein, wenn das Cover in Briefmarkengröße und in Schwarz-Weiß auf dem E-Reader angezeigt wird. Klicke ich mich dann durch die E-Books, gleichen sich viele Cover wie ein Haar dem anderen. Die historischen Romane, alle im gleichen Stil, die Schnulzen mit Herzchen und Blümchen, die tollen Machos usw. Mich persönlich schreckt das Einerlei ab. Inwieweit mich persönlich ein Cover zum Kauf verleitet, kann ich selbst nicht so genau abschätzen. Ich bilde mir zumindest ein, dass es keinen Einfluss hat, das heißt allerdings, ein Buch mit kitschigem Cover, mit Herzchen und Blümchen würde ich bestimmt nicht kaufen.
    Den Roman vom berühmten Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg, habe ich gekauft, weil er mir empfohlen wurde. Das Cover musste ich schon zweimal anschauen, um überhaupt etwas zu erkennen.
    Als Hobbyautorin, ich bezeichne mich so, weil ich von dem was ich schreibe nicht leben muss, sondern schreiben kann, weil es mir Spaß macht, schrecke ich davor zurück, ein Profi-Cover zu bezahlen. Natürlich habe ich auch vorgefertigte Cover angesehen, aber nichts gefunden, was in irgendeiner Weise gepasst hätte. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass meine in vielen Stunden per Fotoshop, Gimp und Arc Soft »selbst gestrickten« Cover keine potenziellen Käufer abschrecken. Aber bei meiner etwas schwammigen Zielgruppe - von 9 - 99 Jahren - ist es ohnehin schwierig, die richtige Mischung zu finden.

    LG Hildegard

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