Mittwoch, Dezember 16, 2015

[Diskussion] Rechtschreibung im Roman

Bild: FreeImages.com / Zsuzsa N.K.
Die Kunst braucht keine Regeln. Sie ist frei. Regeln zu brechen, kann auch hilfreich sein. Den Rezipienten aufwecken, aufschrecken. Ihm einen Spiegel vorhalten. Ihn zum Nachdenken bringen. Am Ende hat der Konsument eine Reise gemacht. Er hat sich weiter entwickelt und etwas hinzu gelernt. Alle sind glücklich.

So die Theorie. Das funktioniert auch. Aber mit Einschränkungen. Vor allem für den Schriftsteller. Fehlende Kenntnisse in der Rechtschreibung sind keine Kunst. Vor allem wenn es  sich um ein Unterhaltungs-Massen-Genre wie Krimi, Romanze und Fantasy handelt. Es kann mir keiner erzählen, dass 10 Fehler pro Seite als künstlerische Freiheit eingesetzt werden, wenn naive Frau A auf der Suche nach Weiberheld B ist. Schreibst du in der Ich-Perspektive und stellst einen Legastheniker dar, mag das was anderes sein. Seien wir doch ehrlich. Wenn sich in einem Roman die Fehler tummeln, hat das in 99,9% der Fälle nichts mit Kunst zu tun, sondern mit Unvermögen und fehlendem Korrektorat.

Es kommt aber auf den Inhalt an! Die Form ist zweitrangig! Das hätte der geizige Autor wohl gerne. Damit versucht er seine Unvermögen zu überspielen. Damit ist er auf dem Holzweg.
Man liest Bücher, weil man in eine fremde Welt eintauchen möchte. Man leidet mit den Figuren und atmet mit ihnen auf. Erst wenn man das Buch zuschlägt, taucht man wieder in die Realität auf und ist zurück im Hier und Jetzt. Diese Traumreise ist leider sehr störanfällig. Ein einziger Fehler kann den Leser sofort in die Realität zurück katapultieren... und er landet hart. Auf ein Buch verteilt verzeiht er das vielleicht 5 mal. Wenn er nachsichtig ist, 10 mal. Denn es kostet immer wieder Energie, in die Traumwelt zurück zu kehren. Wird man zu oft rausgeworfen, wird man nicht zu Ende lesen.

Wenn man nach Fehlern sucht, wird man auch welche finden! Selbst schuld! Ach, ist das so? Ich suche gewiss nicht nach Fehlern. Ich bin ja kein Korrektor. Sie fallen mir auf. Sie ärgern mich. Sie ärgern mich, weil ich beim Kauf eines Literaturerzeugnisses - und das ist auch die seichteste Liebesschnulze - korrekte Rechtschreibung erwarte. Tippfehler können jedem passieren, keine Frage. Auch ein korrigiertes Buch wird nicht zu 100 Prozent fehlerfrei sein. Das meine ich nicht.

Ich spreche von mehreren Fehlern auf jeder Seite. Von der Ignoranz, dass es gültige Rechtschreibregeln gibt. Mir als Leser ist es egal, ob sich der Autor ein Korrektorat leisten kann. Dann muss er eben sparen oder seinen Text in der Schublade lassen.
Was die Rechtschreibung angeht, bin ich eisern. Es gibt keinen Grund, einen Text voller Fehler als Buch zu verkaufen. Keinen.

Kommentare:

  1. Das unterschreibe ich zu 100%. Ein absolutes No-Go!!!
    Solche Bücher lege ich meistens weg!

    Greetings & Love
    Ines

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    1. Danke, Ines! So mancher redet sich die Fehler ja schön.

      Lg, Karin

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  2. Liebe Karin,
    auch ich stimme Dir voll und ganz zu. Rechtschreibfehler und fehlende Satzzeichen stören den Lesefluß enorm, wenn sie gehäuft auftreten. Hier und da ein Fehler ist verzeihbar und findet sich in den besten Büchern, aber das meint auch nicht, auf jeder Seite "hier und da" einer ;)
    Ich habe gerade so ein Buch "hinter mir" und kann mich ganz schlecht an den Inhalt erinnern, aber sehr gut an die zig Schreibfehler. Ganz beliebt bei dem Werk: so ziemlich jedes "das" nach dem Komma mit "ss" - fürchterlich! Als Autorin lese ich mit Sicherheit kritischer als andere, aber bei dem o.g. Buch waren es so viele Fehler, dass ich nachher wirklich kaum noch etwas anderes wahrgenommen habe. Das kann nicht im Sinne des Autors/der Autorin gewesen sein.
    Keiner ist unfehlbar, aber man erkennt, ob ein Werk ein Korrektorat oder zumindest eine Rechtschreibprüfung mit den gängigen Textbearbeitungsprogrammen durchlaufen hat - oder ob es dem Autor/der Autorin schnurz war, aus welchen Gründen auch immer. Und das, finde ich, geht gar nicht. Bei jedem Handwerk muss man saubere Arbeit abliefern, frei von Mängeln und fertig zum Gebrauch - dazu zählt auch ein literarisches Werk, für das Geld verlangt wird.

    Viele Grüße
    Sandra, die ganz bestimmt nicht frei von Fehlern ist, aber kontinuierlich daran arbeitet

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  3. Da gebe ich dir völlig Recht. Wie gut, dass das mal deutlich ausgesprochen wird. Wobei ich zugeben muss, dass ich beim Lesen meiner Texte (besonders auf dem Schirm) immer wieder Fehler übersehe. Deswegen ist ein Korrektor wichtig. Wichtig ist auch, sich um Vollkommenheit zu bemühen, auch wenn sie nicht immer erreichbar ist.

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  4. Ich bin nicht perfekt, was die Rechtschreibung angeht; vor allem nicht, seit der Rechtschreibreform.. :) Aber ich muss dir Recht geben! Wenn man in einem Buch von einem Fehler zum nächsten stolpert, stört das enorm den Lesefluss. Was auch anstrengend zu lesen ist, wenn alle Sätze immer gleich anfangen, oder sich Formulierungen wiederholen. Da kann die Geschichte noch so schön sein. Einfach schade, wenn Sätze immer mit "Und dann sagte er...", "Dann..", "Plötzlich..." anfangen... zeugt doch von einer gewissen Fantasielosigkeit, zumindest doch von einem sehr eingeschränkten Wortschatz.

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