Donnerstag, Dezember 03, 2015

[Diskussion] Sündenbock: Autor, Lektor oder Verlag?

Bild: FreeImages.com / Emmanuel Wuyts
Du liest ein Buch. Das Buch ist eine Katastrophe. Den Figuren fehlt die Tiefe, der Plot ist zum Sterben langweilig und darüberhinaus häufen sich Fehler in der Rechtschreibung. Du machst von deinem Recht als Kunde Gebrauch und bewertest das Buch bei dem Händler deines Vertrauens dementsprechend schlecht. Natürlich bleibst du sachlich und begründest deine Kritik ausführlich. Schließlich willst du dem Autor Gelegenheit geben, sich zu verbessern.

Was du nicht weißt: Der Autor tritt auf seiner Facebook-Seite einen Shitstorm gegen deine Ein-Stern-Rezi los. Für die vielen Rechtschreibfehler kann er nichts. Das hat schließlich der Korrektor/Lektor/Verlag verbockt und es ist doch jetzt einfach ungerecht, wenn er nun vom Rezensenten dafür verantwortlich gemacht wird.

Hat der Autor recht? Musst du dir als Kunde darüber Gedanken machen, wessen Schuld es ist, dass ein Buch Mist ist? Musst du, anstatt einfach die Bewertungsfunktion des Anbieters zu benutzen, nach dem Verlag suchen, dich bis zum Kontaktformular durchklicken und dann dem Verlag die Meinung geigen? Du bezahlst Geld, um dann die Arbeit zu erledigen, die der Autor/der Lektor/der Verlag genau von deinem Geld schon erledigen hätte sollen? Wirklich?

Wer trägt die Verantwortung? Für mich ist das in erster Linie der, dessen Name drauf steht. Das ist der Autor. Wen der dann weiter zur Rechenschaft zieht, ist mir wurscht. Der Autor hat mir das mangelhafte Buch angedreht, also muss er auch mit den Konsequenzen leben. Eigentlich sei der Verlag der Verkäufer?

Das Buch ist ein Produkt. Der Hersteller ist der Autor, der andere zur Hilfe engagiert hat. Der Autor ist und bleibt der Initiator. Er trägt die Verantwortung für die Qualität dessen, wo sein Name drauf steht. Wenn ich ein Töpfeset einschlägiger Marken kaufe und es wider des Kaufversprechens rostet, muss ich mich dann beim asiatischen Rohstoffhändler beschweren? Wer käme denn auf diese Idee?

Abgesehen davon wird der Kunde den Weg des geringsten Widerstands nehmen.Von ihm ein Abwägen und Durchklicken zu fordern, gehört auf den Ponyhof und ist weltfremd. Also überlege dir, was du veröffentlichst!

Kommentare:

  1. Wen du meins du haßt recht blos weil du ein satz Elegant schreibst dann, bist duaber auf der falschen Spuhr!
    Aber im Ernst: Natürlich hast du vollkommen Recht. Im alten China hätte man so einem Autor eine seidene Schnur geschickt. Ich finde es ja schon sehr mutig und selbstlos, wenn du so ein Machwerk überhaupt sachlich diskutierst. Wie wär's, wenn wir die Berufsbezeichnung "Schriftsteller" schützen und mit einem Duden-Prüfsiegel versehen lassen?

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  2. Schön gesagt :) Autoren zu kritisieren ist heute eine oft nicht so spaßige Angelegenheit. Ich finde es auch immer wieder traurig, wenn ich lese das einige Blogger sich gar nicht trauen schlechte Bücher zu rezensieren...Heute nennt sich halt schon jeder Autor, der sich selbst eine FB-Seite angelegt hat und selbst das schlechteste Buch findet immer noch ein paar Leute, die es hypen...Komische Welt xD

    LG Denise

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  3. Natürlich darf man eine sachliche Rezension zu einem schlechten Buch schreiben. Ich kann Leute, die einen Shitstorm verursachen, gar nicht ernst nehmen. Schlechte Rezensionen muss man als Autor hinnehmen, vor allem, wenn sie gerechtfertigt sind ... Aber da trennt sich die Spreu vom Weizen. Kluge Autoren analysieren eine negative Rezension und überlegen, ob vielleicht etwas Wahres dran ist. Dumme "Autoren" schlagen um sich und lernen nichts dazu. Ich habe aus meinen 2-Sterne-Rezensionen immer etwas mitnehmen können.

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