Freitag, Dezember 04, 2015

Hinter den Kulissen der Nachtahn-Reihe von Sandra Florean


Sandra Florean habe ich relativ früh kennen gelernt, als ich in die Indie-Buchszene eingetaucht bin. Dabei ist sie bei Bookshouse unter Vertrag und dennoch so präsent wie man es meist nur von Indies kennt. Heute erscheint der letzte Teil ihrer Vampirreihe. Ich habe die ersten drei Teile bereits gelesen und rezensiert und war begeistert. Ihre Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Handwerk beherrscht. Wie ich als eine ihrer Testleserinnen festgestellt habe, schon bevor ein professionelles Lektorat sich ihrer Romane annimmt. Deshalb möchte ich Sandra und ihren Vampiren eine vierteilige Serie widmen, die tief hinter die Kulissen blicken lässt. Heute starten wir mit einem Interview zur Entstehungsgeschichte, zum Schreiben, aber auch zum Verlegen.

Liebe Sandra, herzlich willkommen bei Der INDIE! Deine Nachtahn-Reihe wird im Bookshouse-Verlag veröffentlicht. Viele Selfpublisher würden sich bei einem Verlag besser aufgehoben fühlen. Sie fürchten sich vor den Kosten von Lektorat, Korrektorat und dem selbstständigen Marketing. Obwohl du bei Bookshouse bist, bist du auch sehr präsent in den sozialen Medien. Vielleicht möchtest du mir heute ein paar Fragen zur Entstehungsgeschichte deiner Reihe beantworten und wie du zu Bookshouse gekommen bist.

Zu allererst aber: Worum geht es in deiner Nachtahn-Reihe?


Vielen Dank, liebe Karin, für die Einladung. Meine Nachtahn-Reihe ist, in wenigen Worten zusammengefasst, eine romantisch-abenteuerliche Reihe mit "Action für Erwachsene", wo der Vampir noch Vampir ist. Im Mittelpunkt stehen Louisa und der Vampir Dorian. Beide sind keine aalglatten Charaktere, sondern haben jeder ihre Dämonen zu besiegen und es von Anfang an nicht leicht (miteinander).

Vampire. Soso. Hat es ja noch nie gegeben ;) Was unterscheidet deine Vampire denn von anderen?

Bei meinen Vampiren hab ich stets im Hinterkopf gehabt, dass sie einmal Menschen waren. Deshalb können sie weder fliegen, noch sich in Fledermäuse verwandeln. Man kann sie nicht mit Kreuzen in die Flucht schlagen oder mit Weihwasser Löcher in sie hinein brennen. Sie sind im Grunde Tote, denen das Vampirblut zu einem zweiten Leben verholfen hat. Das Besondere sind ihre Fähigkeiten, die in der gesamten Reihe eine große Rolle spielen. Oftmals sind es Talente, die sie bereits als Mensch hatten, und die das Vampirdasein verstärkt. Andere Fähigkeiten haben sie von ihrem Schöpfer mitbekommen oder, wie in Dorians Fall, sie haben sie sich von anderen Vampiren "geholt", indem sie deren Blut tranken und sie töteten. Genau das hat Dorian die vergangenen sechshundert Jahre getan und sich damit den zweifelhaften Ruf des Vampirkillers "verdient".

Wieso mussten es Vampire sein?

Ich hab damals "Interview mit einem Vampir" im Kino gesehen und danach die Bücher von Anne Rice verschlungen und war total gefangen genommen von dieser neuen - modernen - Art von Vampir. Genau so einen wollte ich auch immer schaffen. Einen Vampir nach meinem Geschmack. Einen, mit dem ich Dinge erleben kann, die sonst nicht möglich wären. Und als nach langer Schreibabstinenz die Muse dann wieder zuschlug, entstand Dorian beinahe von selbst.

Dann hast du also zu schreiben begonnen. Kannst du Anfängern bestimmte Bücher und Methoden empfehlen? Wie bist du vorgegangen?

Ich muss gestehen, dass ich nicht viele Schreibratgeber gelesen habe. Eigentlich nur zwei. "Das Leben und das Schreiben" von dem King Stephen King, sagt im Grunde alles, was man beherzigen sollte. Im Internet fand ich viele hilfreiche Tipps, wenn ich mal nicht weiter kam. So z. B bei Andreas Eschbach. Seine Tipps zur Überarbeitung sind goldwert und, auch wenn zeitaufwendig, man sollte sie unbedingt nutzen.

Die Nachtahn-Reihe entstand fast von selbst und vor allem ohne Zeitdruck. Anfangs war noch nicht klar, dass ich sie überhaupt veröffentlichen wollte. Ich war einfach froh, wieder schreiben zu können.

Mittlerweile gehe ich jede Geschichte sehr gezielt an. Sobald eine Idee Gestalt annimmt, fange ich an zu plotten und zu recherchieren. Ich entwickele die Charaktere, überlege mir, wo und wann es spielen soll, welche Figuren auftauchen und wieder verschwinden, welche Infos ich noch brauche und und und. Dann plotte ich, bis ein stimmiges Grundgerüst entsteht. Danach arbeite ich diesen Plot aus, erledige die letzte Recherche und fange schlussendlich an zu schreiben.

Wie lange hast du für dein Manuskript gebraucht? Wie bewertest du rückblickend den Entstehungsprozess?

Insgesamt habe ich an den vier Bänden ein Jahr lang geschrieben. Im Anschluss kamen aber noch diverse Überarbeitungsgänge! Da ich lange Jahre nichts geschrieben hatte und schon dachte, es nicht mehr zu können, war der Schreibprozess vor allem ein einziges Hochgefühl. Endlich wieder schreiben, das Gefühl können wohl nur Schreiberlinge nachempfinden. Im Nachhinein muss ich aber realistisch und selbstkritisch zugeben, dass ich mich in der Zeit arg von allem abgeschottet habe - auch von meiner Familie. Auch ein Grund, warum ich heute planvoller schreibe.

Kam Selfpublishing für dich gar nicht in Frage?

Nein. Erstens hatte ich zu der Zeit absolut keine Ahnung, wie man das anstellt. Zweitens hatten "books on demand" lange Zeit einen sehr negativ behafteten Ruf.

Als ich mich dazu entschloss, die Reihe zu veröffentlichen, war sofort klar, dass ich es über einen Verlag mache. Am liebsten wäre ich natürlich zu Heyne und Co gegangen, aber nach einigen Recherchen war klar, dass man auch im Buchgeschäft klein anfangen muss. Ich wollte mich weder mit dem teuren Lektorat noch mit der professionellen Covergestaltung/-wahl auseinander setzen, geschweige denn mit allem anderen, was zur Veröffentlichung dazu gehört. Beides gehört zu einem ordentlichen Buch dazu und mir war sehr schnell klar, dass es mir nicht ausreicht, meine Geschichte "selbst zu lektorieren" - wobei das schon ein Widerspruch in sich ist, finde ich. Niemand kritisiert sich selbst unvoreingenommen und schonungslos. Das ist Unsinn. Mir war es wichtig, eine fremde, professionelle Meinung von jemandem zu bekommen, der sich damit auskennt.

Die Frage aller Fragen: Wie haben der Bookshouse Verlag und du zueinander gefunden?
Ich hab lange nach einem Verlag recherchiert, der "mein" Genre im Programm hat und nach Möglichkeit noch nicht zu viele Titel. Und so kam ich dann schließlich auf den damals noch sehr jungen Bookshouse Verlag und andere Verlage. Insgesamt habe ich jedoch nur zwei Bewerbungen verschickt und innerhalb von zwei Wochen hatte ich einen Verlagsvertrag auf dem Tisch, der die ganze Reihe einschloss.

Welchen Tipp kannst du Selfpublishern hinsichtlich des Marketings geben? Was sind die wichtigsten Standbeine?

Meine Tipps sind nicht nur für Selfies. Auch Verlagsautoren sollten viel aktiver werden und das Marketing selbst in die Hand nehmen.

Es gibt allerdings zwei Grundpfeiler, finde ich: Kommunikation und Präsenz.

Mit Autorenkollegen, Veranstaltern, Lesern, Bloggern und sonstigen Menschen auf allen Wegen, die einem liegen, in Kontakt treten und diese Kontakte pflegen, sollte neben dem Schreiben einen festen Platz im Tagesablauf haben. Das kann übers Internet mittels einer Homepage oder Blog sein, bei Facebook, Twitter und Co oder in Leserforen, Foren für gemeinsame Interessen und und und. Rede mit den Leuten und sie reden mit Dir und bestenfalls über Dich. „Wer schreibt, der bleibt“ ist eine Weisheit, die man so leicht in den Social Networks umsetzen kann.

Online allein reicht meiner Meinung und Erfahrung nach aber nicht. Lesungen und öffentliche Auftritte sind der andere Grundpfeiler, den viele unterschätzen oder für zu zeit- und kostenaufwendig halten. Wenn man seine Bücher verkaufen möchte, sollte man sich nicht hinter seinem PC verstecken. Man muss rausgehen und seine Begeisterung teilen. Die Leute von sich und seinem „Produkt“ überzeugen. Klar ist das alles Arbeit und Zeitaufwand, aber es lohnt sich. Wenn es einem gelingt, sich als Autorin oder Mensch sympathisch zu machen, behalten die Leute einen ganz anders in Erinnerungen, als wenn sie irgendwo einen Werbepost gelesen haben. Sie erzählen ihren Freunden von der Lesung und im besten Fall kommen sie wieder und bringen diese Freunde mit. Und genau das wollen wir ja: dass Leser wieder kommen, dass sie auch unsere Folgebücher kaufen, dass sie uns und unsere Bücher mögen.

Viele meiner Marketingstrategien habe ich auf meinem Blog www.sandraflorean-autorin.blogspot.de bereits ausführlicher behandelt und können dort nachgelesen werden.

Liebe Sandra, vielen Dank für deine ehrlichen Antworten.

Den vierten und vorerst letzten Band der Nachtahn-Reihe gibt es seit heute zu kaufen. Hier kannst du mit dem ersten Band zu lesen beginnen und erst wieder aufhören, wenn du bei Band 4 angekommen bist.

Kommentare:

  1. Die Nachtahn-Reihe ist wirklich total schön. Ich habe Sandra auf einer Lesung erlebt - und das war wahrlich ein Erlebnis! Sie lebt ihre Bücher und das fand ich absolut fantastisch.
    Herzliche Grüße, Liane

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  2. Huhu :)

    Schönes Interview mit interessanten Antworten! Es ist doch immer wieder spannend, wie Autoren an ihre Werke rangehen.

    LG Alica

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