Donnerstag, Januar 21, 2016

[Diskussion] Sternebewertung bei Amazon

Bild: FreeImages.com / Paulp Martinatti
Letztens ist mir aufgefallen, dass man bei Amazon inzwischen auch nur Sterne zur Bewertung abgeben kann und kein Text mehr notwendig ist. Gerade für die Bewertung von Büchern ist diese Umstellung sehr interessant. Wenn man auf dem Kindle ein Buch beendet, erscheint eine Aufforderung, das Buch zu bewerten. Früher war es so, dass mit dem Anklicken der Sterne auch ein Textfeld aufploppte. Und seien wir ehrlich. Schreiben lässt sich auf einem Reader eher schlecht. Also ging man ohne Bewertung. Als Blogger tippst du sie sowieso am PC, der Otto Normalleser verfasst gar keine. Dabei sind gerade Selfpublisher (auch Verlagsautoren, aber Selfpublisher eben ein Quäntchen mehr) auf Rezensionen angewiesen, um in der Sichtbarkeit und im Ranking zu steigen.

Dass nun keine Verbalisierung der Bewertung mehr notwendig ist, könnte sich durchaus positiv auf die Anzahl der Bewertungen auswirken. Amazon versteht das eigene Sternesystem folgendermaßen:

1 Stern: Gefällt mir gar nicht
2 Sterne: Gefällt mir nicht
3 Sterne: Okay
4 Sterne: Gefällt mir
5 Sterne: Gefällt mir sehr

Im Grunde braucht man ja gar nicht so sehr über ein Buch nachdenken, um sich für eine Bewertung zu entscheiden. Sieht man von der Rechtschreibung einmal ab, ist das Gefallen von Büchern ohnehin Geschmackssache. Muss der Kunde nun nicht einmal mehr begründen, sondern kann einfach seinem Gefühl freien Lauf lassen und muss vor allem nichts tun, außer einmal zu klicken, wird er das auch eher tun. (Je weniger Klicks nötig, umso eher bekommt man den Internetnutzer zu einer Handlung!)

Muss der Autor damit unbegründete, schlechte Rezis fürchten? Ich denke nicht. Denn das Feld ploppt ja nur am Ende des Buches auf. Der Kunde hat also bis zum Ende gelesen. Wie schlecht kann ein Buch schon sein, wenn man es fertig liest? Im schlimmsten Fall 3 Sterne, würde ich sagen. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Es dürfte also einfach werden, an mehr gute Bewertungen zu kommen. Allerdings weiß ich nicht, inwiefern Amazon die Non-Text-Bewertungen verwertet. Es ist ja bekannt, dass inzwischen verifizierte Käufe mehr zählen als andere Bewertungen, dass die "War diese Bewertung hilfreich"-Klicks berücksichtigt werden, die gelesenen Seiten, die Verkäufe und und und. Es würde mich nicht wundern, wenn die reine Sternevergabe geringer eingestuft wird. Aber hey. Wenn man dadurch viele Bewertungen bekommt, sollte das ausgeglichen werden.

Spielen wir das Gedankenspiel weiter. Wenn also Bücher häufig zu Ende gelesen werden und dann auch dementsprechende Sternebewertungen erhalten - vermutlich 4 oder 5 Sterne in der Masse - ist dies ein Indiz für einen Bestseller. Das Buch steigt im Ranking und der Sichtbarkeit auf, während nicht gelesene Bücher eben in den Tiefen des Amazons versinken. (Wie man es schafft, dass Bücher gelesen werden, ist eine andere Geschichte.) Findet damit eine Selektion über die positiven Bewertungen statt? Werden Bewertungen mit ein oder zwei Sternen damit überflüssig?

Für mich scheint in der non-verbalen Bewertung zumindest eine Entschärfung der Rezensions-Problematik zu liegen. Man wird schon verführt, die zu Ende gelesenen Bücher zu bewerten, die abgebrochenen (aus welchem Grund auch immer) werden vergessen. Schlechte Bewertungen, die aus einem anderen Geschmack resultieren, könnten damit zumindest zurückgedrängt werden. Blogger z.B. werden ohnehin weiter ihre Bewertungen verfassen. Es geht eher darum, die Anzahl der Bewertungen zu steigern. Die Logik dahinter könnte natürlich sein, je mehr Bewertungen, umso aussagekräftiger das Bild, ob man vielleicht einen Bestseller vorliegen hat. Und das wird für Amazon entscheidender sein als das gekränkte Autorenherz. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Amazon den Verlagen Konkurrenz machen will. Da kommt dieses Instrument ja nicht ungelegen.

Die Rückmeldung für die Autoren fällt mit einer reinen Sternebewertung allerdings weg. Andererseits muss man aber fragen, wieviele hilfreiche Feedbacks Autoren überhaupt erhalten, was nicht auf den Geschmack zurückzuführen ist und man will ja Bewertungen von denen, die sowieso keine Rezension verfasst hätten. Außerdem bewegen sich die meisten Autoren in diversen Gruppen, bemühen Testleser und Blogger, von denen sie sich eine Meinung holen können. Ist wohl ohnehin sinnvoller als über einen Vierzeiler bei Amazon.

Rezensionen sorgen immer wieder für Ärger (dazu nächste Woche mehr!), mit einfacher Sternvergabe könnte das entschärft werden. (Trolle bleiben außenvor, denn für diese muss sowieso eine gesonderte Lösung gefunden werden.)

Auch wenn Amazon bei dieser Änderung höchstwahrscheinlich nicht die Seele der Autoren im Blick hatte, bleibt mit Sicherheit ein positiver Effekt für diese.

Edit: Mir wurde mitgeteilt, dass die Sternebewertung am Ende des Buches nicht ins öffentliche Ranking eingeht. Das finde ich sehr schade. Jedoch macht mich stutzig, dass es dort heißt "Öffentlich auf Amazon posten" - vielleicht handelt es sich um ein noch nicht aktiviertes Tool von Amazon? Für sehr unwahrscheinlich halte ich aber, dass Amazon als Riesenkonzern Daten verschenkt. Irgendwo werden diese Bewertungen also mit Sicherheit gespeichert.

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