Donnerstag, Januar 07, 2016

[Diskussion] Kindle unlimited - ein Erfahrungsbericht

Bild: www.pixabay.com
Die Leseflatrate von Amazon hat zahlreiche Vorteile. 10 Euro und mehr Auswahl, als ich in meinem Leben lesen kann. Ganz akribisch habe ich über die gelesenen Titel Buch geführt, ob sich die Flatrate auch lohnt. Es verging kein Monat im letzten Jahr, in dem ich drauf gezahlt hätte. Der Traum eines jeden Lesers?

Nun ja, fast. Denn obgleich ich mich allenorts für die Flatrate eingesetzt habe, monatelang jedes andere Buch verweigert habe, erfolgte vor kurzem die Ernüchterung. Der größte und allgemein bemängelte Nachteil von kindle unlimited liegt darin, dass keine Verlagstitel und vor allem keine Spiegel-Bestseller verfügbar sind. "Macht nix!", habe ich getönt, "es gibt soviele gute Selfpublisher-Bücher, die kann ich ohnehin nicht alle lesen!" Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, habe ich es eben direkt wieder zurück gegeben und das nächste geliehen.

In all den Monaten hat sich das Verhältnis verschoben. Das Verhältnis von guten und schlechten Büchern zueinander. Während ich zu Beginn mal eins erwischt habe und ich noch haderte, ob es sich nicht doch noch zum Guten wenden würde, wurde ich jüngst immer häufiger von vielen guten Rezensionen fehlgeleitet. Auf ein lesenswertes Buch kamen etwa zehn, die ich abgebrochen habe. Das Problem dabei ist: Ich gebe jedem Buch einen Abend Gelegenheit, mich zu fesseln. Ist es nix, fange ich kein neues mehr an. Im Endeffekt habe ich zwar viel geliehen, aber unterhalten wurde ich nicht. Natürlich habe ich auch die schlechten Bewertungen gelesen. Natürlich hätte ich auch Leseproben ziehen können. Wobei sich mir nicht erschließt, was zwischen Ausleihe und Leseprobe noch für ein gravierender Unterschied besteht, außer dass ich im Fall der Leseprobe und einem guten Roman nochmal rumklicken muss. Abgesehen davon starten die meisten Bücher gut, bevor nur noch heiße Luft kommt. Da hilft die Leseprobe wieder nicht weiter. Wie dem auch sei, ich bin öfter auf die Schnauze gefallen, als dass ich Glück hatte.

Zudem kommt, dass ich die Leseflatrate schon jeden Monat hereingelesen haben wollte. Erst danach kam ein anderes Buch für mich in Frage. Das Dilemma: Je öfter ich weniger gute Bücher erwischte, um so seltener griff ich zum Reader. Ich hatte die letzten Monate zu tun, den Betrag voll zu bekommen. Ich hatte keine Lust mehr auf immer und immer wieder dieselben Mängel. Mir wurde die Lust am Lesen vermiest.

Deshalb habe ich Ende November beschlossen, die Flatrate zu kündigen. Geht ja mit zwei Klicks ganz unkompliziert - genauso einfach kann ich sie auch wieder abschließen. Schon im Dezember habe ich dann vor allem bei Verlagstitel im Kindle-Deal zugeschlagen. Und zack, macht das Lesen wieder Spaß.

Will ich den Schwarzen Peter also den Selfpublishern zuschieben? Zum Teil, ja, durchaus. Aber wirklich nur zum Teil, bitte nicht überlesen! Zum einen gibt es nämlich wirklich, wirklich sehr gute Selfpublisher. Sonst hätte ich ja nicht so lange für sie geschwärmt. Aber der Markt wird voller und praller und es gibt keine selektierende Instanz - würde dem Sinn des Selfpublishing auch widersprechen. Es wird für mich als Leser immer schwieriger, eine Auswahl zu treffen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Meine Zeit ist mir dafür zu schade. Es tut mir leid um die guten Autoren, die ich dadurch verpasse, aber im Moment ist meine Geduld aufgebraucht. Natürlich ist auch nicht jedes Verlagsbuch eine Perle, aber die Wahrscheinlichkeit, etwas Lesbares zu finden, ist aktuell einfach größer. Dafür bezahle ich auch gerne etwas mehr. Aber zum Glück hat Amazon auch hier die Lösung für mich: die Kindle-Deals. Nicht nur, dass ich Verlagstitel (vor allem von Bastei und Knaur) günstiger erhalte, nein, ich bekomme eine kleine Anzahl an Büchern vorgeschlagen und rudere nicht mehr im Uferlosen herum. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die wird damit zumindest eingeschränkt.

Vielleicht schließe ich die Flatrate in ein paar Wochen wieder ab. Vielleicht auch erst in einem Jahr. Das weiß ich nicht. Vielleicht braucht es auch einen großen Knall und Amazon hebt die völlige Demokratisierung des Buchmarktes auf. Denn davon rücke ich nicht ab: Es wird schon sehr sehr viel schlechtes Zeug dort hochgeladen. Leider.

Kommentare:

  1. Schade das du nicht so viel Glück hattest. Ich lese sehr viele Spler und auch auf meinem Blog geht es fast nur um diese. Ich bin froh sie entdeckt zu haben. So viele tolle Schätze hab ich entdeckt. Bei mir überwiegen bisher wirklich die guten Bücher. Verrätst du mir, welche Autoren du gelesen bzw ausprobiert hast?
    Lg Lina

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  2. Liebe Lina,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Die Namen der Autoren, die das Fass zum Überlaufen brachten, möchte ich nicht nennen. Und dass es sehr viele gute gibt, beweisen meine Rezis. Ich habe ja auch überwiegend Indies gelesen.

    Lg, Karin

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  3. Liebe Lina,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Die Namen der Autoren, die das Fass zum Überlaufen brachten, möchte ich nicht nennen. Und dass es sehr viele gute gibt, beweisen meine Rezis. Ich habe ja auch überwiegend Indies gelesen.

    Lg, Karin

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  4. Liebe Karin,

    das tut auch mir sehr sehr leid. Als Indie-Autorin kenne ich auch beide Seiten und kann nachvollziehen, wie es dir ergeht. Ich nutze als Leserin auch die Kindle Flatrate und gerate auch immer wieder an Texte, die das Wort Roman kaum verdienen. Das ist leider eines der großen Probleme beim Self-Publishing. Es gibt niemanden der die Qualität kontrolliert und leider gibt es genug Menschen, die meinen ein mal eben runter geschriebener Text bringt Geld ein. Das schadet gerade den Autoren, die sehr viel Geld in ihre Bücher stecken, bevor sie sie veröffentlichen. Als Leserin verlasse ich mich inzwischen auf die Empfehlungen in den vielen Buchgruppen auf Facebook und Co. Da findet man sehr viele Kindle Unlimited Titel die wirklich gut sind. Ich hoffe du findest deinen Lesespaß an den Büchern der Indie-Autoren wieder, denn es gibt wirklich viele sehr gute Bücher die keinen Verlag auf dem Cover haben und trotzdem die gleiche Qualität liefern. In solchen Büchern steckt sehr viel Liebe, Geld und Herzblut. Das ist auch Self-Publishing. :-)

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    1. Liebe Emily, ganz bestimmt finde ich die Lust daran wieder. Erstens habe ich ja schon viele gute SPler gefunden, zweitens ist KU keine Entscheidung für die Ewigkeit. Ob nun dafür oder dagegen. Mit nur wenigen Klicks hat man, was man gerade braucht :) Und das ist doch schön.

      Lg, Karin

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    2. Liebe Emily, ganz bestimmt finde ich die Lust daran wieder. Erstens habe ich ja schon viele gute SPler gefunden, zweitens ist KU keine Entscheidung für die Ewigkeit. Ob nun dafür oder dagegen. Mit nur wenigen Klicks hat man, was man gerade braucht :) Und das ist doch schön.

      Lg, Karin

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  5. Hallo Karin,
    das ist natürlich schade. Trotzdem hast du einige tolle Bücher gelesen, daher hat es sich ja zum Glück wenigstens etwas ausgezahlt :)

    Ich habe Kindle Unlimited zweimal für einen Monat ausprobiert und konnte in dieser Zeit wirklich viele tolle E-Books lesen, es rentiert sich für mich aber leider auch nicht, ein dauerhaftes Abo abzuschließen. Ein oder zweimal im Jahr werde ich aber bestimmt wieder einen Monat buchen. Ich lese auch sehr gerne Verlagsbücher und auch viele englische. Da ist das Angebot derzeit einfach noch zu schlecht. Bei den Indies gehe ich eigentlich fast nur noch nach den Bewertungen, muss ich gestehen. Indies mit schlechten Bewertungen leihe ich mir gar nicht mehr aus. Kann natürlich sein, dass ich dadurch viel verpasse, ich habe aber auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Zum Glück habe ich aber auch viele tolle Selfpublisher entdeckt, die ich keinesfalls mehr missen möchte :)

    Sehr zufrieden bin ich mit meinem Skoobe Abo. Dort findet man ziemlich viele Verlagstitel. Dafür habe ich mir sogar einen eigenen Android E-Ink Reader für Skoobe gekauft, da man die App auf dem Kindle nicht verwenden kann. Leider kann ich mit meinem Reader bei Skoobe keine Stellen markieren (es geht schon, aber nur umständlich mit so einer Notizbuchapp), was mit dem Kindle ja super einfach geht. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden. Vielleicht wäre Skoobe ja eine Alternative für dich? Indietitel gibt es dort auch einige, allerdings nicht alle aus dem Kindle Unlimited Programm. Man kann aber auch monatlich kündigen. Auf der Seite skoobe.de kann man im Suchfeld nach E-Books suchen oder durch Kategorien blättern. So habe ich mir am Anfang gleich eine Merkliste erstellt, um zu sehen, ob es sich rentiert. Dabei habe ich dann festgestellt, dass Skoobe für mich die ideale Flatrate ist. Das Programm ist auch nicht perfekt, wird aber ständig ausgebaut.

    LG Katharina

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    1. Hallo Katharina, die Erfahrung über Skoobe habe ich auch gemacht. Ich bin seit Anfang an dabei.
      Bei Kindle habe ich ebenfalls einzelne Titel gekauft, hier gefällt mir, dass man sich Notizen machen kann ohne eine weitere App aufrufen zu müssen man kann sogar Fremdwörter nachschlagen.
      Vielleicht rüstet Skoobe irgendwann nach.
      VG B.A.

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  6. Ja, eine interessante Darstellung! Amazon reizt mich ebenso nicht mehr sonderlich - in meiner Rolle als Autorin.

    Mein Eindruck: die ach so tolle Flatrate ist für mich ein echtes Verlustgeschaeft.

    Wenn ich jetzt gegenüber stelle...wie viel Aufwand ein guter Text braucht. Und was finanziell für mich am Ende raus schaut...

    Da veröffentliche ich lieber auf anderen Plattformen.

    Allerdings verstehe ich auch den Frust der Leser sehr gut, wenn sie ein wirklich schlechtes Buch oder einen schlechten Text erwischen!!!

    Indie Autoren oder self Publisher sind aber keinesfalls per se schlecht oder Dilettantisch... Manche sicher. Aber für diese kann ich nichts.

    Generell habe ich kein Verständnis, wenn jemand einen Roman für 1,99 Euro kaufen will... Ich empfehle zu überlegen, wie viel Zeit ein guter Text in seiner Entstehung braucht.

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