Donnerstag, Dezember 31, 2015

[Diskussion] Wie Kindle unlimited das Leseverhalten verändert

Bild: FreeImages.com / Christoph Fink
Ich finde das Lese-Abo von Amazon toll. Wenn auch nicht mehr so uneingeschränkt, wie es schon einmal war. Aber die Idee bleibt dennoch klasse. Ich bin unabhängig von Sonderangeboten, kann lesen, soviel ich will und jeden Tag wird das Angebot größer. Autoren beklagen, dass die Lese-Flatrate wie ein All-you-can-eat-Buffet sei. Es würde nicht mehr geschätzt, was es zu lesen gäbe und irgendwann sei man so übersättigt, dass man gar nichts mehr lesen wolle. Nach fast einem Jahr habe ich nun überlegt, wie sehr Kinlde unlimited mein Leseverhalten verändert hat.

Ich lese anders. Zuvor habe ich mir sehr viel länger Zeit genommen, bevor ich einen Titel gekauft habe. Habe die Rezensionen studiert, bevor ich zugeschlagen habe. Heute lese ich zuerst ein paar schlechte Rezensionen und anschließend stichprobenartig eine oder zwei gute. Finden sich die gleichen Mängel, lade ich den Titel nicht, sondern wähle den nächsten.

Früher habe ich mich durch jedes Buch gequält. Abbrechen kam für mich nicht in Frage. Ich habe schließlich dafür bezahlt. Dies hatte zur Folge, dass ich für ein Buch mehrere Wochen gebraucht habe. Ich war äußerst erfinderisch, wenn es darum ging, nicht lesen zu müssen. Mit der Leseflatrate kann ich jetzt ohne schlechtes Gewissen ein Buch zurückgeben, wenn es mich nicht packen kann. Es hat etwas gedauert, bis ich diese Möglichkeit realisiert habe.

Für mich als Leser hat die Flatrate viele Vorteile - nicht zuletzt den, dass ich jederzeit kündigen kann.
Aber wie wirkt sich mein verändertes Leseverhalten auf den Autor aus? Je nach Autor unterschiedlich. Denn meine Ansprüche sind gestiegen. Ich gebe einem Buch nicht mehr lange Zeit, damit es mich in seinen Bann zieht. Ich bin nicht gewillt, Leerlauf in Kauf zu nehmen. Ich will Action. Spätestens am Ende des ersten Kapitels muss die Handlung loslegen, sonst verliere ich die Lust und gebe das Buch zurück.

Sowas wird oft auf den Geschmack geschoben. Aber ist es das wirklich? Ist es nicht einfach Handwerk, den Leser gleich nach wenigen Seiten packen zu können? Einen Spannungsbogen zu konstruieren?

Ob Geschmack oder nicht, der Autor wird sich damit arrangieren müssen, dass der Durchhaltewille des Lesers absinkt. Ein Anrecht darauf, dass ein geliehenes Buch auch zu Ende gelesen wird, besteht übrigens nicht. Da hilft auch kein Zetern.

Dennoch habe ich inzwischen auch die Kehrseite von Kindle unlimited erfahren. Davon gibt es nächste Woche mehr.

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