Freitag, November 13, 2015

[Rezension] 2. Teil muss nicht sein - Die Abnormen (Marcus Sakey)

Marcus Sakeys Die Abnormen handelt von der Verfolgung von Minderheiten aufgrund von Neid und Angst.

Seit 1980 werden besondere Kinder geboren. Sie sind begabt und besitzen außergewöhnliche Denkfähigkeiten. Einige dieser Abnormen nutzen ihr Können zum eigenen Vorteil. Der durchschnittsintelligente Mensch hat Angst. Die Macht der Abnormen muss eingeschränkt werden. Wie gefährlich sie sind, zeigen die terroristischen Anschläge von John Smith und seiner Organisation, der für ein gleichberechtigtes Dasein eintritt. Dass er dies mit Gewalt versucht, darf nicht sein. Nick Cooper, ebenfalls begabt, arbeitet beim AEB, dem Ausgleichsdienst. Seine Aufgabe ist es, Abnorme auszuschalten, ehe sie ihre Gaben für terroristische Zwecke einsetzen. Mit dem Anschlag auf die New Yorker Börse ändert sich jedoch alles und Cooper wird zum Gejagten.

Das Thema ist nun natürlich nicht neu. Ob man die X-Men heranzieht oder einen Vergleich mit dem Holocaust zieht, ist jedem selbst überlassen. Das Prinzip ist das gleiche. Eine Minderheit wird zur großen Gefahr stilisiert, gegen die mit staatlichen Institutionen vorgegangen wird. Im Zentrum befindet sich der Protagonist, der für eine bessere Welt kämpft. Dabei macht er Entdeckungen, die zum Himmel schreien und es wird deutlich, wie schlecht die Menschheit wirklich ist.

Die Thematik wird gut umgesetzt. Es unvorhergesehene Wendungen und am Ende scheint nichts mehr so zu sein wie am Anfang. Wer ist der eigentliche Feind? Wenn man möchte, kann man in dem Roman auch eine Demonstration sehen, wie sehr die Menschen von der Berichterstattung der Medien abhängig ist, wie sehr die Masse dadurch manipuliert werden kann. Der inszenierte Anschlag auf die Börse erinnert sogar an den 11. September, doch hängt dem ein wenig der Hauch von Verschwörungstheorie an - allerdings in einem annehmbaren, realistischen Rahmen.

Man sieht schon, an Tiefe und Ernsthaftigkeit mangelt es dem Thriller wirklich nicht. Auch handwerklich ist er sehr gut umgesetzt. Marcus Sakey versteht es, genau so viele detaillierte Beschreibungen zu verwenden, dass das Kopfkino läuft, die Schilderungen jedoch nicht erschöpfend werden. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, eine offensichtliche Akt-Struktur, die die Entwicklung des Protagonisten spiegelt. Dabei verliert der mittlere Teil etwas an Fahrt, wird aber nicht langweilig. Das Finale ist spannend und typisch für einen Thriller. Es passt.

Die Abnormen ist ein sehr lesenswerter Thriller, der Spannung verspricht und auch zum Nachdenken anregt. Die Welt ist stimmig konzipiert und die Figuren sind lebendige Handlungsträger, die sich nachvollziebar entwickeln. Überraschende Wendungen sorgen für den richtigen Thrill.

Allerdings muss ich sagen, dass mit dem Ende des ersten Teils alles Notwendige für mich gesagt scheint. Der Klappentext der Fortsetzung verspricht mir nichts Neues, sondern nur einen neuen Antagonisten, keine insgesamte Weiterentwicklung, sodass ich mir die positive Erfahrung mit Teil 1 nicht verderben lassen will.

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